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Mahnende Worte der Kanzlerin: Sorglose Deutsche verwundern Merkel

Finanzkrise, taumelnde EU-Länder und ein bröckelnder Euro? Für viele Deutsche offenbar kein Grund zur Sorge. Für Kanzlerin Merkel dagegen schon - umso mehr überrascht sie der Optimismus ihrer Landsleute. Für diesen sieht die CDU-Chefin kaum zwingende Gründe.

Kanzlerin Merkel bei Buchveröffentlichung: Frage, wovon Deutschland in Zukunft leben soll Zur Großansicht
DPA

Kanzlerin Merkel bei Buchveröffentlichung: Frage, wovon Deutschland in Zukunft leben soll

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist verwundert darüber, wie sorglos viele Bürger trotz der Finanzkrise in Europa und der angespannten Lage in die Zukunft blicken. Das gelte besonders für die Aussichten der deutschen Unternehmen. Die Grundsorge, ob die deutsche Wirtschaft angesichts der Globalisierung in zehn Jahren noch so stark sein werde wie heute, beunruhige viele Menschen nicht so sehr, sagte Merkel.

Diesen Optimismus ihrer Landsleute kann Merkel offenbar nur bedingt nachvollziehen. Es herrsche die Haltung vor, dass Deutschland auf einem guten Niveau lebe und das schon irgendwie erhalten werde. "Das hat mich verwundert." Die Kanzlerin äußerte sich am Montag in Berlin bei der Vorstellung des von ihr herausgegebenen Buches "Dialog über Deutschlands Zukunft". Sie selbst treibe die Frage, wovon Deutschland in Zukunft leben wolle, dagegen durchaus um.

Merkel hat vor einem Jahr einen Dialog mit Wissenschaftlern und Bürgern über drei Fragen zum Zusammenleben, zu den Lebensgrundlagen und zur Bildung gestartet und die Ergebnisse nun von dem Journalisten Christoph Schlegel aufschreiben lassen.

jok/dpa

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1.
callistonairi 02.07.2012
mich verwundert, dass sie die gute Stimmung (=Wirtschaftsmotor) durch Verunsicherung absichtlich mindert. Oder ist das Taktik?
2. Laissez-faire
ak-73 02.07.2012
Zitat von sysopDPAFinanzkrise, taumelnde EU-Länder und ein bröckelnder Euro? Für viele Deutsche offenbar kein Grund zur Sorge. Für Kanzlerin Merkel dagegen schon - umso mehr überrascht sie der Optimismus ihrer Landsleute. Für diesen sieht die CDU-Chefin kaum zwingende Gründe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,842121,00.html
Die Deutschen halten still, solange es gut geht. Kommt Deutschland aber in die Rezession, steigt die Arbeitslosigkeit... dann wird das Klima hier ganz schnell umschlagen. Auch gegen Europa.
3. wir freuen
rettungsschirm 02.07.2012
Zitat von sysopDPAFinanzkrise, taumelnde EU-Länder und ein bröckelnder Euro? Für viele Deutsche offenbar kein Grund zur Sorge. Für Kanzlerin Merkel dagegen schon - umso mehr überrascht sie der Optimismus ihrer Landsleute. Für diesen sieht die CDU-Chefin kaum zwingende Gründe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,842121,00.html
uns auf das dolce vita, welches spätestens mit der Einführung der Eurbonds auch hierzulande eintreten wird. Denn wenn wir selber nicht wissen, wie wir unseren Lebensstil finanzieren sollen, nerven uns unsere europäischen Brüder auch nicht mehr mit immer neuen Geldforderungen ;)
4. Geht mir auch so...
ton.reg 02.07.2012
Zitat : "Sie selbst treibe die Frage, wovon Deutschland in Zukunft leben wolle, dagegen durchaus um." wenn ich die "Erfolge" der Eurorettung und den Murks ESM anschaue. Da sage doch noch einer, die Politiker würden dauernd nur Lügen.....
5.
Edelweiß 02.07.2012
Frau Merkel sollte einfach mal tun, was (der Legende nach) die Herrscher in alten Zeit getan haben: sich unscheinbar verkleidet unters Volk mischen und die Ohren offen halten. Dann würde sie sich vermutlich noch viel mehr wundern, nämlich darüber, dass das Volk durchaus nicht so optimistisch ist, wie die Hofberichterstattung ihr und uns weismachen will.
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Gedränge unter dem Rettungsschirm
Griechenland
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.
Irland
Dublin hatte Ende 2010 Beistand der Euro-Partner beantragt, Anfang 2011 flossen die ersten Hilfsmilliarden. Insgesamt ist das Rettungspaket 85 Milliarden Euro schwer, wobei 35 Milliarden zur Rekapitalisierung des Bankensektors vorgesehen sind und Dublin 17,5 Milliarden selbst stemmt. Die letzte Tranche von drei Milliarden Euro ist für Ende 2013 vorgesehen.
Portugal
Im Mai 2011 vereinbarten die EU-Finanzminister Hilfszahlungen in Höhe von 78 Milliarden Euro für das Land. Das über drei Jahre bereitgestellte Geld fließt zu zwei Dritteln aus dem Euro-Rettungsfonds und zu einem Drittel aus dem IWF-Budget.
Spanien
Nach langem Zögern und auf Druck seiner europäischen Partner hat Ende Juni auch die Regierung in Madrid Finanzhilfen für den heimischen Bankensektor beantragt. Den Kapitalbedarf muss ein Team aus Experten aber noch beziffern. Zwei Beratungsfirmen haben ein Volumen von maximal 52 bis 62 Milliarden Euro ermittelt, damit die Kreditinstitute bei einer Zuspitzung der Krise nicht kollabieren. Der IWF geht von mindestens 40 Milliarden Euro aus, bliebe als Geldgeber bei einer reinen Bankenrettung ohne Spardiktat indes außen vor. Grundsätzlich hatten die Euro-Finanzminister Spanien schon vor zwei Wochen bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt.
Zypern
Nur wenige Stunden nach Madrid schlüpfte auch Nikosia unter den Rettungsschirm. Wie im Falle Spaniens ist der genaue Kapitalbedarf noch offen und muss zunächst von einem Expertenteam geklärt werden. Diplomatenkreisen zufolge dürfte er sich aber deutlich unter zehn Milliarden Euro bewegen. Ähnlich wie Spanien liebäugelt auch Zypern mit einer "Bankenrettung light", um seine eng mit der krisengeschüttelten griechischen Wirtschaft verbandelten Geldhäuser zu rekapitalisieren. (dapd)
So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.


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