Praxisgebühr soll bleiben: Merkel stellt sich gegen FDP-Pläne
Neue Runde im Streit um die Verwendung der Milliarden-Überschüsse in den Sozialkassen: Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Praxisgebühr beibehalten - und bügelt damit die FDP ab. Auch um mögliche Beitragssenkungen wird weiter gerangelt.
Berlin - Die Praxisgebühr soll bleiben: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt gegenteilige Forderungen des Koalitionspartners FDP ab. Die Kanzlerin habe derzeit nicht die Absicht, die Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal abzuschaffen, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. "Im Moment ist das für sie kein Thema."
Daran änderten auch die am Vortag bekannt gewordenen Milliardenüberschüsse der Sozialkassen nichts. Streiter betonte, "dass es der Bundeskanzlerin im Moment darauf ankommt, dass das Geld der Beitragszahler beisammengehalten wird". 2013 würden die Beitragssätze vermutlich weiter sinken.
In der Koalition, aber auch in der Unionsfraktion, wird über die Verwendung der Überschüsse heftig gestritten. Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) forderte in mehreren Zeitungen weitere Beitragssenkungen Anfang 2013. Der Gesundheitsexperte der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), warnte vor einem leichtfertigen Umgang mit dem Finanzpolster.
Die FDP möchte stattdessen die unbeliebte die Pflichtgebühr für Arztbesuche abschaffen. Entsprechend äußerte sich Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nun erneut. Beitragssenkungen in der Krankenversicherung lehnt er ab. "Den Wegfall der Praxisgebühr spüren die Bürger mehr als eine kleine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge", sagte Bahr der Zeitung "Die Welt".
Dank der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt haben die Sozialkassen insgesamt im vergangenen Jahr einen Überschuss von 13,8 Milliarden Euro erzielt - das höchste Plus seit fünf Jahren. Zugleich mussten Arbeitnehmer aber so viele Abgaben an Staat und Sozialkassen zahlen wie nie..
Neben der FDP spricht sich auch die Opposition für das Ende der Praxisgebühr aus. Vie-Regierungssprecher Streiter warf der Opposition derweil vor, durch ihr Nein zu den von der Koalition geplanten Steuersenkungen eine Entlastung der Beitragszahler zu blockieren. "Wer den von der Bundesregierung angestrebten Abbau der kalten Progression blockiert, der versündigt sich an den Steuerzahlern", sagte Streiter.
Die Opposition lehnt die Steuerpläne wegen der angespannten Haushaltslage ab. Die Koalition plant, Steuerzahler ab 2013 um zwei Milliarden Euro zu entlasten. 2014 soll die Belastung um weitere vier Milliarden Euro sinken. Dies soll vor allem durch den Abbau der kalten Progression geschehen. Diese entsteht, wenn eine Lohnerhöhung nur den Preisanstieg ausgleicht. Die Kaufkraft des Arbeitnehmers steigt dann real nicht, durch den progressiven Tarif bei der Einkommensteuer muss er aber mehr an den Fiskus zahlen. Ohne Zustimmung der von SPD und Grünen regierten Länder scheitern die Steuersenkungspläne.
lgr/dpa/AFP
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