Merkels Begegnung mit Flüchtling Bundesregierung schreibt Bericht über weinende Schülerin um

Die Bundesregierung hat einen Bericht über Merkels viel diskutierte Begegnung mit einem Flüchtlingsmädchen nachträglich geändert. Erst hieß es, die Schülerin habe "vor Aufregung" geweint. Dann wurde die Passage gelöscht.

Screenshot von Regierungsportal: Text nachträglich geändert
www.gut-leben-in-deutschland.de/ [M] SPIEGEL ONLINE

Screenshot von Regierungsportal: Text nachträglich geändert


Angela Merkels Begegnung mit einer weinenden Schülerin aus dem Libanon sorgt weiter für Wirbel. Die Bundesregierung hatte das viel diskutierte Treffen zwischen der Kanzlerin und dem Mädchen aus dem Libanon auf der offiziellen Seite ihres Bürgerdialogs aufgegriffen. Zunächst hieß es dort allerdings, das Mädchen habe "vor lauter Aufregung" geweint. Mittlerweile ist diese Formulierung gelöscht.

Im Bericht des Presseteams der Kanzlerin, der auf der Website "Gut Leben in Deutschland" erschien, lautete die Beschreibung ursprünglich:

"Vor lauter Aufregung musste das Mädchen schließlich weinen und wischte ihre Tränen mit einem Taschentuch weg." So las sich die entsprechende Passage bis Mittwochvormittag.

Seit einigen Stunden ist die Passage leicht abgeändert: "Das Mädchen musste weinen und wischte ihre Tränen mit einem Taschentuch weg", heißt es nun.

Ein wichtiger Unterschied. Denn ob das Mädchen tatsächlich "vor Aufregung" weinte, ist alles andere als gewiss. Die Kanzlerin hatte der Sechstklässlerin am Dienstag bei einem Besuch einer Rostocker Schule erklärt, warum ihre Familie womöglich nicht dauerhaft in Deutschland bleiben könne. Das Mädchen fing während des Gesprächs mit Merkel an zu weinen. Ein Video der Begegnung sorgte am Mittwoch für gemischte Reaktionen (sehen Sie hier eine ungeschnittene Fassung, Länge ca. zehn Minuten).

In dem Video wird deutlich, dass das Mädchen den unklaren Aufenthaltsstatus von sich und ihrer Familie als große Belastung empfindet. "Wir waren kurz davor, abgeschoben zu werden. Mir ging es richtig schlecht", erzählt die Sechstklässlerin. Als die Kanzlerin sieht, dass dem Mädchen Tränen über die Wangen laufen, geht sie zu ihr und versucht, sie zu trösten: "Du hast das doch prima gemacht."

Die Interpretation, das Mädchen habe vor Aufregung geweint, kann man als unangemessen empfinden. Das merkte man wohl auch im Bundespresseamt. Womöglich wurde der Text deshalb im Nachhinein umformuliert. Eine Sprecherin sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, es handele sich um eine "redaktionelle Entscheidung für eine nachträgliche Änderung des Textes". Das sei nicht ungewöhnlich. Im sozialen Netzwerk Twitter fiel die Änderung der Passage rasch auf:


Merkel und das Mädchen hatten in Rostock insgesamt mehr als zehn Minuten miteinander gesprochen. Über gute und schlechte Erfahrungen bei der Integration, über Sprachkenntnisse und darüber, dass die Schülerin ihre Verwandten im Libanon vermisse. Ihr Vater habe früher als Schweißer gearbeitet, hier könne er wegen einer fehlenden Aufenthaltsgenehmigung keinen Job beginnen.

Merkel fragte mehrfach nach und versprach, dass die Bundesregierung Asylverfahren beschleunigen werde. Sie erklärte Hintergründe zur Flüchtlingspolitik, etwa warum Flüchtlinge aus einem Bürgerkriegsland wie Syrien eher Aussichten auf eine langfristige Bleibe in Deutschland hätten als jene aus dem Libanon.

Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert hatten die Kanzlerin und das Mädchen im Anschluss an den Termin keinen direkten Kontakt mehr. Im Netz löste das Video heftige Reaktionen aus.

Hier sehen Sie die Begegnung der Kanzlerin mit der Sechstklässlerin in voller Länge:

Bundesregierung.de


Und hier finden Sie alle Fakten zu Flüchtlings- und Asylpolitik:


amz



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insgesamt 226 Beiträge
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Seite 1
Delden 16.07.2015
1. neulich
Letztens waren wieder Goldwaagen bei Aldi im Angebot. Innerhalb weniger Minuten ausverkauft.
glen13 16.07.2015
2.
Macht doch nicht ein Politikum aus einer menschlichen Reaktion. Und das nur, um ein paar Klicks zu kriegen. Was seit Ihr für Menschen?
alangasi 16.07.2015
3. Eh
jetzt ist aber langsam mal gut!
götzvonberlichingen_2 16.07.2015
4. Abstoßend
da sieht man wohl das Image der fürsorglichen Mutter der Nation in Gefahr. Wenn man so überzeugt von der Richtigkeit der eigenen Asylpolitik ist, dann muss man bitteschön auch damit umgehen können, wenn einem plötzlich echte Menschen mit realen Ängsten gegenübersitzen und entsprechend reagieren. Hier will man aber offensichtlich die Wähler in Watte packen.Abschieben und Polemik gegenüber Asylanten ist ok, solange man nicht auch den betroffenen Menschen dahinter zeigen oder wahrnehmen muss. Schreibtischtäter nannte man das früher mal.
John.Wuk 16.07.2015
5.
Tja, "gut leben in Deutschland"... So sarkastisch kann das plötzlich klingen...
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