CDU-Pleite in NRW Merkel hält an Umweltminister Röttgen fest

In NRW hat sich die CDU blamiert - und mit ihr Spitzenkandidat Norbert Röttgen. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach in Berlin von einem "bitteren Tag" und einer "schmerzhaften" Niederlage. Einen baldigen Abschied aus der Politik schloss der Umweltminister jedoch aus.

REUTERS

Berlin - Die Kanzlerin hielt sich nicht lange mit Floskeln auf. "Einen bitteren Tag" habe die CDU in Nordrhein-Westfalen erlebt und eine "schmerzhafte Niederlage" kassiert, sagte Angela Merkel am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Röttgen in Berlin.

"Wir feiern Erfolge zusammen und ertragen auch Pleiten zusammen. Aber traurig sind wir alle", so die Kanzlerin, die Glückwünsche in Richtung von SPD und FDP schickte. Der Ausgang der Wahl bedeute für die NRW-CDU einen "Umbruch in der Partei".

Sie sehe der Bundestagswahl 2013 aber "sehr gelassen entgegen". Merkel ließ nicht erkennen, wen sie sich zur Wahl 2013 bei der SPD als Herausforderer wünsche. "Was die Frage der Kanzlerkandidatur der SPD anbelangt, ist das außerhalb meiner Zuständigkeit und meines Einflussbereichs", sagte sie. "Insofern lass' ich das einfach geschehen."

Auf die Frage nach Röttgens Eignung für die weitere Arbeit als Umweltminister antwortete Merkel ausweichend. "An der Aufgabenstellung für die Energiewende hat sich nichts geändert." Für eine solche Aufgabe sei aber Kontinuität nötig. Röttgen erklärte mit Blick auf unverhohlene Rücktrittsforderungen aus der Opposition, er denke "derzeit nicht über einen Wechsel aus der Politik irgendwohin nach".

Der ehemalige Spitzenkandidat wiederholte aber seine Selbstkritik vom Vorabend. Die CDU habe es nicht vermocht, eine Wechselstimmung zu begründen. "Wir sind gegen die SPD weder inhaltlich noch mit der Person des Spitzenkandidaten durchgedrungen", erklärte der Umweltminister.

Nach dem Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen wächst auch in Berlin der Druck auf Röttgen. CSU-Chef Horst Seehofer hatte den Bundesumweltminister am Montag scharf kritisiert.

Merkel: Keine Auswirkungen auf Europa-Politik

Seehofer bezeichnete den Wahlausgang in der "Bild"-Zeitung als "eine politische Katastrophe" und "ein Desaster mit Ansage". Kanzlerin Merkel und er hätten Röttgen im Vorfeld klargemacht, dass diese Wahl für die gesamte Union von Bedeutung sei und dass man sich "mit Haut und Haaren und jeder Pore" in den Wahlkampf stürzen müsse. Er spielte damit offensichtlich darauf an, dass Röttgen offen gelassen hatte, ob er nach der Wahl in Berlin bleibe oder nach Düsseldorf in den Landtag wechsele.

Röttgen wollte sich über Seehofer auf der Pressekonferenz nicht äußern. Merkel äußerte sich zurückhaltend. "Der Vorsitzende der CSU hat das gesagt, was ihn bewegt hat." Auf die Frage, wann Seehofer wieder mit ihr sprechen werde, sagte die Kanzlerin: "Dann, wann es sich als notwendig erweist. Davon gehe ich jedenfalls aus." Dies gelte auch umgekehrt.

Im Wahlkampf hatte sich der Minister trotz der Warnung einige peinliche Fehltritte geleistet - die sich offenbar im Resultat niedergeschlagen haben. Röttgen hatte am Sonntag das schlechteste Wahlergebnis bei Landtagswahlen für die NRW-CDU eingefahren und noch am Abend seinen Rücktritt vom Landesvorsitz erklärt.

Das Debakel der CDU in NRW hat laut Merkel keine Auswirkungen auf ihre Position in den anstehenden EU-Debatten. "Die Arbeit in Europa ist dadurch nicht tangiert.", sagte die Kanzlerin einen Tag vor dem Besuch den neuen französischen Präsidenten François Hollande. Ohnehin gebe es keinen Gegensatz zwischen solider Haushaltspolitik und Wachstum.

Die Probleme in Griechenland seien nicht durch zu viel, sondern zu wenig Sparen entstanden. "Klar ist aber auch: Je mehr ich wachse, desto eher kann ich Schulden zurückzahlen", sagte Merkel.

jok/als/dapd/dpa

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Seite 1
sabaro4711 14.05.2012
1. Ooooooooochh...
Zitat von sysopDPAIn NRW hat sich die CDU blamiert - und mit ihr Spitzenkandidat Norbert Röttgen. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach in Berlin von einem "bitteren Tag" und einer "schmerzhaften" Niederlage. Der Umweltminister schloss einen baldigen Abschied aus der Politik aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833033,00.html
Vielleicht hat er noch nicht die notwendigen "Dienstjahre" bis zur lebenslangen Ministerrente zusammen...solange heißt es noch Durchhalten, Mutti sei Dank
earl grey 14.05.2012
2. Völlig klar.
---Zitat--- Merkel hält an Röttgen als Umweltminister fest ---Zitatende--- Völlig klar. jeder, der ihr gefährlich werden könnte, wird entsorgt - sie umgibt sich nur mit Losern, das sichert ihre Stellung. Also darf Röttgen bleiben.
salamist 14.05.2012
3. Entspannung?
DA wirkt er wieder recht entspannt auf dem Bild, der Röttgen. Das der nicht wirklich Lust hatte auf den Job in NRW haben die Leute gleich gemerkelt. Seehofer bringt es auf den Punkt, nur, der hat ja gut reden in seinem Südland. Ob ihm eine Facebookparty bei den vielen Brutusbrüdern in der CSU zum nächsten Wahlsieg reicht wird sich zeigen. Hinter seinem Rücken schleicht sich Guttenberg aus Brüssel schon wieder an. Merkel sollte weniger Hof halten und mehr Asphalt fressen statt Kaviar. Sie und die Union insgesamt ( auch die SPD und die Grünen) ist aber schon zu abgehoben dazu und hat die Bodenhaftung verloren. Küßchen, Blümchen Rentnern die Hand schütteln und mit Beamten kungeln und der Wirtschaft wird nicht reichen. Die Jugend hat es satt für die Dekadenz, Korruption und Unfähigkeit der Altkader die Rechnung zahlen zu müssen.
Wilder Eber 14.05.2012
4. Niederlage ?
Zitat von sysopDPAIn NRW hat sich die CDU blamiert - und mit ihr Spitzenkandidat Norbert Röttgen. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach in Berlin von einem "bitteren Tag" und einer "schmerzhaften" Niederlage. Der Umweltminister schloss einen baldigen Abschied aus der Politik aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833033,00.html
Was soll denn " schmerzhafte Niederlage" bedeuten ? Das Angebot war einfach grottenschlecht !
reznikoff2 14.05.2012
5. Vielleicht...
Zitat von sysopDPAIn NRW hat sich die CDU blamiert - und mit ihr Spitzenkandidat Norbert Röttgen. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach in Berlin von einem "bitteren Tag" und einer "schmerzhaften" Niederlage. Der Umweltminister schloss einen baldigen Abschied aus der Politik aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,833033,00.html
...hilft bei Röttgen auch aufpumpen...
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