Merkel und Seehofer in Passau Wahlkampf in der Hochwasserzone

Die Kanzlerin kommt: Angela Merkel reist durch Deutschlands Hochwassergebiete, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen. Nach Passau fuhr sie gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Seehofer - beste Unionswerbung für zwei wichtige Wahlen.

Von , Passau


Sie trägt etwas dickere Schuhe und einen schlichten blauen Mantel, mit dem sie auch auf dem Berliner Ku'damm unterwegs sein könnte. Er hat sich seine Hosenbeine effektvoll in die schwarzen Gummistiefel gestopft und eine dicke signalfarbene Jacke vom Roten Kreuz übergezogen. Bei der hochwassergeeigneten Kleiderwahl hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Vergleich zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) also mindestens eine Schippe draufgelegt, als die beiden am Dienstag durch die überflutete Stadt Passau laufen.

Am Nikolasplatz, wo sich der Inn inzwischen wieder etwas beruhigt, dafür aber eine klebrige Schlammmasse zurückgelassen hat, wartet schon Oberbürgermeister Jürgen Dupper auf Merkel und Seehofer. "Was erwarten Sie sich von den beiden?", fragt ein Reporter. Der SPD-Mann streicht sich kurz über seinen grauen Bart: "Geld", sagt er dann, das Hochwasser habe in der Stadt einen geschätzten Schaden von 20 Millionen Euro verursacht. Das wäre dann doppelt so viel wie 2002, als es Passau das letzte Mal schwer erwischte.

100 Millionen Euro Soforthilfe soll es für die vom Hochwasser betroffenen Landstriche Bayerns geben, Bund und Land engagieren sich gemeinsam. "50:50", lautet die griffige Formel von Seehofer.

Wir lassen euch nicht allein, wir helfen - das ist eine der zentralen Botschaften von Politikerbesuchen in Katastrophengebieten. Und natürlich sind es auch Auftritte in ganz eigener Sache: Wahlkampf, gerade jetzt, wenige Monate vor der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Bayern, die Seehofer selbst zur "Mutter aller Schlachten" erklärt hat. Wer erinnert sich nicht an die Jahrhundertflut im Jahr 2002, als Bundeskanzler Gerhard Schröder in Gummistiefeln und Regenjacke auf Deiche stapfte und sich wohl auch mit Hilfe dieser Macherbilder die Wiederwahl sicherte?

Merkel kündigt "unbürokratische Hilfe" an

Fotostrecke

19  Bilder
Fluten in Deutschland: Kanzlerin auf Tour durch Hochwassergebiete
Es gehe jetzt um "unbürokratische Hilfe", sagt Merkel in die Mikrofone der TV-Stationen. Man werde am Mittwoch im Kabinett die Millionenhilfe beschließen, damit das Geld schnell fließen könne, sagt Seehofer einem Passauer und fügt hinzu: "Hoffentlich unbürokratisch".

Ein Blick auf die reißende Donau, ein Gang zum Inn und durch die Altstadt, so weit das hier angesichts der Fluten überhaupt möglich ist: Für Merkel und Seehofer ist es das volle Katastrophenprogramm, streng getaktet in einem Zeitfenster von rund 60 Minuten. Die Kanzlerin reist an diesem Dienstag auch noch in Hochwasserregionen in Thüringen und Sachsen.

"The mother of the nation, that will be the image", sagt ein britischer Reporter in seine Kamera, als Merkel in einer Menschentraube auf der teilweise überschwemmten Passauer Fritz-Schäffer-Promenade steht und auf die Donau schaut.

Brezeln, die sie mit Seehofer teilen will

Ein paar Kritiker auf Twitter sind hämischer: "Keine Sorge: #Merkel spricht dem #Hochwasser das vollste Vertrauen aus! Somit ist in einer Woche alles vorbei", heißt es dort etwa. Oder: "Frau #Merkel hat mit dem Besuch beim #Hochwasser bis heute gewartet, damit sie nicht mit Regenschirm los muss." Tatsächlich ist es in Passau am Dienstag weitgehend trocken, und auch die Hochwasserlage hat sich entspannt. "Der Inn fällt schneller als die Donau steigt", sagt der Oberbürgermeister.

Bei ihrem Gang durch Passau hat Merkel viele Hände zu schütteln: die von Soldaten, Polizisten, Einsatzkräften des Technischen Hilfswerks und Bewohnern. "Schön, dass Sie den Leuten hier etwas zu essen anbieten", sagt Merkel einer Frau an einem Brotstand. Die Verkäuferin drückt Merkel eine Brezel in die Hand. "Danke, die muss ich mir mit Herrn Seehofer teilen."

Nach rund einer Stunde ist ihr Besuch vorbei. Auf die Kanzlerin wartet eine schwarze Limousine. Seehofer läuft noch ein paar Meter über die Fritz-Schäffer-Promenade. "Bayern steckt mitten in einer Katastrophe", sagt der Ministerpräsident, aber er sei stolz auf die bayerische Bevölkerung. Die vom Hochwasser Betroffenen seien "äußerst besonnen" und hätten es verdient, "dass man ihnen hilft".

An der Kreuzung steht ein schwarzer BMW bereit, Seehofer greift zur Tür und ist für einen kleinen Moment irritiert: "Sind wir hier richtig?" Alles bestens, signalisieren seine Leute. Los geht's.

insgesamt 131 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fast_weise 04.06.2013
1. na
von Schröder lernen, heißt siegen lernen und auch die Grünen haben doch geschickt immer ihren Klimawandel untergebracht.
thorsten wulff 04.06.2013
2. 16 Jahre Merkel
sind nicht so schlimm wie es klingt… solange es genug Gin Tonic gibt steht man auch das durch.
Liberalitärer 04.06.2013
3. Gummistiefelei
Zitat von sysopDPADie Kanzlerin kommt: Angela Merkel reist durch Deutschlands Hochwassergebiete, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen. Nach Passau fuhr sie gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Seehofer - beste Unionswerbung für zwei wichtige Wahlen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-und-seehofer-in-passau-wahlkampf-in-der-hochwasserzone-a-903702.html
Ich denke nicht, dass das viel bringt, aber ich mag mich irren.
miauwww 04.06.2013
4. Genau
die Truppe, die all die Flussbegradigungen, Auenvernichtungen und Flaechenversiegelungen vorangetrieben hat und dafuer viel Steuergeld ausgegeben hat, spielt sich nun zum mitfuehlenden Helfer auf. Laecherlich.
honk2511 04.06.2013
5. Einfach
Zitat von sysopDPADie Kanzlerin kommt: Angela Merkel reist durch Deutschlands Hochwassergebiete, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen. Nach Passau fuhr sie gemeinsam mit Bayerns Ministerpräsident Seehofer - beste Unionswerbung für zwei wichtige Wahlen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-und-seehofer-in-passau-wahlkampf-in-der-hochwasserzone-a-903702.html
nur schmierig diese Politkasper.... Bilder für das Volk, da kann davon ausgegangen werden, das Angela und Horst des Abends im Bettchen beten und dem Heiland fürs 'Land unter' danken, jetzt noch ne Sturmflut... Ach und Angela: nimm nen Kind auf den Arm(die Wähler haste ja schon) das macht sich gut, besser als wirklich zu helfen 100 MIO unbürokratisch, wer´s glaubt....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.