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Kanzlerin ausgeladen: Sarkozys Wahlkampfmanöver verärgert Merkel

Sie wollte ihm helfen, doch er legt keinen Wert darauf: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen sauer auf Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident hatte die Kanzlerin zunächst um gemeinsame Wahlkampfauftritte gebeten - lud sie dann aber per Radiointerview wieder aus.

Merkel, Sarkozy: Missstimmung wegen des Wahlkampfs Zur Großansicht
REUTERS

Merkel, Sarkozy: Missstimmung wegen des Wahlkampfs

Berlin/Paris - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach SPIEGEL-Informationen verärgert über das Verhalten von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Der konservative Franzose hatte am vergangenen Mittwoch Merkel per Radiointerview von der Kampagne um seine Wiederwahl ausgeladen. "Der Wahlkampf ist Sache der Franzosen", sagte er dem Sender Europe 1.

Anfang des Jahres hatte Sarkozy die Kanzlerin noch gebeten, mit ihm mehrere gemeinsame Auftritte in Frankreich zu absolvieren. Merkel hatte zugesagt - und gleichzeitig dem sozialistischen Herausforderer François Hollande einen Empfang verweigert. Doch als Sarkozys Umfragewerte trotz der engen Allianz mit der deutschen Regierungschefin nicht anstiegen, änderte der Staatspräsident Ende Februar die Richtung.

Als Merkel von der Absage erfuhr, schimpfte sie vor Vertrauten über die Sprunghaftigkeit des Franzosen. Wenige Tage später stellte sie ihn am Rande des EU-Gipfels in Brüssel zur Rede. Sarkozy willigte daraufhin ein, zumindest einen gemeinsamen Auftritt zu veranstalten.

Inzwischen wäre Merkel aber dem Vernehmen nach gar nicht unglücklich, wenn sie vor der Wahl nicht mehr in das Nachbarland reisen müsste. Sie will vermeiden, mit Sarkozys jüngsten rechtspopulistischen Äußerungen in Verbindung gebracht zu werden. Der Präsident hatte in einer Rede den "Zustrom" von Ausländern kritisiert und gedroht, aus dem Schengen-Abkommen auszutreten.

"Säbelrasseln in höchster Potenz"

Die Kanzlerin hatte sich umgehend von solchen Plänen distanziert. Die Freizügigkeit in Europa sei ein "hohes Gut", ließ sie einen Regierungssprecher ausrichten. "Der freie Personenverkehr zählt zu den konkretesten und größten Errungenschaften der europäischen Integration und stellt eine Grundfreiheit dar."

Der Vorstoß des französischen Präsidenten war auch bei anderen EU-Partnern auf entschiedene Kritik gestoßen. Die Idee, das Schengen-Abkommen aufzukündigen, sei populistisch und anti-europäisch, sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Es handele sich um "Säbelrasseln in höchster Potenz". "Schengen in Frage zu stellen, zu schwächen oder kaputtzuschlagen, um den Wählern der Nationalen Front zu gefallen, das ist anti-europäisch und populistisch", sagte Asselborn. "Und es bedeutet, das Instrument, was am besten die europäische Integration für den Bürger darstellt, mit Füßen zu treten." Das Schengen-Abkommen sei ein Markenzeichen der Europäischen Union.

kuz

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1.
Cotti 17.03.2012
Zitat von sysopREUTERSSie wollte ihm helfen - doch er legt keinen Wert darauf: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen sauer auf Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident hatte die Kanzlerin zunächst um gemeinsame Wahlkampfauftritte gebeten - lud sie dann aber per Radiointerview wieder aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,821983,00.html
Tja so ist das... auch im frz. Wahlkampf setzen die professionellen Strategen nur auf schöne Bilder - also lieber Bruni an Sarkozys Seite. Ist auch besser so.
2. Lieber nicht.
festuca 17.03.2012
Ein Auftreten mit Angela Merkel in Frankreich wäre für Sarkozy geradezu kontraproduktiv. Die Kanzlerin sollte aufpassen, sie setzt auf das falsche Pferd.
3. ...
Netcube 17.03.2012
Zitat von sysopREUTERSSie wollte ihm helfen - doch er legt keinen Wert darauf: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen sauer auf Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident hatte die Kanzlerin zunächst um gemeinsame Wahlkampfauftritte gebeten - lud sie dann aber per Radiointerview wieder aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,821983,00.html
Der Artikel liest sich, als ob Merkel das Hin und Her persönlich nimmt und gleichzeitig noch herumbettelt... wenigstens einen Wahlkampfauftritt für ihn machen zu dürfen. Halte viel für möglich, aber das erscheint mir zweifelhaft. Obwohl sie wahrscheinlich Panik hat, das er verliert. Nach dem arabischen Frühling kommt vielleicht jetzt der EU-Frühling. Erst verliert Sarkozy die Wahl, dann verliert die CDU die nächsten drei Landtagswahlen und die FDP... dann gibts Neuwahlen und Trittin wird der nächste BK...........was auch nix ändern würde. ;-)
4.
nikon2000 17.03.2012
Zitat von sysopREUTERSSie wollte ihm helfen - doch er legt keinen Wert darauf: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen sauer auf Nicolas Sarkozy. Der französische Präsident hatte die Kanzlerin zunächst um gemeinsame Wahlkampfauftritte gebeten - lud sie dann aber per Radiointerview wieder aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,821983,00.html
Ich vermisse den Bericht, wo Gabriel (SPD) gerade in Frankreich ist und Hollande unterstützt. Die Anti-Merkel-Stimmung nützt den Schuldenmachern der linken Seite doch wenig, wenn man bedenkt, dass Hollande wesentlich mehr ausgeben will und einen Spitzensteuersatz von 75% einführen möchte- Gabriel von der SPD applaudiert ihm zu und unterstützt ihn.
5.
nikon2000 17.03.2012
Zitat von festucaEin Auftreten mit Angela Merkel in Frankreich wäre für Sarkozy geradezu kontraproduktiv. Die Kanzlerin sollte aufpassen, sie setzt auf das falsche Pferd.
Warum? Ist Hollande besser mit seinen 75% Spitzensteuersatz, den er fordert?...
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