Berlin - Kanzlerin Angela Merkel hat in ihrer eigenen Partei offenbar mehrere Kritiker des geplanten Betreuungsgeldes überzeugen können. So haben die CDU-Bundestagsabgeordneten Monika Grütters und Reinhard Grindel ihren Widerstand aufgegeben, beide signalisierten ein Einlenken. Grütters sagte, die nun geplante Beschleunigung des Kinderkrippenausbaus greife einen wichtigen Punkt der Betreuungsgeldkritiker auf. "Die Vermittlungsversuche der Kanzlerin waren sehr positiv", so die CDU-Politikerin in der der "Berliner Zeitung".
Er habe davor gewarnt, Fehlanreize zu setzen und Kinder aus problembeladenen Familien von optimaler Förderung in der Kita fernzuhalten. Diese Sorge sei jetzt mit der Anrechnung des Betreuungsgeldes auf Hartz-IV-Leistungen weitgehend gebannt, sagte der CDU-Abgeordnete Grindel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wünschenswert wäre es, nun auch den regelmäßigen Besuch von Vorsorgeuntersuchungen für verbindlich zu erklären", so Grindel. Mit Grütters gehörte er zu den Unterzeichnern eines Briefes gegen das Betreuungsgeld. Nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" liegt die Zahl der Betreuungsgeldkritiker in der CDU mittlerweile nach parteiinternen Schätzungen möglicherweise nur noch im einstelligen Bereich.
Kanzlerin Merkel wird sich am Donnerstag mit den Frauen der Unionsfraktion treffen, um mit ihnen auch noch einmal über das Betreuungsgeld zu sprechen. In den Reihen der Frauenunion war die Prämie besonders kritisiert worden. Das Betreuungsgeld wird am Freitag erstmals im Bundestag beraten. Der Bundestag soll noch vor der Sommerpause über das von der CSU forcierte Projekt abstimmen.
Das schwarz-gelbe Kabinett hatte sich in der vergangenen Woche auf die Einführung eines Betreuungsgeldes geeinigt. Es soll ab 2013 an Eltern gezahlt werden, die ihre Kinder nicht in einer öffentlichen Kita oder bei einer staatlich geförderten Tagesmutter betreuen lassen. Zunächst soll es für Kinder im zweiten Lebensjahr 100 Euro monatlich geben. Von 2014 an sollen auch die Kinder im dritten Lebensjahr einbezogen und der Betrag für alle auf 150 Euro monatlich erhöht werden.
Die CSU stellte sich kategorisch gegen jede weitere Änderung am Betreuungsgeld: "Ich sehe keine Notwendigkeit für Änderungen, da alle Details bereits monatelang intensivst diskutiert worden sind", sagte die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt der "Passauer Neuen Presse". Der Obmann der Unionsfraktion im Familienausschuss, Markus Grübel (CDU), betonte dagegen: "Um eine Mehrheit zu bekommen, muss man denen entgegenkommen, die Zweifel haben."
Anders als Empfänger von Hartz IV sollen Bafög-Bezieher nach den Vorstellungen der Regierung vom Betreuungsgeld profitieren. "Nach unserer Planung soll das Betreuungsgeld nicht auf das Bafög angerechnet werden, kommt also obendrauf", sagte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums von Kristina Schröder (CDU) dem "Hamburger Abendblatt".
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast verlangte die Einrichtung einer "Task Force Kita-Ausbau" von Bund, Ländern und Kommunen noch vor der Sommerpause. "Familienministerin Schröder muss jetzt ihre ideologischen Abwehrschlachten umgehend beenden und handeln", sagte Künast der "Süddeutschen Zeitung". Die 1,2 Milliarden Euro, die das Betreuungsgeld jährlich kosten würde, müssten in den Kita-Ausbau fließen. "Wir brauchen jetzt einen Fünfpunkteplan Kita-Ausbau und Qualitätssicherung", sagte Künast. Kommunen, die einen besonders hohen Bedarf an Plätzen für unter Dreijährige hätten, benötigten schnell Hilfe.
anr/dpa/AFP/dpad
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