Nach Attentat von Kopenhagen Merkel verspricht Juden in Deutschland Sicherheit

Der israelische Ministerpräsident Netanyahu hat Juden in Europa zur Auswanderung in den jüdischen Staat aufgefordert. Doch Kanzlerin Merkel bittet sie zu bleiben. Sie will alles tun, um deren Sicherheit zu gewährleisten.

Kanzlerin Merkel: "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt."
REUTERS

Kanzlerin Merkel: "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt."


Berlin - In Kopenhagen ist ein Wachmann vor einer Synagoge erschossen worden, in Frankreich wurden hundert Gräber auf einem jüdischen Friedhof geschändet. Deswegen hat der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu die Juden in Europa aufgefordert auszuwandern. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel bittet sie, in Deutschland zu bleiben: "Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben."

Die Bundesregierung werde alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Bürger und deren Einrichtungen gewährleistet werde, sagte Merkel. "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt."

Bei Anschlägen auf einen schwedischen Mohammed-Karikaturisten und eine Synagoge in Kopenhagen waren am Wochenende drei Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. "Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren", sagte Netanyahu. Es ist bereits das zweite Mal, dass der Premier jüdische Gläubige dazu aufruft, Europa zu verlassen: Bereits nach den Anschlägen mit islamistischem Hintergrund auf einen koscheren Lebensmittelladen und auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris Anfang Januar hatte er diese Empfehlung ausgesprochen.

Auch Frankreichs Ministerpräsident widerspricht der Forderung des israelischen Politikers: "Meine Botschaft an die französischen Juden lautet: Frankreich ist genauso verletzt wie Ihr es seid, und Frankreich wünscht nicht, dass Ihr das Land verlasst", sagte Manuel Valls. Er versicherte den französischen Juden die "Liebe" Frankreichs, die stärker sei als "Taten des Hasses". Auch Frankreichs Präsident François Hollandesagte, die Juden hätten "ihren Platz in Europa und besonders in Frankreich".

Frankreich hat in Westeuropa die größte jüdische Gemeinde, die immer wieder Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt ist. Erst am Sonntag hatten Unbekannte im elsässischen Sarre-Union über 200 Gräber auf einem jüdischen Friedhof geschändet. Stelen wurden umgeworfen, Grabplatten zerschlagen, sogar ein Monument zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust wurde zerstört.

Ermittler nahmen am Montag fünf Jugendliche aus der elsässischen Region fest. Die mutmaßlichen Täter seien zwischen 15 und 17 Jahre alt, sagte der Staatsanwalt. Einer der Jugendlichen habe sich gestellt. Zum Hintergrund konnte der Staatsanwalt noch keine Angaben machen, die Verdächtigen sollen antijüdische Motive ausgeschlossen haben.

vek/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.