Bundestagswahl: Merkel will auch mit einer Stimme Mehrheit regieren
Bei der Wahl am Sonntag wird es richtig eng, das hat nun auch Kanzlerin Merkel kommentiert: Sie werde notfalls mit sehr knapper Mehrheit regieren. Ein prominenter Unionskollege plädiert angesichts der Machtverhältnisse im Bundesrat schon jetzt für eine Große Koalition.
Berlin - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) würde auch mit einer Bundestagsmehrheit von nur einer Stimme die schwarz-gelbe Koalition mit der FDP fortsetzen. Egal, wie knapp die Mehrheit sei, werde man dann gemeinsam Regierungsverantwortung übernehmen, bekräftigte die CDU-Chefin am Mittwoch in einem Interview mit den ARD-"Tagesthemen". Zugleich unterstrich sie aber ihr Ziel, die CDU/CSU bei der Wahl am Sonntag so stark wie möglich zu machen. Die um den Einzug in den Bundestag bangende FDP wirbt massiv um Zweitstimmen von Unionswählern, was die CDU ablehnt.
Die Liberalen legten nun auch Bedingungen für eine Neuauflage von Schwarz-Gelb vor: Dazu gehören eine schrittweise Senkung des Soli-Steuerzuschlags, eine konsequente Schuldentilgung im Bundeshaushalt und die Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung. Das geht aus einem Strategie-Papier des FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle, das mit Parteichef Philipp Rösler abgestimmt wurde, für mögliche Koalitionsverhandlungen mit der Union hervor. Es lag dem "Handelsblatt" und der Nachrichtenagentur dpa vor. Die zentralen Punkte stehen in ähnlicher Form bereits im FDP-Wahlprogramm.
Die Liberalen grenzen sich deutlich von Wahlversprechen der Union ab und pochen auf einen Finanzierungsvorbehalt: "Der Bund muss ab 2015 Schulden tilgen. Der Kampf gegen Schulden muss ambitioniert fortgesetzt werden." Alle anderen Parteien träten für "milliardenschwere Umverteilungsprogramme" an. "Die FDP wird nur eine Koalition eingehen, die weiter die Interessen der breiten Mitte in den Mittelpunkt stellt", hieß es.
In Bayern waren die Liberalen am Sonntag mit 3,3 Prozent aus dem Landtag geflogen. Im Bund liegen sie in Umfragen um die Fünf-Prozent-Marke. Meinungsforscher erwarten am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Schwarz-Gelb und der Opposition.
Unterdessen plädierte der ehemalige CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, für eine Große Koalition von Union und SPD im Bund. "Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat wäre eine Große Koalition diejenige Konstellation, mit der sich in Deutschland noch am ehesten etwas bewegen ließe", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle. In Magdeburg regiert seit 2006 eine große Koalition, die Böhmer bis 2011 geführt hat. Sie habe "gut funktioniert".
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wies jedoch im Deutschlandfunk erneut Spekulationen zurück, seine Partei stelle sich bereits vor der Wahl auf ein Bündnis mit der Union ein. SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück äußerte sich zurückhaltend zu den Diskussionen über eine große Koalition. "Ich werde vier Tage vor der Bundestagswahl nicht mal ein Satzzeichen setzen, das für Spekulationen Anlass gibt", sagte er in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland". Eine rot-rot-grüne Koalition mit der Linkspartei schloss er erneut aus.
mia/dpa/Reuters
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