Merkel zum Köhler-Abgang "Mir war heute sehr traurig ums Herz"

Kanzlerin Angela Merkel bedauert den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler. Sie hätte sich gewünscht, dass er länger im Amt bleibt, sagte sie in einem Fernsehinterview - und kündigte einen Vorschlag für die Nachfolge an.

Angela Merkel: Die Kanzlerin wünscht sich einen breit akzeptierten Köhler-Nachfolger
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Angela Merkel: Die Kanzlerin wünscht sich einen breit akzeptierten Köhler-Nachfolger


Berlin - Union und FDP werden einen Vorschlag für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler machen. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montagabend in einem Gemeinschaftsinterview von ARD und ZDF angekündigt. "Die Mehrheit in der Bundesversammlung ist deutlicher als wir dachten", sagte sie. Deshalb liege es auf der Hand, dass die Regierungsparteien einen Nachfolger oder einen Nachfolgerin vorschlagen würden.

Weil das Amt des Bundespräsidenten ein "nicht-konfrontatives" sei, werde sie aber auch bei der Opposition für Zustimmung für einen Kandidaten werben, kündigte die Kanzlerin und CDU-Chefin an. Über Namen wollte sie am Montag nicht sprechen. Es solle ein Kandidat sein, der "eine Chance hat, von allen akzeptiert zu werden".

Merkel würdigte Köhlers Arbeit. "Er hat unserem Land große Dienste erwiesen", sagte Merkel. Sie hätte sich gewünscht, "dass er länger Bundespräsident ist." Der Abgang kam auch für die Kanzlerin "absolut überraschend". "Wir hatten Präsidiumssitzung der CDU und mir wurde ein Zettel reingereicht, dass der Bundespräsident um 12 Uhr mit mir sprechen möchte und dass es dringend sei", sagte Merkel. Dann habe sie eher an die Vorfälle um Israel und den Schiffskonvoi gedacht. "Das kam dann vollkommen überraschend und ich habe dementsprechend versucht, ihn noch mal umzustimmen." Er sei aber sehr entschlossen gewesen. "Mir war heute aber sehr traurig ums Herz, weil ich weiß, dass so viele Bürger ihn sehr schätzen", sagte die Kanzlerin. "Ich sage Dank für sechs Jahre erfolgreiche Arbeit für Deutschland."

Merkel trat Berichten entgegen, Köhler habe sich zuletzt wegen seiner umstrittenen Afghanistan-Äußerungen von ihr mehr Unterstützung erbeten. "Von einer solchen Nachfrage ist mir nichts bekannt", sagte Merkel. Es sei zudem nicht die Aufgabe, Äußerungen des Bundespräsidenten zu interpretieren. So etwas habe Köhler auch nicht nötig.

Köhlers Rücktritt - der Bundespräsident hatte Merkel an diesem Montag erst wenige Stunden vor seiner offiziellen Bekanntgabe informiert - sei auch kein Affront ihr gegenüber. Sie habe keinen Anspruch darauf, dass der Bundespräsident sich in seinen Entscheidungen nach ihren Wünschen richte, so Merkel.

Merkel wollte angesichts schlechter Umfragewerte, der Euro-Krise und den Rücktritten von Köhler und Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nicht von einer Regierungskrise sprechen. Es gebe derzeit viele Aufgaben, räumte sie zwar ein, fügte aber hinzu: "Der Mensch wächst mit seinen Herausforderungen."

"Mir wird sein Rat fehlen"

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hen/Reuters/dpa

insgesamt 2780 Beiträge
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Seite 1
BeckerC1972, 31.05.2010
1.
Ziemlich ruhige Amtszeit. Nichts bewegt, nichts verändert. Im Sinne des Amtes "repräsentiert".
der IV. Weg 31.05.2010
2. durchwachsen
Wenig Licht ergibt wenig Schatten. Immerhin.
MephistoX 31.05.2010
3.
Bevor ich irgendwas bewerte, warte ich erst mal die offiziellen Stellungnahmen ab ;)
Ghost12 31.05.2010
4.
Zitat von sysopBundespräsident Horst Köhler ist zurückgetreten. Wie bewerten Sie seine Amtszeit?
Tja, Angriffskriege im Osten forderten schon immer ihre Opfer. Mir tun nur die deutschen Soldaten leid, die dort, wenn auch gut bezahlt, sinnlos in Lebensgefahr gebracht werden. Mit Grenzsicherung der Bundesgrenzen hat das nichts zu tun. Und die Afghanen, denen man so einen friedlichen Neuanfang verwehrt. Aber nicht diese Kriegspolitiker.
Emil Peisker 31.05.2010
5. Bundespräsident Horst Köhler
Zitat von sysopBundespräsident Horst Köhler ist zurückgetreten. Wie bewerten Sie seine Amtszeit?
Er wird Mathias Richling fehlen:-(
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