Merkels 60. Geburtstag Historiker spricht auf der Party

Lange hütete Angela Merkel die Personalie wie ein Staatsgeheimnis. Jetzt steht fest: Der Historiker Jürgen Osterhammel wird der Festredner an ihrem 60. Geburtstag.

Kanzlerin Merkel: Indirekt den Historiker schon oft zitiert
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Kanzlerin Merkel: Indirekt den Historiker schon oft zitiert

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Berlin - Wer spricht beim Empfang zu Angela Merkels 60. Geburtstag? Die Kanzlerin selbst, so ist zu hören, war lange nicht entschieden. Am liebsten wäre ihr gewesen, es hätte überhaupt kein Bohei um das Jubiläum gegeben. Der 17. Juli als Tag der großen Sause im Konrad-Adenauer-Haus stand schon länger fest - nicht jedoch, wer der Hauptredner sein würde.

Jetzt ist klar: Merkel wünscht sich den Historiker Jürgen Osterhammel als Gratulanten. Die Einladungen zur Feier sollen am Donnerstag verschickt werden.

Die Auswahl war Chefsache, aus einem einfachen Grund. Merkel selbst hatte mit dem Empfang zu ihrem 50. Geburtstag schon ordentlich vorgelegt. Damals sprach in der Parteizentrale der Hirnforscher Wolf Singer. Ein Hirnforscher ist überzeugt davon, dass die Politik mit der Planung gesellschaftlicher Prozesse überfordert ist. Der freie Willen des Menschen ist aus Singers Sicht eine Illusion. "Dass sich die Vorsitzende der CDU zu ihrem Geburtstag als Festredner einen Forscher wünschte, der das Christentum zu einer überholten Denkform erklärt, ist ein historisches Datum", empörte sich die FAZ.

Der Abend war noch aus anderem Grund spektakulär, der damalige FDP-Chef Westerwelle erschien zum ersten Mal öffentlich mit seinem Partner Michael Mronz. Für die CDU-Seele war das alles schwer verdaulich.

Jetzt also Osterhammel.

Experte für "Globalgeschichte"

Mit ihm wählte die Kanzlerin keinen Star-Historiker wie Heinrich August Winkler, sondern abermals einen Mann, der in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist. In Fachkreisen und bei aufmerksamen Zeitungslesern ist der Historiker von der Universität Konstanz aber sehr wohl populär: Vor vier Jahren wurde er mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet - der renommierteste Wissenschaftspreis in Deutschland, und mit 2,5 Millionen Euro für jeden Preisträger auch eine der höchstdotierten Auszeichnungen.

Osterhammel ist Experte für "Globalgeschichte" - er erforscht das 19. und 20. Jahrhundert nicht nur mit Blick auf einzelne Weltregionen, sondern sucht nach grenzüberschreitenden Gemeinsamkeiten infolge der Globalisierung von Wirtschaftsbeziehungen, Arbeitsbedingungen und Kulturen.

Merkel könnte auf ihn aufmerksam geworden sein durch sein Werk "Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts", eine Art Handbuch über die Entwicklung in dieser Epoche, das auch für Laien gut lesbar ist und in den Feuilletons als großer Wurf gefeiert wurde.

Indirekt hat die Kanzlerin den Historiker schon oft zitiert: Keine Wahlkampfveranstaltung, auf der Merkel nicht den Prozess der Globalisierung beschreibt und die Deutschen warnt, der internationale Wettbewerb werde stärker.

Neben dem Festredner sprechen alte Bekannte, das ist keine Überraschung. Generalsekretär Peter Tauber wird die rund tausend Gäste begrüßen, Unions-Fraktionschef Volker Kauder und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer reden ebenfalls kurz. Der Shanty-Chor aus Merkels Wahlkreis kommt diesmal nicht.

Und im politischen Berlin gehen ab jetzt viele am Freitag gespannt zum Briefkasten: Ist ein Schreiben aus der Parteizentrale gekommen? Bin ich eingeladen?



insgesamt 35 Beiträge
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vantast64 19.06.2014
1. Kein Vertreter der Rüstungsindustrie, keiner der Autoindustrie?
Na ja, die geben ihre Präsente wohl woanders ab.
trackerdog 19.06.2014
2. Wen juckts?
Ich suche noch einen Festredner für meinen Geburtstag. Ich garantiere auch, dass er nicht mit Steuergeld finanziert wird.
hotgorn 19.06.2014
3. falsche berufswahl
Die überbezahlte fachfremde Physikerin Merkel holt sich zu Jubiläen ihres feschtles also gerne Forscher ins Haus. Der freie Wille ist nur rudimentär vorhanden nichts neues. Religionen sind stets eine spinnenreligion auch nicht verkehrt. Vielleicht hätte Merkel in der DDR lieber Archäologie studieren sollen oder sich der Schlafforschung zur Verfügung gestellt.
sysiphus-neu 19.06.2014
4. 60er Geburtstag
Als ehemalige DDR-Bürgerin ist Frau Merkel ja bestimmt noch die besondere Bedeutung des 60. Geburtstages erinnerlich. Mit diesem Alter wurden damals die Frauen in die Rente verabschiedet. Ich plädiere dafür, Frau Merkels Arbeitsverhältnis nach diesem historischen Vorbild zu gestalten - sie hat es sich verdient. Und wir auch.
spmc-122226439819235 19.06.2014
5. Die Hoffnung stirbt zum Schluß
Vielleicht wird ihr krudes Welt - und Menschenbild noch etwas verrückt,man muß jede Chance nutzen,denn in ihrer Nähe gibt es niemanden der ein solches tut.
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