Von Björn Hengst
Hamburg - Vorbei die Zeiten, in denen Kabinettsmitglieder auf abgelegenen Flughäfen zwischenlanden mussten, weil die Reichweite des Flugzeugs zu gering war und aufgetankt werden musste. 13.500 Kilometer schafft der Airbus A340, der am Mittwoch in Hamburg von Lufthansa Technik an die Bundesregierung übergeben wurde: der neue VIP-Jet für die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums , die Kanzlermaschine.
"Konrad Adenauer" heißt das Top-Flugzeug, am Namen hat sich gegenüber dem Vorgängermodell damit nichts geändert. Das war es dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Die am Mittwoch an das Verteidigungsministerium überstellte Maschine ist nicht nur geräumiger, sondern auch deutlich moderner. Sie bietet Platz für 143 Passagiere (bisher 91 Plätze), neben Konferenz- und Arbeitsbereichen gibt es ein Schlafzimmer und eine Dusche. Zudem wird die Maschine noch mit einem US-Raketenabwehrsystem ausgestattet.
Die Bundesregierung hat die neue Air Force One gebraucht gekauft. Seit 1999 stand die Maschine unter der Kennung D-AIGR im Dienst der Lufthansa und hat rund 50.000 Flugstunden hinter sich. Damit ist die neue und aufwendig umgebaute Kanzlermaschine deutlich jünger als der Vorgänger: Der Airbus A310 war 1990 aus den Beständen der DDR-Fluggesellschaft Interflug übernommen worden - die Maschine, in der schon Erich Honecker unterwegs war, galt zuletzt als ziemlich klapprig.
So musste etwa im Jahre 2008 der damalige Bundespräsident Horst Köhler samt 50-köpfiger Delegation von Chinas Hauptstadt Peking aus per Linienflug in die Heimat zurückreisen, weil die Abgasanzeige im Cockpit der "Konrad Adenauer" defekt war. Ein Start erschien dem Piloten als zu risikoreich.
Defekte Maschinen, peinliche Verspätungen, versäumte Termine und sogar Notlandungen - seit Jahren schon plagt sich die deutsche Polit-Prominenz mit veralteten Flugzeugen herum:
Als besonders pannenanfällig haben sich in der Vergangenheit die alten Challengers erwiesen. Sie sollen in den kommenden Jahren durch vier Global-5000-Jets ersetzt werden. Die Modernisierung der maroden Flotte der Flugbereitschaft kostet insgesamt rund eine Milliarde Euro. Bereits 2010 wurden zwei Maschinen vom Typ Airbus 319 angeschafft. Auch für den zweiten Langstreckenflieger "Theodor Heuss" soll es demnächst Ersatz geben.
Allzu viel Luxus leistet sich die Bundesregierung für ihre Flotte allerdings nicht. Das Design der "Konrad Adenauer"-Kabine sei "zeitlos elegant und repräsentativ. Dabei wurde vollständig auf die Verwendung von Echthölzern verzichtet", heißt es in einer Erklärung von Lufthansa Technik. Manch anderer Kunde setzt dagegen offenbar auf Pomp und Glamour: So gab es bereits Aufträge von "Oberhäuptern von Herrscherfamilien, die sich Flugzeuge zum Unikat mit luxuriöser Innenausstattung umbauen ließen". Die Wünsche der Kunden würden bis hin zu "fliegenden Palästen" reichen.
Die ausgemusterten Regierungsmaschinen werden im Auftrag des Bundes versteigert.
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