Merkels neue Air Force One: Raketenabwehr für die Kanzlerin

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Angela Merkel soll künftig sicherer reisen: Die Lufthansa hat jetzt einen gebrauchten, umgebauten Airbus A340 an die Bundesregierung übergeben. Die pannenanfällige alte Kanzlermaschine wird ausgemustert - die neue "Konrad Adenauer" sogar noch mit einer Raketenabwehr ausgerüstet.

"Konrad Adenauer": Merkels Air Force One Fotos
Jan Brandes/ LHT

Hamburg - Vorbei die Zeiten, in denen Kabinettsmitglieder auf abgelegenen Flughäfen zwischenlanden mussten, weil die Reichweite des Flugzeugs zu gering war und aufgetankt werden musste. 13.500 Kilometer schafft der Airbus A340, der am Mittwoch in Hamburg von Lufthansa Technik an die Bundesregierung übergeben wurde: der neue VIP-Jet für die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums , die Kanzlermaschine.

"Konrad Adenauer" heißt das Top-Flugzeug, am Namen hat sich gegenüber dem Vorgängermodell damit nichts geändert. Das war es dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Die am Mittwoch an das Verteidigungsministerium überstellte Maschine ist nicht nur geräumiger, sondern auch deutlich moderner. Sie bietet Platz für 143 Passagiere (bisher 91 Plätze), neben Konferenz- und Arbeitsbereichen gibt es ein Schlafzimmer und eine Dusche. Zudem wird die Maschine noch mit einem US-Raketenabwehrsystem ausgestattet.

Die Bundesregierung hat die neue Air Force One gebraucht gekauft. Seit 1999 stand die Maschine unter der Kennung D-AIGR im Dienst der Lufthansa und hat rund 50.000 Flugstunden hinter sich. Damit ist die neue und aufwendig umgebaute Kanzlermaschine deutlich jünger als der Vorgänger: Der Airbus A310 war 1990 aus den Beständen der DDR-Fluggesellschaft Interflug übernommen worden - die Maschine, in der schon Erich Honecker unterwegs war, galt zuletzt als ziemlich klapprig.

So musste etwa im Jahre 2008 der damalige Bundespräsident Horst Köhler samt 50-köpfiger Delegation von Chinas Hauptstadt Peking aus per Linienflug in die Heimat zurückreisen, weil die Abgasanzeige im Cockpit der "Konrad Adenauer" defekt war. Ein Start erschien dem Piloten als zu risikoreich.

Defekte Maschinen, peinliche Verspätungen, versäumte Termine und sogar Notlandungen - seit Jahren schon plagt sich die deutsche Polit-Prominenz mit veralteten Flugzeugen herum:

  • Der damalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) musste 2005 notlanden, als beim Start in Berlin Qualm die Kabine füllte. "Mayday, Mayday, Mayday", schallte es aus dem Cockpit. Enteisungsmittel hatten sich am Ansaugstutzen der Lüftung entzündet. Fischer war zornig: "Muss ich erst im Weltsaal des Auswärtigen Amts aufgebahrt werden, ehe die Flugbereitschaft neue Maschinen bekommt?"
  • Frank-Walter Steinmeier (SPD) geriet 2007 gleich zweimal binnen weniger Tage in ernsthafte Gefahr: Zunächst musste eine Maschine des damaligen Außenministers die österreichische Hauptstadt Wien im Tiefflug ansteuern - eine Warnlampe im Cockpit hatte Druckabfall in der Kabine angezeigt. Ein paar Tage später kam es zu einer Notlandung in Tegel. Grund: Nach dem Start in Berlin hatte sich das Fahrwerk der Maschine nicht einfahren lassen.
  • Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) musste 2002 mitten im südamerikanischen Regenwald zwischenlanden, weil die Reichweite der alten "Konrad Adenauer" keinen Nonstop-Flug von Mexiko nach São Paulo in Brasilien ermöglichte.
  • Auch Kanzlerin Angela Merkel erlebte schon Pannenflüge. Im März 2009 etwa kam sie erst mit deutlicher Verspätung zum EU-Gipfel in Brüssel. Kurz nach dem Start in Berlin war im Regierungsjet eine Warnlampe aufgeleuchtet: Triebwerksüberhitzung. Der Pilot musste einen Motor abstellen und landete in Hannover, später wurde eine Ersatzmaschine bereitgestellt.

Als besonders pannenanfällig haben sich in der Vergangenheit die alten Challengers erwiesen. Sie sollen in den kommenden Jahren durch vier Global-5000-Jets ersetzt werden. Die Modernisierung der maroden Flotte der Flugbereitschaft kostet insgesamt rund eine Milliarde Euro. Bereits 2010 wurden zwei Maschinen vom Typ Airbus 319 angeschafft. Auch für den zweiten Langstreckenflieger "Theodor Heuss" soll es demnächst Ersatz geben.

Allzu viel Luxus leistet sich die Bundesregierung für ihre Flotte allerdings nicht. Das Design der "Konrad Adenauer"-Kabine sei "zeitlos elegant und repräsentativ. Dabei wurde vollständig auf die Verwendung von Echthölzern verzichtet", heißt es in einer Erklärung von Lufthansa Technik. Manch anderer Kunde setzt dagegen offenbar auf Pomp und Glamour: So gab es bereits Aufträge von "Oberhäuptern von Herrscherfamilien, die sich Flugzeuge zum Unikat mit luxuriöser Innenausstattung umbauen ließen". Die Wünsche der Kunden würden bis hin zu "fliegenden Palästen" reichen.

Die ausgemusterten Regierungsmaschinen werden im Auftrag des Bundes versteigert.

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