Merkels Start in den Wahlkampf Peer wer?

Die Euro-Zone erholt sich, die SPD ist mit sich selbst beschäftigt, die NSA-Affäre scheint der Union nicht zu schaden. Angela Merkel startet selbstbewusst in den Wahlkampfendspurt. Ihren Herausforderer ignoriert die Kanzlerin gnadenlos - sie kämpft nur mit Störern.

Von , Seligenstadt und Ludwigshafen


Es tut bestimmt nicht weh. Das wird Angela Merkel wissen. Sie hat schließlich lange mit diesem Mann zusammengearbeitet, damals in der Großen Koalition. Und da wird die Bundeskanzlerin ihren Finanzminister auch mit seinem Namen angesprochen haben - hoffentlich.

Aber jetzt scheint Peer Steinbrück im Merkel-Kosmos nicht mehr zu existieren. Seit die SPD ihn zum Kanzlerkandidaten gekürt hat, ignoriert die Amtsinhaberin ihn. Sie nimmt seinen Namen nicht in den Mund, das zieht sie eisern durch - auch an diesem Mittwoch, als die CDU-Chefin mit ihren ersten Großkundgebungen in den Wahlkampfendspurt startet. Insgesamt 56 davon stehen bis zum 22. September in Merkels Kalender.

Hessen wählt am gleichen Tag wie der Bund, da ist die Kleinstadt Seligenstadt am Main ein guter Ausgangspunkt für die Tour der Kanzlerin. Den Herausforderer zu ignorieren, hat hier, auf dem kopfsteingepflasterten Marktplatz, zwischen malerischen Fachwerkhäusern etwas Gnadenloses. Sie ist Ausdruck des großen Selbstbewusstseins, mit dem die CDU in die entscheidenden Wochen geht.

Gute Ausgangslage für Merkel

Die Ausgangslage könnte besser auch nicht sein: In den Umfragen liegt die Union weit vor der SPD, auch am Popularitätsvorsprung gegenüber Steinbrück hat sich kaum etwas verändert - trotz NSA-Affäre. Als kleine Dreingabe gibt es aus Merkels Sicht an diesem Mittwoch noch ein paar gute Nachrichten: Die Euro-Zone zeigt deutliche Zeichen der Erholung. Und die SPD beschäftigt sich statt mit der Regierung lieber mit sich selbst.

Das gilt jedenfalls für die Spitze der Genossen. Ein paar von der Basis, genauer von den Jusos, sind nämlich zum Merkel-Termin nach Seligenstadt gekommen, um die Kanzlerin daran zu erinnern, dass sie doch einen Gegner hat bei dieser Wahl. Vielleicht zwei Dutzend demonstrieren mit Plakaten gegen die Überwachung durch US-Geheimdienste und machen mit "Merkel-raus"-Gebrüll, Trillerpfeifen, Sirenen und Ratschen einen solchen Lärm, dass sich die Kinder in der Nähe irgendwann die Ohren zu halten.

Oben auf der Bühne versucht die Kanzlerin, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie kennt das mit den Störern, diesen hier sagt sie deutlich, was sie von dem Radau hält. Wer glaube, nur weil er laut schreie, könne staatliche Unterstützung bekommen, dem könne man nicht helfen. Nett ist das nicht, die Demonstranten so abzustempeln. Die genervten Merkel-Fans aber jubeln dankbar.

Es ist übrigens der einzige Moment, in dem die Kanzlerin wirklich kämpferisch wirkt. Die NSA-Affäre dagegen, um die es den jungen Protestierern vor allem geht, erwähnt die CDU-Chefin in ihrer Rede mit keinem Wort. Sie spricht nur kurz von "Sicherheit in jede Richtung", im Internet genau wie vor Terroristen. Die Vorwürfe gegen die amerikanischen Dienste thematisiert sie nicht.

Viel Eigenlob

Merkel spult ihr Ding ab: Viel Eigenlob für die schwarz-gelbe Arbeit der vergangenen vier Jahre, für gesunkene Arbeitslosenzahlen, Haushaltskonsolidierung und Kita-Ausbau. Dazu ein paar bekannte Punkte aus dem Wahlprogramm, die Mütterrente etwa, die Investitionen in Bildung und Forschung oder der Mindestlohn. Sie erlaubt sich eine Stichelei gegen den grünen "Veggie-Day" und warnt mit Blick auf die Steuerpläne der Konkurrenz vor Neiddiskussionen. So weit, so emotionslos. Statt Polarisierungen bietet Merkel eine schlichte Botschaft: weiter so. Es sieht derzeit ganz so aus, als könnte das reichen, um zumindest das Kanzleramt zu verteidigen - auch wenn es für die schwarz-gelbe Neuauflage eng wird.

Aus Seligenstadt geht es am Abend weiter mit dem Hubschrauber nach Ludwigshafen. Das Ambiente auf dem schmucklosen Theaterplatz in Helmut Kohls Heimatstadt ist deutlich trister als in der hessischen Fachwerkidylle. Dafür muss die Kanzlerin hier ihre Stimme nicht so strapazieren. Die Abordnungen von SPD, Alternative für Deutschland und sogar der rechtsextremen NPD sind zwar auch schon da. Diesmal aber bleibt es bis auf ein paar vereinzelte Zwischenrufe weitgehend ruhig. Aber selbst wenn das Zuhören leichter fällt - eines ist auch hier aus dem Munde Merkels nicht zu vernehmen: der Name Peer Steinbrück.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 245 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
proteo13 15.08.2013
1. optional
Diese ist und wird und ich lehne es ab Sie als meine Kanzlerin zu bezeichnen. Es schüttelt mich mit sam'st meiner Hundehütt'!
kriros 15.08.2013
2. Wer schreibt eigentlich diese
Denjenigen würde ich sofort entlassen, um ein Praktikum in Rhetorik und Argumentaton erlernen zu lassen. Und Glaubwürdigkeit, die fehlt auch noch. Freie Redenschreiber sind doch eigentlich Vordenker: "Wir stehen an der Wand. Weiter so."
E.A.123 15.08.2013
3. Ja
Zitat von sysopDPADie Euro-Zone erholt sich, die SPD kämpft mit sich selbst, und die NSA-Affäre scheint der Union nicht zu schaden. Angela Merkel startet selbstbewusst in den Wahlkampfendspurt. Ihren Herausforderer ignoriert die Kanzlerin gnadenlos - sie kämpft nur mit lautstarken Störern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkels-start-in-den-wahlkampf-a-916670.html
Wir habens ja kapiert.. Es gibt nur eine auf dieser Welt.. Und ihr werdet ja recht behalten.. Keine Panik. Ich habe mir diesen Artikel wie so viele gespeichert.. Ich bin sicher der Nachwelt wird das so manches erklären.
papayu 15.08.2013
4. Das ist Wahlhilfe!
Es fragt sich nur, fuer wen?
maulkorb 15.08.2013
5. Es wird ihr nichts nützen ...
Sie hat im NSA Skandal zu viele Fehler gemacht. Erst hat sie zu lange geschwiegen, dann hat sie sich zu lange mit windigen taktischen Spielchen beschäftigt und erst jetzt tritt sie die Flucht nach vorne an. Und gleich bei ihrem ersten Wahlkampfauftritt patzt sie, indem sie den Bürgern verspricht, ihre Träume zu erfüllen und Verträge mit ihnen abzuschließen. Das ist ja fast schon Bestechung. Ihr größter Feind ist tasächlich nicht Peer Steinbrück, sondern sie selbst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.