Merkels TV-Schlusswort Union bestätigt Abkupfern von Reagan-Rede

Angela Merkel wandelt in den Fußstapfen von Ronald Reagan. Merkwürdig vertraut klangen ihre Schlussworte im TV-Duell. Heute nun räumte die CDU offiziell ein, dass die Kanzlerkandidatin bei einer Rede des ehemaligen US-Präsidenten und Ex-Schauspielers abgekupfert hat.


Angela Merkel: Inspiration Reagan
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Angela Merkel: Inspiration Reagan

Berlin - "Sie hat sich sicherlich davon inspirieren lassen", sagte ein CDU-Sprecher heute in Berlin. Die in den abschließenden Äußerungen am Sonntagabend enthaltenen Positionen seien aber letztlich die gewesen, die die Union im Wahlkampf vertrete. Die rot-grüne Koalition habe in sieben Jahren Regierungszeit ihre Versprechen gebrochen; die Union wolle den Bürgern nun eine Alternative anbieten.

Reagan hatte sich vor 25 Jahren als Präsidentschaftskandidat zum Schluss eines TV-Duells mit Präsident Jimmy Carter in ähnlicher Weise an die Bürger gewandt.

In ähnlichen Worten wie Reagan hatte Merkel am Ende des Streitgesprächs mit Bundeskanzler Gerhard Schröder gesagt: "Liebe Wählerinnen und Wähler, in zwei Wochen werden Sie Ihre Entscheidung über die Wahl fällen. Vielleicht hilft Ihnen die Beantwortung einiger Fragen bei Ihrer Entscheidung: Geht es unserem Land heute besser als vor sieben Jahren, als Rot-Grün antrat? Ist das Wachstum höher? Ist die Arbeitslosigkeit niedriger? Haben wir weniger Bürokratie? Sind unsere Rente, Pflege und Gesundheit sicherer? Wenn Sie alle diese Fragen mit Ja beantworten, dann denke ich, ist es sehr offensichtlich, wen Sie wählen werden. Wenn Sie anderer Meinung sind, wenn Sie nicht wollen, dass wir dem Kurs der vergangenen vier Jahre weiterhin folgen, dann will ich Ihnen eine andere Wahl nahe legen, die Sie haben."

Ronald Reagan (1985): Vorbild für den deutschen Wahlkampf
AP

Ronald Reagan (1985): Vorbild für den deutschen Wahlkampf

Ex-Schauspieler Reagan hatte sich zum Abschluss eines TV-Duells mit seinem Konkurrenten Carter pathetisch an das Publikum gewandt und erklärt: "Am nächsten Dienstag werden Sie alle wählen gehen, werden an den Wahlurnen stehen und eine Entscheidung treffen. Ich denke, wenn Sie diese Entscheidung treffen, wäre es gut, sich selbst zu fragen: Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren? Ist es für Sie einfacher, in die Geschäfte zu gehen und Sachen einzukaufen, als vor vier Jahren? Gibt es mehr oder weniger Arbeitslosigkeit im Land als vor vier Jahren? Ist Amerika so geachtet in der Welt, wie es war? Glauben Sie, dass unsere Sicherheit so groß ist, dass wir so stark sind, wie wir es vor vier Jahren waren? Und wenn Sie all diese Fragen mit Ja beantworten, dann denke ich, dass ihre Entscheidung sehr offenkundig ist, wen Sie wählen. Wenn Sie dem nicht zustimmen, wenn Sie nicht denken, dass dieser Kurs, den wir die vergangenen vier Jahre lang verfolgt haben, das ist, was sie für die kommenden vier Jahre wollen, dann könnte ich Ihnen eine andere Wahl vorschlagen, die Sie haben."

Reagan war vor einem Jahr im Alter von 93 Jahren gestorben. Der republikanische Politiker war zwischen 1981 bis 1989 der 40. Präsident der USA. Die Amtszeit des konservativen Politikers war unter anderem von einer massiven Steigerung der Rüstungsausgaben, Steuersenkungen und Kürzungen im sozialen Bereich geprägt.



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