Rücktritt aus Nationalmannschaft Schäuble sieht Hauptschuld im Fall Özil beim DFB

Bundestagspräsident Schäuble schaltet sich in die Causa Özil ein. "Irgendein kluger Mensch hätte das alles verhindern können und müssen", sagt er. Vor allem der DFB habe nicht angemessen reagiert.

Schäuble in Luxemburg
AFP

Schäuble in Luxemburg


Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) fragt sich, warum der Fall um den mittlerweile zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil nicht verhindert werden konnte. Die Hauptschuld für die Eskalation des Streits sieht er beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

"Ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb man beim DFB zugelassen hat, dass aus einer so unklugen Fotoaktion eine derartige Staatsaffäre gemacht wurde. Das ist ein Jammer", sagte der Politiker den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Özil war wegen seiner umstrittenen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Vorfeld der Fußball-WM in Kritik geraten, hatte aber lange dazu geschwiegen - bis er schließlich bekannt gab, wegen rassistischer Anfeindungen nicht mehr für Deutschland Fußball spielen zu wollen. "Irgendein kluger Mensch hätte das alles verhindern können und müssen", sagt Schäuble nun. "Da die Fußballstars alles junge Menschen sind, muss man ihnen helfen, sie führen, notfalls auch durch Kritik."

Erst nach dem WM-Aus des deutschen Teams forderte DFB-Präsident Reinhard Grindel eine öffentliche Erklärung von Özil zu dem Erdogan-Foto. Der wiederum kritisierte, DFB-Funktionäre hätten seine türkischen Wurzeln nicht respektiert. Özil griff Grindel - einen früheren CDU-Bundestagsabgeordneten - direkt an. Der hat inzwischen Fehler eingeräumt. Der DFB musste für sein Krisenmanagement viel Kritik einstecken.

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Mesut Özil: Der Missverstandene

Schäuble sagte dem RND nun, als Politiker bedauere er, "dass durch eine Fülle von Fehlern und Missverständnissen die Integration gelitten hat. Aber es wird sich schon wieder einrenken". Er frage sich, wieso "gut bezahlte Fußballmanager und -berater" den Schaden nicht hätten verhindern können. Dennoch dürfe man die Integrationsleistungen des Fußballs nicht infrage stellen, dieser habe beachtliche Erfolge ermöglicht.

vks/dpa

insgesamt 33 Beiträge
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pommesbay 26.07.2018
1. Rech hat er...
...der Herr Schäuble. Das frage ich mich auch schon die ganze Zeit. Allerdings: wieso gibt jetzt der Bundestagspräsident noch seinen Senf dazu? Es ist doch alles zum Thema gesagt worden.
muekno 26.07.2018
2. Ich bin wahrlich kein Freund von Herrn Schäuble
aber in diesem Fall hat er völlig recht, der Fall hätte nie zu einer Staatsaffäre werden dürfen. Allerdings hätten sich wenigstens die Politiker insbesondere unser Kanzlerin mit ihren Statements heraushalten sollen. Hätte der der DFB nach dem Foto gesagt Jungs so nicht, ihr fahrt nicht mit und es hätte in der Fussballpresse etwas Gemaule gegeben und nach 3 Tagen wäre alles gut gewesen. Gute Spieler gibt es genug, die beiden haben Ihren Weltmeister 2014, die brauchen nicht noch einen 2018, da sollen auch mal die Jungen ran. vermutlich wären wir dann weitergekommen un wenn nicht wäre der DFB Schuld, ist er so und so, weil die beiden nicht mit durften, aber diese unwürdige Kausa Özil wäre uns erspart geblieben
olicrom 26.07.2018
3. Also wenns sonst keiner tut.....
.... dann presch ich jetzt mal nach vorne. Frei nach dem Motto: Es ist nie zu spät. Also wenn wirklich alle direkt Beteiligten ihre diversen Bekenntnisse und Statements ernst meinen. Und wir alle ernsthaft daran glauben, dass es im Grunde total aus dem Ruder gelaufen ist. Dann soll doch jemand "Kluges" wie Schäuble es ausdrückt, das in Angriff nehmen, und aus einer Katastrophe eine Win-Win Situation machen. Will heissen: Holt Özil zurück in die Nationalmannschaft. Jetzt. Wo und auf welchen Seiten Fehler gemacht wurden, hat Grindel ja schon zum Teil angesprochen. Damit - und ein wenig mehr an Entschuldigung - offen auf Özil zugehen. Zeigen, dass Rassismus keinen Platz hat. Und man in Zukunft gefälligst zu ihm steht, auch wen er Fehler macht. Dabei muss natürlich auch Özil im Sinne des Wortes mitspielen. Er hat ja schon definiert, unter welchen Bedingungen dies zu erfüllen wäre. Das müsste sich machen lassen. Dann muss Özil sich aber auch einer echten Diskussion stellen, also sich auch Fragen gefallen lassen. Die ihm eben von jenen "klugen" Köpfen, von denen Schäuble spricht, gestellt werden sollen und müssen. Aber dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum das nicht klappen sollte. Also, Herr Schäuble. Schlagen Sie jemand vor. Oder machens am besten selber.
b3k0 26.07.2018
4. Fussballer und Politik verträgt sich nicht
Ein Fussballer tut gut daran, seine politische Meinung nicht öffentlich zu machen. Genauso wie ein Politiker sich nicht in Belange des Fussballs einmischen sollte.
noalk 26.07.2018
5. keine Staatsaffäre
Zitat von mueknoaber in diesem Fall hat er völlig recht, der Fall hätte nie zu einer Staatsaffäre werden dürfen. Allerdings hätten sich wenigstens die Politiker insbesondere unser Kanzlerin mit ihren Statements heraushalten sollen. Hätte der der DFB nach dem Foto gesagt Jungs so nicht, ihr fahrt nicht mit und es hätte in der Fussballpresse etwas Gemaule gegeben und nach 3 Tagen wäre alles gut gewesen. Gute Spieler gibt es genug, die beiden haben Ihren Weltmeister 2014, die brauchen nicht noch einen 2018, da sollen auch mal die Jungen ran. vermutlich wären wir dann weitergekommen un wenn nicht wäre der DFB Schuld, ist er so und so, weil die beiden nicht mit durften, aber diese unwürdige Kausa Özil wäre uns erspart geblieben
Die Causa Özil ist für mich zuallererst eine Medienaffäre. Kaum hatte jemand seinen Senf dazugegeben, wurde das medial verbreitet und noch mehr Senf produziert. Und ich fürchte, Die Senfproduzenten haben lange noch nicht fertig.
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