#MeToo-Debatte Familienministerin Barley fordert schärfere Gesetze gegen sexuelle Belästigung

Familienministerin Barley verlangt neue, schärfere Regelungen gegen sexuelle Übergriffe. SPD-Fraktionschefin Nahles kritisiert Männerkumpanei in der Politik und rät Frauen, sich besser zu vernetzen.

Familienministerin Katarina Barley (SPD)
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Familienministerin Katarina Barley (SPD)


Mit Andrea Nahles und Katarina Barley habe sich zwei führende SPD-Politikerinnen in die Debatte um sexuelle Übergriffe und Sexismus eingeschaltet.

Familienministerin Barley zeigt sich erfreut über die #MeToo-Debatte, die nach den erst kürzlich öffentlich gewordenen Missbrauchstaten des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein auch in Deutschland ausgelöst wurde. Weinstein hatte über viele Jahre Frauen in der Filmbranche sexuell belästigt und genötigt.

Im SPIEGEL sagte Barley, sie kenne herablassendes Verhalten von Männern aus ihrer aktiven Zeit als Juristin. Auch in der Politik würden Frauen häufig mit Bemerkungen über ihr Äußeres und ihr Auftreten sexuell erniedrigt.

"Sexismus ist Alltag, in der einen Branche mehr als in der anderen", sagte Barley außerdem der Funke-Mediengruppe. Die Debatte, die durch #MeToo ausgelöst wurde, sei "immens wichtig". Es sei aber auch frustrierend, "weil wir das Thema Sexismus immer wieder diskutieren und sich nicht viel ändert".

Unter dem Hashtag #MeToo berichten Frauen in aller Welt seit Tagen über Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und sexualisierter Gewalt.

Barley forderte härtere Gesetze: "Was körperliche Übergriffe angeht, wie Hand aufs Knie legen, sollten wir juristisch schärfer werden", sagte sie. Bereits im November war auf Initiative von Justizminister Heiko Maas (SPD) das Sexualstrafrecht verschärft und der Tatbestand der sexuellen Belästigung ausgeweitet worden. Vergewaltigung wird seitdem leichter geahndet, auch Begrabschen kann nun als Sexualdelikt hart sanktioniert werden.

Nahles kritisiert Männerkartelle in der Politik

Außerdem forderte Barley im SPIEGEL, das Machtgefälle zwischen Frauen und Männern müsse beseitigt werden. "Die Lohnlücke muss geschlossen werden, es müssen so viele Frauen wie Männer in den Parlamenten sein, Elternzeit muss genauso Frauen- wie Männeraufgabe sein", so die Familienministerin zum SPIEGEL.

Andrea Nahles, SPD-Fraktionschefin im Bundestag, sieht eine typische Sexismus-Erfahrung darin, "dass Frauen nicht ernst genommen werden", sagte sie der "Bild am Sonntag". Bei Frauen werde "sogar noch die Qualifikation angezweifelt, wenn sie bereits sehr erfolgreich im Leben stehen. Ich kenne nichts Vergleichbares bei Männern".

In der Politik bildeten Männer eine Art Kartell. "Immer, wenn ich es in ein Gremium geschafft hatte, stellte ich fest: Es gibt noch ein höheres, informelles Gremium, in dem die Männer die Entscheidungen unter sich treffen." Mit einer Frau an der Spitze der Fraktion sei dieses Muster nun durchbrochen.

Frauen rät Nahles, sich besser zu vernetzen, Männer beherrschten dies hervorragend. "Bei ihnen funktionieren die 'Lobe-Kartelle': Wenn einer von ihnen etwas tut, preisen ihn die anderen sozusagen automatisch. Da müssen wir Frauen besser werden."

cht/dpa/AFP

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