Michael "Bommi" Baumann: Stadtguerilla als Zeuge der Stasi

"Genossen, schmeißt die Knarre weg", sagte Baumann schon 1974. Er war einer der ersten, der sich vom Terrorismus lossagte.

Der in der DDR geborene Michael Baumann gehörte mit Till Meyer zu den Mitgründern der "Bewegung 2. Juni", die nach dem Todestag des Studenten Benno Ohnesorg 1967 benannt ist. Der gelernte Betonbauer, seit Schulzeiten "Bommi" Baumann genannt, stieg aus der Linksterroristen-Szene aus, als sein Freund Georg von Rauch bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde.

Michael "Bommi" Baumann: In linken Kreisen ein "Verräter"
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Michael "Bommi" Baumann: In linken Kreisen ein "Verräter"

Er floh ins Ausland, war in Syrien, Iran, Afghanistan und Indien unterwegs. 1975 erschien seine viel umstrittene Autobiographie "Wie alles anfing", in der er seine persönliche Entwicklung zur Stadtguerilla schildert und sich kritisch mit dem bewaffneten Kampf auseinandersetzte.

Schon zwei Jahre zuvor hatte Baumann sein Wissen preisgegeben. Die Gauck-Behörde entdeckte später Verhörprotokolle der Stasi. Baumann packte rückhaltlos aus: Auf 97 Seiten machte er Angaben zu Anschlägen, Überfällen, Waffenkaliber und sogar zu sexuellen Präferenzen von Personen aus der Stadtguerilla, belastete aber auch sich selbst.

1981 wurde er in London verhaftet und wegen Bankraubs und Sprengstoffanschlägen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Baumann, Jahrgang 1948, hatte sich selbst sehr früh vom Terrorismus losgesagt. In einem SPIEGEL-Interview 1974 sagte er: "Genossen, schmeißt die Knarre weg."

Damals seien alle "reaktionär geworden, zum Wahnsinn mutiert. Ein Irrsinn, da musste ich raus", sagt Baumann heute. Danach habe er in linken Kreisen als "Verräter" gegolten. Baumann ist froh, dass er nicht direkt an Morden beteiligt war: "Ich habe Glück gehabt, dass mir das nicht passiert ist."

Heute lebt er als Rentner und Hausmann in Berlin. Nebenbei schreibt er Bücher, im vergangenem Jahr erschien "Radikales Amerika", in diesem Jahr "Rausch und Terror. Ein politischer Erlebnisbericht". In diesem Buch bekennt Baumann, bis 1993 über Jahre schwer opiatabhängig gewesen zu sein. Er bezeichnet die Drogenpolitik hierzulande als gescheitert und fordert deshalb ein Umdenken: Drogen müssten legalisiert werden. Nur so könne man endlich Terroristen, wie den Taliban, die mit Drogengeschäften ihren Terror finanzieren, die Geldquelle entziehen. Zudem müssten Drogenkranke ausreichend behandelt werden.

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