Herne - Die erste Hürde hat Michelle Müntefering zwar bei ihrer Bundestagskandidatur für den Wahlkreis 141 Herne-Bochum II genommen - doch nun muss sie sich gegen die Herner Ratsfrau Anke Hildenbrand durchsetzen. Obwohl die Herner Sozialdemokraten mehrheitlich für die Ehefrau des ehemaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering stimmten, gibt Hildenbrand nicht auf.
"150 Delegierte aus Herne und Bochum haben bei der Wahlkreiskonferenz das Recht, zu entscheiden, wer diesen Wahlkreis für die SPD in Berlin vertritt - auch die Bochumer", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Die Sozialdemokraten in beiden Städten hätten es verdient, abstimmen zu können, so die 49-jährige Juristin.
Am 18. September findet die Wahlkreiskonferenz in Herne statt. Dort entscheiden die Genossen über die Kandidatur der beiden Frauen. Knapp zwei Drittel der Delegierten stellt Herne, ein Drittel Bochum. Dort hegen viele Sympathien für Hildenbrand.
Hildenbrand informierte die Genossen per Brief über ihre Entscheidung. "Ich bin sicher, dass es jedem Sozialdemokraten ein echtes Anliegen ist, dass ein demokratisch legitimiertes Gremium das Recht der echten Wahlfreiheit zwischen mehreren Bewerbern hat", schreibt sie darin.
Knüpfer empfiehlt Müntefering
Uwe Knüpfer, der Chefredakteur der SPD-Zeitung "Vorwärts"´, gab dagegen auf. Er hatte am Dienstagabend beim Unterbezirksparteitag gerade einmal 18 Stimmen erhalten. "Das war enttäuschend", sagte er SPIEGEL ONLINE. Er empfahl den Delegierten nun, Michelle Müntefering zu wählen: "Die Herner und Bochumer tun gut daran, sie nach dem klaren Votum zu unterstützen." Der Wahlkreis brauche eine "starke Stimme" und dies sei eben eher Michelle Müntefering.
Knüpfer hatte überraschend vor drei Wochen seine Kandidatur erklärt - und damit einigen Wirbel verursacht. Eigentlich war nach parteiinternen Absprachen die Aufstellung der Kandidaten im Januar abgeschlossen. Als Grund machte er geltend, dass ihn Genossen, die er nicht näher namentlich benannte, gebeten hätten, sich zu bewerben. Das seien Hilferufe gewesen. Danach gab es viele Spekulationen, warum Knüpfer überraschend angetreten war.
Sicheres Sprungbrett in den Bundestag
Es kam auch mehrfach Kritik an Münteferings Kandidatur auf. Der Sozialdemokratin gehe es nur um die eigene Karriere, ihre politischen Inhalte seien allenfalls schwammig, hieß es unter anderem bei den Genossen.
Knüpfer unterrichtete seine beiden Gegenkandidatinnen am Mittwochmorgen per SMS über seinen Rückzug. Die 32 Jahre alte Müntefering hatte beim Herner SPD-Parteitag am Dienstagabend 85 und Hildenbrand 53 Stimmen erhalten. Die Direktkandidatur in dem Wahlkreis gilt als sicheres Sprungbrett in den Bundestag - er ist eine Hochburg der Sozialdemokraten.
heb
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