Migrantenstudie: Arm, arbeitslos und ohne Bildung

Von Torben Waleczek und Franziska Gerhardt

Bei Migranten sind Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsrate doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung: Der jüngste Integrationsbericht der Bundesregierung zeigt, dass trotz einiger Fortschritte noch gewaltige Lücken zwischen den Lebenswelten in Deutschland klaffen.

Berlin - Ernüchternde Bilanz: Migranten sind in Deutschland immer noch schlechter gebildet, häufiger arm und arbeitslos als die Gesamtbevölkerung. Auch die Kriminalitätsquote von Ausländern ist noch höher als die von Deutschen. Zu diesen Ergebnissen kommt ein neuer Bericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer.

"Wir haben die richtigen Schritte eingeleitet, aber unser Ziel haben wir noch lange nicht erreicht", sagte die Staatsministerin bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Berlin.

Migrantinnen in Berlin-Kreuzberg: Nur zaghafte Fortschritte bei Integrationsbemühungen
REUTERS

Migrantinnen in Berlin-Kreuzberg: Nur zaghafte Fortschritte bei Integrationsbemühungen

Auf der Basis von Mikrozensus-Daten der Jahre 2005 bis 2007 wurde darin der Stand der Integration von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund untersucht. Erstellt haben das Papier das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Besonders klar wird das Integrationsdefizit von Zuwanderern bei der Bildung: Deutlich weniger Migrantenkinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen den Kindergarten als deutsche Kinder. Weiter geht es in der Schule: Jüngst verließen 16 Prozent der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne einen Abschluss, bei den deutschen Jugendlichen waren es nur 6,5 Prozent. Dieses Bildungsdefizit setzt sich im höheren Alter fort: Bei der Berufsausbildung und den Hochschulabschlüssen liegen Menschen mit Migrationshintergrund deutlich hinter Gleichaltrigen in der Gesamtbevölkerung.

Einen wichtigen Einfluss auf diesen "Bildungsrückstand" haben laut Studie das Bildungsniveau der Eltern und die im Haushalt gesprochene Sprache. Zumindest ein positiver Trend ist jedoch zu erkennen: Die Unterschiede bei den Schul- und Hochschulabschlüssen nahmen in den vergangenen Jahren langsam ab.

Jeder vierte Migrant gilt als arm

Integrationsprobleme zeigen sich auch auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote von Ausländern lag 2007 mit 20,2 Prozent doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung (10,1 Prozent). Zwar ist auch die Arbeitslosigkeit von Ausländern zwischen 2005 und 2007 wegen der guten Konjunkturentwicklung gesunken. Trotzdem haben sich die Quoten von Ausländern und Gesamtbevölkerung in diesem Zeitraum nicht angeglichen. Auch die Zahl der langzeitarbeitslosen Ausländer ist noch immer überdurchschnittlich hoch.

Dazu kommt: Das Einkommen der Migranten mit Job liegt deutlich unter dem der Gesamtbevölkerung - bei der ersten Einwanderergeneration gilt das auch dann, wenn sie in vergleichbarer Stellung arbeiten.

Auch vom Armutsrisiko sind Migranten weit überdurchschnittlich betroffen. 2007 wurde jeder Vierte von ihnen als arm gewertet - in der Gesamtbevölkerung war es nur jeder Achte. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Menschen mit Migrationshintergrund sind zudem deutlich häufiger auf staatliche Sozialleistungen angewiesen als die Gesamtbevölkerung.

Auf den Gesundheitszustand der Menschen hat ein Migrationshintergrund laut Studie keinen besonderen Einfluss. Jedoch gibt es hier eine Einschränkung: Migrantenkinder sind seltener geimpft und durchlaufen seltener Früherkennungsuntersuchungen als deutsche Kinder.

Hohe Gewaltkriminalität bei jungen Ausländern

Auch die Kriminalitätsquoten von Deutschen und Ausländern haben die Forscher verglichen. 2007 lag die Gesamtquote in Deutschland bei 2,7 Prozent, bei der ausländischen Bevölkerung war sie mit 5,4 Prozent genau doppelt so hoch. Vor allem bei der Gewaltkriminalität liegt die Quote der Ausländer deutlich über der der Gesamtbevölkerung. Besonders auffällig sind junge Männer zwischen 14 und 25 Jahren.

Die Autoren des Integrationsberichts weisen allerdings darauf hin, dass die verschiedenen Kriminalitätsquoten von Deutschen und Ausländern mit der unterschiedlichen Sozialstruktur dieser Gruppen zusammenhängen. Vergleicht man sozial ähnlich gestellte Gruppen, dann gleichen sich die Unterschiede aus.

Korrektur: In der ursprünglichen Fassung des Textes wurden die Ergebnisse der Studie fälschlicherweise mit dem "Nationalen Migrationsplan" der Bundesregierung von 2007 in Verbindung gebracht. Die Daten stammen jedoch aus den Jahren 2005 bis 2007, also davor.

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