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Militäreinsatz im Libanon: Syriens Präsident sieht Bundesmarine vor "Mission Impossible"

Der syrische Präsident Baschar al-Assad zweifelt am Sinn des ersten deutschen Militäreinsatzes im Nahen Osten. Er glaubt nicht, dass die Bundesmarine den Waffenschmuggel der Hisbollah verhindern kann. Libanesische Christen haben unterdessen die radikal-islamische Bewegung scharf kritisiert.

Hamburg/Beirut - Niemand könne die Bewaffnung einer Widerstandsbewegung verhindern, wenn diese die Unterstützung des Volkes besitze, sagte Assad in einem Interview mit dem SPIEGEL. Das lehre die Geschichte. So lange die öffentliche Unterstützung für die Hisbollah so hoch sei wie heute, stehe die Bundesmarine vor einer "Mission Impossible". Die Mehrheit im Libanon betrachte den "Widerstand" der Hisbollah gegen Israel als legitim. "Ich rate den Europäern: Verschwendet eure Zeit nicht, geht an die Wurzel des Problems", meinte der syrische Präsident.

Die deutsche Marine war am Donnerstag zu ihrem Einsatz im Nahen Osten ausgelaufen. Acht Schiffe mit knapp tausend
Bundeswehr-Soldaten an Bord werden ab Anfang Oktober vor der libanesischen Küste erwartet. Syrien wird vorgeworfen, die Hisbollah mit Waffen zu beliefern. Assad sagte dazu, die Hisbollah habe das Recht auf Bewaffnung und habe mehr Waffen als genug. Syrien unterstütze die islamische Organisation, "indem wir beim Wiederaufbau im Libanon helfen oder ihren Studenten unsere Universitäten öffnen".

Die Christen im Libanon, die rund ein Drittel der Bevölkerung im Lande ausmachen, haben unterdessen Stellung bezogen gegen die radikal-islamische Hisbollah. Der Krieg der Extremisten gegen Israel habe Unheil über den Libanon gebracht, sagte der christliche und antisyrische Politiker Samir Geagea. Vor zehntausenden von Anhängern in Beirut wandte er sich vor allem gegen die Behauptung von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah, der den 34-tägigen Krieg Israels gegen die Hisbollah als "göttlichen Sieg" bezeichnet hatte.

"Ich merke nichts von einem Sieg", sagte Geagea, "weil die
Mehrheit der Libanesen nichts von einem Sieg merkt. Sie haben
vielmehr das Gefühl, dass sie eine große Katastrophe ereilt hat,
die ihr Leben und ihre Zukunft unsicher macht." Der Krieg hatte
hunderte Libanesen das Leben gekostet, weite Teile der
Infrastruktur wurden zerstört, die Schäden gehen in die Milliarden.

Israel hatte die Hisbollah angegriffen, nachdem die Organisation bei einem Angriff zwei israelische Soldaten entführt hatte. Die erklärten Ziele des Kriegs, die Befreiung der Soldaten und die Zerschlagung der Hisbollah wurden aber nicht erreicht, was auch in Israel eine heftige Debatte ausgelöst hat.

kai/AP/dpa/Reuters

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