Berlin - Als Konsequenz aus der NSU-Affäre will sich der Militärische Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr stärker nach außen öffnen. "Wir wollen in der Tat einen Paradigmenwechsel einleiten", sagte Präsident Ulrich Birkenheier in einem Interview mit der "Welt". "Früher hieß es, die Öffentlichkeit des MAD sei die Bundeswehr." Das neue Motto laute: "Nur wer weiß, was wir machen, kann unsere Arbeit verstehen."
Nach Angaben des Spionagedienst-Chefs baut seine Behörde derzeit eine Pressestelle auf. "Besonders im Zuge der NSU-Affäre haben wir gemerkt, wie sinnvoll es ist, unsere Aufgaben und Leistungen auch nach außen zu präsentieren", sagte Birkenheier.
Der MAD war aufgrund von Ermittlungspannen bei der Aufklärung der Taten des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) in die Kritik geraten. Schon als Soldat war der spätere Terrorist Uwe Mundlos als Rechtsradikaler aufgefallen, wurde aber trotzdem befördert. Stimmen wurden in den vergangenen Monaten lauter, die forderten, den MAD abzuschaffen.
Birkenheier hält seinen Dienst dagegen für "wertvoll und unverzichtbar". "Wir haben Bedrohungen, die nur die Bundeswehr in dieser Form betreffen", sagte er. Der MAD mit seinen derzeit rund 1200 Mitarbeitern habe den gesetzlichen Auftrag, diese Bedrohungen abzuwenden, die Bundeswehr vor Extremisten, Terroristen, Spionage und Sabotage zu schützen. "Andere Nato-Nationen praktizieren das genauso", so der Präsident. "Die schütteln eher den Kopf darüber, wenn in Deutschland die Abschaffung des MAD gefordert wird."
Auch von der Idee, dass der Verfassungsschutz oder der Bundesnachrichtendienst die Aufgaben des MAD übernehmen, hält Birkenheier nichts. "Streitkräfte brauchen einen eigenen Dienst, weil es unbedingt notwendig ist, die spezifischen Strukturen dort gut zu kennen", sagte er. "Streitkräfte sind ein besonderes Ziel von ausländischer Spionage, und das Militär ist auch sehr interessant für gewisse Extremisten."
Birkenheier ist der erste Präsident in der 57-jährigen Geschichte des MAD, der nach Angaben des Blattes überhaupt ein Interview gibt. Er ist seit Juli 2012 im Amt.
heb/AFP
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