Militärprojekt Kommando für Nato-Raketenschild kommt nach Ramstein

Mit einem Schutzschild will die Nato Europa gegen Mittelstreckenraketen sichern - jetzt steht fest: Das Kommando wird in der pfälzischen Luftwaffenbasis Ramstein aufgebaut. Das millionenschwere Militärprojekt stößt in Russland auf massive Vorbehalte.

Luftwaffenbasis Ramstein: Kommando für Nato-Raketenschild
USAF

Luftwaffenbasis Ramstein: Kommando für Nato-Raketenschild


Brüssel - Das Kommando für den geplanten Raketenabwehrschild der Nato wird auf dem Stützpunkt im pfälzischen Ramstein eingerichtet. Das bestätigte ein Sprecher des Hauptquartiers der Alliierten Luftstreitkräfte in Ramstein an diesem Donnerstag.

Der Raketenschild soll Europa Schutz vor einer Bedrohung durch Mittelstreckenraketen bieten. Er soll schrittweise bis zum Jahr 2020 aufgebaut werden. Darauf hatte sich das Militärbündnis vor einem Jahr verständigt. Doch bislang war nicht bekannt, wo die Kommandozentrale dafür aufgebaut werden soll.

Im Zuge der Neuordnung der Nato-Kommandostruktur werde das bislang auf die zwei Standorte Ramstein (Nord) und Izmir (Süd) aufgeteilte Hauptquartier der Luftstreitkräfte komplett in Deutschland konzentriert, sagte nun der Sprecher in Ramstein. Dazu gehöre auch die derzeit im Aufbau befindliche Fähigkeit zur Raketenabwehr.

Das Hauptquartier in Ramstein wird im Zuge dieser Neuordnung in den nächsten zwei Jahren von bislang 400 auf dann 500 Dienstposten erweitert, so der Sprecher.

Russland ist massiv verärgert

Der Raketenschild stößt in Russland auf massive Vorbehalte. Die ursprünglichen Pläne der US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush wurden zwar aufgegeben, doch dringt Washington innerhalb der Nato weiter auf die Realisierung des Raketenschildes. Ende November hatte Russlands Staatschef Dmitrij Medwedew mit der Aufstellung von "modernen Angriffssystemen" nahe der Grenze zur EU als Reaktion auf den Raketenschild gedroht.

Moskau verlangt schriftliche Garantien der USA, dass das Projekt nicht gegen Russland gerichtet ist. Der Kreml schlägt eine gemeinsame Raketenabwehr vor - die Nato bietet hingegen zwei separate, wenn auch eng verzahnte Systeme. Moskau droht damit, den für Mai geplanten Russland-Nato-Gipfel in Chicago platzen zu lassen, falls es bis dahin keine Einigung gibt.

Dabei ist das Projekt längst abgespeckt worden: Anders als ursprünglich geplant geht es nicht um den Aufbau komplett neuer Strukturen, sondern vor allem um die Zusammenlegung bisheriger Abwehrfähigkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten. Vorgesehen ist ein neues Führungs- und Informationssystem, das ein Nato-einheitliches Lagebild erstellt und im Bedrohungsfall auf die Fähigkeiten der einzelnen Länder zugreifen kann.

Die Kosten für den deutlich abgespeckten Raketenschild werden in Nato-Kreisen auf rund 150 Millionen Euro veranschlagt. Hinzugerechnet werden müssen die Kosten für bereits beschlossene Programme zur land- und seegestützten lokalen Flugkörperabwehr mit einem Umfang von knapp 800 Millionen Euro.

"Insbesondere gegen Iran gerichtet"

Beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel wollte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Entscheidung für Ramstein nicht bestätigen. Er sagte lediglich, auch nach den möglichen Abzug von US-Truppen aus Deutschland "wird Deutschland die wichtigste, strategisch bedeutendste Stationierung der Vereinigten Staaten in Europa sein. "Weiter sagte er: "Das begrüßen wir sehr, und dazu gehört insbesondere auch Ramstein in seiner für die Luftwaffe strategischen Bedeutung."

Bei dem Raketenschild gehe es "um eine in Europa stationierte Raketenabwehr gegen Bedrohungen aus dem Nahen Osten, insbesondere aus Iran", sagte de Maizière. "Deutschland kann sich vorstellen, die Patriot-Raketen, die in Deutschland sind, auch als Teil dieses Systems zur Verfügung zu stellen."

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton hatte erklärt, der Schild richte sich nicht gegen Russland, sondern vor allem gegen Iran und andere Akteure, die bedrohliche Raketentechnik entwickelten.

Mehrere Staaten haben bereits ihre Beteiligung an dem Schild zugesagt, unter ihnen Polen, Spanien, Rumänien und die Türkei. So sollen in Spanien bis zum Jahr 2013 mit einem Raketenabfangsystem ausgestattete US-Militärschiffe auf einer US-Marinebasis im südspanischen Rota stationiert werden.

fab/AFP/dapd/dpa

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tschautsen 02.02.2012
1. Schön,
Zitat von sysopMit einem Schutzschild will die Nato Europa gegen Mittelstreckenraketen sichern - jetzt steht fest: Das Kommando wird in der pfälzischen Luftwaffenbasis Ramstein aufgebaut. Das millionenschwere Militärprojekt stößt in Russland auf*massive Vorbehalte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812956,00.html
dann hätte ja der Iran nach Sprachgebrauch ein legitimes Ziel auf deutschem Boden ausgemacht. Aber ist ja eigentlich US-amerikanisches Hoheitsgebiet. Verdenken könnte mans ihm nicht.
oswaldspengler 02.02.2012
2.
Die Russen sollten dann ihrerseits mal ein paar ABM Systeme auf Kuba stationieren und Flugabwehr Zerstörer im Golf von Mexico.Gegen eine mögliche Raketengefahr aus Mexico versteht sich.Vielleicht kann man sich auch innerhalb der SCO mit den Chinesen absprechen die dann ihre Einheiten vor Los Angeles und der Baja california positionieren. Mal schauen auf wieviel Verständniss auf Seiten der USA man dann stößt.
spiekla 02.02.2012
3. Iran, Russland?
Weder Iraner noch Russen haben was gegen Deutsche und andere Europäer. Diese ständigen Versuche sind zu durchsichtig, uns zwecks Rüstungsausgaben neue Bedrohungsszenarien einzureden. Raus mit allen Atomwaffen aus Deutschland. Westerwelle hatte das ja mal auf seiner "Agenda" - reines Gelaber.
Klaschfr 02.02.2012
4. Unverantwortlich
Zitat von sysopMit einem Schutzschild will die Nato Europa gegen Mittelstreckenraketen sichern - jetzt steht fest: Das Kommando wird in der pfälzischen Luftwaffenbasis Ramstein aufgebaut. Das millionenschwere Militärprojekt stößt in Russland auf*massive Vorbehalte. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812956,00.html
ist diese Stationierung! Da glauben Merkel und de Maizière die ganzen Märchen der USA. Aber wenn man aus dem Schleimen nicht herauskann, muss eben alles wunderbar sein. Wenn den Iran niemand angreift, wird er auch nicht angreifen. Mal abwarten, was passiert, wenn irgendjemand gegen den Iran militärisch vorgeht. Dann wird es in Deutschland zu Vergeltungsschlägen kommen. Und dann wird das Gejammere groß sein. Die US-hörige Bundesregierung wird dann zur Verantwortung zu ziehen sein. Das ganz ist Irrsinn!
wika 02.02.2012
5. Ich könnte mich immer wieder biegen vor Lachen …
… wenn in solchen Artikeln dann wieder der Iran als Argument auftaucht. Absurder geht es doch kaum und so blöd sind offenbar auch die Russen nicht, dass sie so blödsinnige Argumente schlucken. Übrigens, im Nahen Osten liegt noch ein anderes kleines Land welches angeblich nicht über Atombomben verfügt, dafür regelmäßig Zuwendungen in Form deutscher U-Boote bekommt. Gegen die A-Bombe des Iran (http://qpress.de/2011/11/10/a-bombe-des-iran-1-000-mal-gefahrlicher-usa-in-panik/) wird jedenfalls diese Umstrukturierung nicht helfen, die ist ganz anders geartet. Diese Maßnahme stellt nur sicher, dass Deutschland weiter Frontstaat ist und im Bedarfsfall zuerst die Bomben zu verkosten bekommt. Bei aller Liebe zu Bündnissen, die NATO hat sich in den letzten Jahren nicht unbedingt den Ruf eines Friedensengels erworben, eher gegenteilig als angriffslustige Meute die gern schon mal unter fadenscheiniger Begründung den willfährigen Handlanger macht. Unter diesen Aspekten sollten wir selbst kritisch bleiben, nicht nur die Russen.
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