Militante Gruppe Haftverschonung für Berliner Soziologen - Terrorverdacht bleibt

Der Ende Juli unter Terrorverdacht verhaftete Wissenschaftler Andrej H. ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Der Haftbefehl besteht weiter - wurde nur außer Vollzug gesetzt. Dem Berliner Soziologen wird vorgeworfen, Mitglied der "militanten gruppe" zu sein.


Berlin - Der 36 Jahre alte Soziologe der Humboldt-Universität konnte heute gegen eine Kaution und Meldeauflagen das Untersuchungsgefängnis verlassen. Der Verdacht, dass Andrej H. Mitglied der terroristischen Vereinigung "militante gruppe" (mg) ist, besteht nach Angaben der Bundesanwaltschaft aber weiter. Der Haftbefehl sei nur außer Vollzug gesetzt worden.

Seine Anwältin Christina Clemm erklärte die Haftverschonung damit, "dass nach Ansicht des Ermittlungsrichters der Fluchtgefahr mit weniger einschneidenden Mitteln als der Untersuchungshaft begegnet werden kann". Nach Angaben der Anwältin hat die Bundesanwaltschaft mitgeteilt, gegen diese Entscheidung in Beschwerde zu gehen. Eine Begründung liege derzeit nicht vor.

Nach Angaben der Unterstützerwebsite einstellung.so36.net stützt die Bundesanwaltschaft ihre Anschuldigungen gegen Andrej H. lediglich auf Indizien. So könnte er aufgrund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in der Lage gewesen sein, Bekennerschreiben der "militanten gruppe" zu verfassen. Andrej H. arbeitet an der Humboldt-Universität und forscht dort unter anderem zum Thema Gentrifikation, der Aufwertung innerstädtischer Wohngebiete.

H. saß vier Wochen in U-Haft. Er war Ende Juli gemeinsam mit drei anderen Verdächtigten aus Berlin festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft den Männern im Alter von 35 bis 46 Jahren die Mitgliedschaft in der "militanten gruppe" vor, die für zahlreiche Brandanschläge verantwortlich gemacht wird. Drei von ihnen waren bei dem Versuch festgenommen worden, in Brandenburg Bundeswehr-Fahrzeuge anzuzünden.

Vergangene Woche hatten mehr als hundert Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in offenen Briefen an die Bundesanwaltschaft die Freilassung des Soziologen gefordert.

ler/dpa/ddp



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