Hochwasserschäden in Deutschland: "Das übersteigt alle Dimensionen"

Hochwasser: Die Fluten und die Zerstörung Fotos
DPA

Kilometerlang erstreckt sich braune Brühe über Wohnviertel und Industrieanlagen: Die Schäden des Hochwassers in Deutschland sind immens. Finanzminister Schäuble sagt neue Hilfsgelder zu, Bayerns Ministerpräsident Seehofer zeigt sich beim Besuch im Krisengebiet erschüttert.

Berlin - Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ist entsetzt über das Ausmaß des Hochwassers. "Es ist unbeschreiblich schlimm. Das übersteigt alle Dimensionen", sagte Seehofer am Donnerstag in Deggendorf. Zuvor war Seehofer mit dem Hubschrauber über die Hochwassergebiete im Landkreis Deggendorf geflogen. Zu den möglichen Auswirkungen ergänzte er: "Es ist schwer zu sagen, wenn man mit den Naturgewalten kämpft, ob man dann gewinnt."

Wie hoch die Schäden der Flut in vielen Teilen Deutschlands ausfallen, ist noch unklar. Doch die Schätzungen verheißen nichts Gutes. Allein Sachsen kalkuliert mit einem Finanzbedarf von mehr als zwei Milliarden Euro. Da wirken die von der Bundesregierung versprochenen 100 Millionen Euro an Soforthilfen vergleichsweise übersichtlich.

Doch bei dieser Summe soll es offenbar nicht bleiben. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den von Flutschäden betroffenen Bürgern weitere Unterstützung über die Soforthilfe hinaus zugesagt. Es werde über die ersten Maßnahmen hinaus alles getan, um die langfristigen Schäden zu beheben, sagte Schäuble am Donnerstag im Bundestag. "Darauf können sich alle verlassen." Es werde solidarische Hilfe geleistet wie bei der Flutkatastrophe 2002.

Angaben zu konkreten Summen machte Schäuble nicht. Die Bundesregierung hat jedoch bereits angekündigt, neben der 100-Millionen-Euro-Soforthilfe ein Kreditpaket der staatlichen Förderbank KfW in gleicher Höhe für Firmen, Kommunen und Privatleute auf den Weg zu bringen. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht versprach den Geschädigten in ihrem Bundesland 20 Millionen Euro Soforthilfe.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: "Wir lassen die betroffenen Menschen nicht allein." Schnelle Hilfe habe Priorität. Dies sei Konsens aller im Bundestag vertretenen Parteien.

Zuvor hatte der Deutsche Städtetag Alarm geschlagen. "Die 100 Millionen Euro des Bundes sind als Soforthilfe angekündigt und als solche wichtig zur kurzfristigen Unterstützung", sagte Städtetag-Präsident Ulrich Maly der "Saarbrücker Zeitung". Die Hochwasserschäden würden voraussichtlich aber deutlich höher sein. "Deshalb wird sicher, wenn das ganze Ausmaß sichtbar wird, über weitere Hilfen gesprochen."

Zugleich forderte er eine rasche Abstimmung von Bund und Ländern. "Der Bund muss umgehend mit den Ländern und Kommunen klären, wie die Bürgerinnen und Bürger unbürokratisch gezielte Unterstützung und Finanzmittel erhalten", sagte Maly. Über die Lage der Kommunen - auch, aber nicht nur angesichts des Hochwassers - debattiert an diesem Donnerstag auch der Bundestag.

Die SPD verlangt nach den katastrophalen Überschwemmungen in Ost- und Süddeutschland einen Milliarden-Hilfsfonds für die betroffenen Regionen. "Ich halte einen Hilfsfonds wie 2002 für erforderlich", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, am Donnerstag im Bundestag. Das Paket müsse Milliardensummen umfassen.

fab/jok/dpa/Reuters

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insgesamt 189 Beiträge
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strauch 06.06.2013
Also wenn man die HRE mit 150 Milliarden decken kann und die Commerzbank für 16Milliarden nunja unterstützt. Dann dürften die Menschen doch Systemrelevant genug sein, das wir hier auch mal von Milliarden statt Millionen reden.
2.
moev 06.06.2013
Zitat von strauchAlso wenn man die HRE mit 150 Milliarden decken kann und die Commerzbank für 16Milliarden nunja unterstützt. Dann dürften die Menschen doch Systemrelevant genug sein, das wir hier auch mal von Milliarden statt Millionen reden.
Kein Problem. "Die 0,1 Milliarden Euro Soforthilfe aus Berlin reichen bei weitem nicht aus, ...."
3. optional
Liebknecht 06.06.2013
Die Solidarität Schäubles hat zum Glück nichts mit der Bundestagswahl zu tun. Deswegen hat er die KFW eben angewiesen, einen bilateralen Kredit in Höhe von 800 Mio. Euro an Spanien auszuzahlen - auf volles Risiko des deutschen Steuerzahlers und ohne Zustimmung des Bundestages (unterhalb der 1 Mrd. "Zustimmunsgrenze") Solidarität hat einen Namen: Schäuble
4. 2002 ... 2013 ... 2021 ...
Lobhudel 06.06.2013
Zitat von sysopDie 100 Millionen Euro Soforthilfe aus Berlin reichen bei weitem nicht aus, um die gewaltigen Flutschäden zu beseitigen. Doch nun können die Menschen in den betroffenen Gebieten auf mehr Unterstützung hoffen: Finanzminister Schäuble verspricht weitere Zahlungen. Milliardenschäden: Schäuble sichert Flutopfern Unterstützung zu - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/milliardenschaeden-schaeuble-sichert-flutopfern-unterstuetzung-zu-a-904083.html)
Bin gespannt, was diesmal mit den Milliarden gemacht wird. In den Hochwasserschutz sind Sie ja wohl kaum geflossen... Geld sollte jedenfalls dieses Mal nur fließen, wenn in den betroffenen Regionen vorrangig Schutzmaßnahmen getroffen werden, die spätestens in fünf Jahren ein solches "Jahrhundert-Hochwasser" unschädlich machen. Ach ja! Man sollte vielleicht schauen, dass diejenigen, die mit Einsprüchen oder Klagen wirksame Schutzmaßnahmen in den letzten 11 Jahren verhindert haben, auf ihren nassen Hintern sitzen bleiben. Allen anderen gönne ich die Hilfe.
5. Das übliche:
OskarVernon 06.06.2013
Zitat von sysopKann mir jemand verraten, warum die Allgemeinheit für die Schäden an privatem Eigentum aufkommen soll?
Eigeninitiative soll sich möglichst nicht lohnen - und die zu unterlassen darf keinesfalls nachteilige Folgen haben! :-(
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