Eklat in Berlin: Ministerien streiten offen über Betreuungsgeld

Der Zoff in der Koalition über das Betreuungsgeld spitzt sich zu: Jetzt stritten sich Vertreter des Justiz- und Familienministeriums auf einer Pressekonferenz. Grund war eine kritische Äußerung von FDP-Chef Rösler.

Mutter mit Kind: Zwist zwischen Familien- und Justizministerium Zur Großansicht
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Mutter mit Kind: Zwist zwischen Familien- und Justizministerium

Berlin - Der Krach über die Details des Betreuungsgeldes ist innerhalb der Bundesregierung eskaliert. Der Sprecher des Justiz- und das Familienministeriums lieferten sich am Montag bei einer Regierungspressekonferenz einen Schlagabtausch: Sie bezichtigten sich gegenseitig, falsche Auskünfte zu erteilen.

Hintergrund für den neuen Zwist ist die Forderung von FDP-Chef Philipp Rösler nach Änderungen an dem Vorhaben. Der Wirtschaftsminister hatte am Wochenende kritisiert, dass der Gesetzentwurf den Parallelbezug von Betreuungs- und Elterngeld im 13. und 14. Lebensmonat des Kindes zulässt. Dies müsse verhindert werden.

Das CDU-geführte Familienressort bekräftigte dagegen, das von FDP-Vize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geleitete Justizressort habe ausdrücklich auf dem Nebeneinander der Sozialleistungen bestanden.

Das Justizministerium widersprach dieser Darstellung bei der Pressekonferenz am Montag entschieden. "Das ist falsch. Das Justizministerium hat zu keinem Zeitpunkt gefordert, dass Elterngeld und Betreuungsgeld parallel laufen", sagte Sprecher Anders Mertzlufft. Offenbar handele es sich um ein Missverständnis.

Sein Sprecherkollege Christoph Steegmans vom Familienressort sagte dagegen, die Darstellung seines Hauses sei "absolut korrekt". Ein hoher Beamter des Justizministeriums habe am 30. Mai in einer Runde ungefragt den Parallelbezug aus verfassungsrechtlichen Gründen als unverzichtbar bezeichnet. Im Anschluss an ein Treffen der Staatssekretäre am 4. Juni habe das Justizministerium diese Haltung bekräftigt, sagte der Sprecher von Familienministerin Kristina Schröder (CDU).

CSU-Chef Horst Seehofer hatte bereits am Wochenende mit einem Bruch der Berliner Koalition gedroht, falls das von seiner Partei forcierte Betreuungsgeld scheitern sollte. Am Montag mahnte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt Vertragstreue an. FDP-Parteichef Rösler habe das Vorhaben mit vereinbart. Man verfolge das Gesetzesvorhaben "mit Nachdruck", versicherte Vizeregierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin.

Die Sozialleistung soll ab dem kommenden Jahr 100 Euro für Einjährige und ab 2014 150 Euro für Ein- und Zweijährige betragen, wenn die Eltern für ihre Kinder keine staatlich geförderte Kita in Anspruch nehmen.

Am Freitag war eine erste Lesung im Bundestag gescheitert, weil das Plenum bei einer Abstimmung vor der ersten Lesung des Betreuungsgeldgesetzes zu wenig besetzt und damit nicht beschlussfähig war. Nun soll die Familienleistung erst nach der Sommerpause verabschiedet werden.

heb/Reuters/dapd

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1. nee
dadanchali 18.06.2012
Zitat von sysopDer Zoff in der Koalition über das Betreuungsgeld spitzt sich zu: Jetzt stritten sich Vertreter des Justiz- und Familienministeriums bei einer Pressekonferenz. Grund war eine kritische Äußerung von FDP-Chef Rösler. Ministerien zoffen sich offen über das Betreuungsgeld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839585,00.html)
Was für ein erbärmlicher Verein. Eine schwachsinnige Regelung soll durchgepeitscht werden weil eine steinzeitliche Regionalpartei die Muskeln spielen läßt. Eine drei Prozentpartei hält dagegen. Geld wird verteilt nach dem Motto, schmeiß ich was sinnlos raus darfst du auch sinnlos prassen. Vielleicht kann man die einjährigen ja bei Mövenpick unterbringen dann ist Beiden Parteien geholfen.
2. Franz Josef Strauß
somasemapsyches 18.06.2012
Zitat von sysopDer Zoff in der Koalition über das Betreuungsgeld spitzt sich zu: Jetzt stritten sich Vertreter des Justiz- und Familienministeriums bei einer Pressekonferenz. Grund war eine kritische Äußerung von FDP-Chef Rösler. Ministerien zoffen sich offen über das Betreuungsgeld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839585,00.html)
zum Gedenken lässt sich sagen: Saustall wäre hier noch eine gelinde Untertreibung.
3. Sommerloch
Schroekel 18.06.2012
Zitat von sysopDer Zoff in der Koalition über das Betreuungsgeld spitzt sich zu: Jetzt stritten sich Vertreter des Justiz- und Familienministeriums bei einer Pressekonferenz. Grund war eine kritische Äußerung von FDP-Chef Rösler. Ministerien zoffen sich offen über das Betreuungsgeld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839585,00.html)
wahnsinnig komisch, diese Nummer. Seehofer macht in völlig bedeutungslosem Terrain auf Machtfrage und das Schröder erleidet steht auf der Abschußrampe. Die deutsche Politik und insbesondere diese Koalition der Unmutigen garantiert doch immer wieder nachhaltigen Unterhaltungswert. Dass dabei das Fräulein Schröder einen ebenso nachhaltigen Karriereknick abbekommt, ist nicht weniger attraktiv wie sie selbst.
4.
XXYYZZ 18.06.2012
Wenn man sich denn auf Seehofer verlassen könnte, daß der Koalitionsbruch ein Versprechen ist und keine leere Drohung!
5.
meistro 18.06.2012
Die Koalition wird mit dem Druck nicht mehr fertig, der da von überall auf sie einwirkt. Es wird Zeit für eine andere Regierung; diese bringt nichts mehr zustande.
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Umfrage: "Das Betreuungsgeld ist eine fatale Sackgasse"

Die Pläne für das Betreuungsgeld
Das Betreuungsgeld soll nach den bisherigen Plänen der Koalition vom 1. Januar 2013 an ausgezahlt werden. Es soll Familien zugutekommen, die ihr Kleinkind nicht in eine Kindertagesstätte bringen, sondern bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreuen möchten. 2013 sollen junge Familien demnach monatlich 100 Euro für das zweite Lebensjahr des Kindes bekommen, vom 1. Januar 2014 an 150 Euro für das zweite und dritte Lebensjahr. Das Betreuungsgeld soll unabhängig von Erwerbstätigkeit und Einkommen garantiert werden.