Scharfe Kritik in offenem Brief Schröder-Gegner starten Internetkampagne

Der Widerstand gegen die Politik von Familienministerin Kristina Schröder wächst: Ihre Gegner machen mobil, mehrere prominente Grünen-Politiker haben eine Kampagne im Netz gestartet. Die Ministerin steht wegen ihres Feminismus-Buchs und des umstrittenen Betreuungsgeldes in der Kritik.

Familienministerin Kristina Schröder: Schwere Tage und Wochen
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Familienministerin Kristina Schröder: Schwere Tage und Wochen

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Berlin - Bundesministerin Kristina Schröder (CDU) gerät wegen ihrer Frauen- und Familienpolitik unter Druck. Mehrere prominente Politiker, darunter die Spitzen-Grünen Claudia Roth, Renate Künast und Malte Spitz, haben einen offenen Brief an Schröder unterzeichnet, der mit den umstrittenen Positionen der Ministerin abrechnet.

"Wir fühlen uns von der für Frauen- und Familienpolitik zuständigen Ministerin Kristina Schröder nicht vertreten", heißt es in dem offenen Brief, den etwa 50 Politiker, Politikerinnen und Mitinitiatoren unterzeichneten. "Kristina Schröder lässt uns mit unseren strukturellen Problemen alleine", kritisieren die Verfasser.

Der Brief wurde am Donnerstag auf der Website des feministischen Blogs Mädchenmannschaft e.V. veröffentlicht, auf einer Anti-Schröder-Seite mit dem Namen nichtmeineministerin.de kann man die Initiative unterstützen. Zudem wurde eine gleichnamige Facebook-Seite ins Leben gerufen. Am Donnerstagabend hatte der Brief bereits mehrere hundert Unterstützer gefunden.

"Tun Sie endlich, wofür Sie bezahlt werden, von unseren Steuergeldern", mahnen die Initiatoren weiter. "Machen Sie Politik für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die echte Wahlfreiheit ermöglichen!" Am Ende des Briefes steht die Aufforderung zum Rücktritt, sollte Schröder diese Ziele nicht durchsetzen wollen.

Terre des Femmes in der Unterstützerliste

Neben der feministischen Piratengruppe "Kegelklub" findet sich unter den Unterzeichnern ausgerechnet auch die Frauenhilfsorganisation Terre des Femmes, der Schröder den Erlös ihres Buches spenden will. "Die Bundesfamilienministerin verdient mit diesem Buch kein Geld. Ihr Erlös aus dem hälftig aufgeteilten Autorenhonorar kommt der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes zugute", heißt es im Vorwort zum Buch.

Schröder hat schwere Tage und Wochen hinter sich: Der Streit um das Betreuungsgeld, das Schröder als zuständige Ministerin in ein Gesetz gießen muss, eskaliert in der eigenen Partei. Schröders Modell der flexiblen Frauenquote stößt auch bei Frauen in den eigenen Reihen auf Ablehnung.

Ihr Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber!" wurde durchgehend vernichtend rezensiert. Als Schröder das Buch an diesem Dienstagabend in Berlin-Prenzlauer Berg vorstellte, kamen hämische Zwischenrufe aus dem Publikum. Ein Team der Satiresendung "Extra 3" verhöhnte die Ministerin mit einem Lied, Moderator Tobias Schlegl überreichte Schröder für ihren Einsatz fürs Betreuungsgeld eine goldene Schürze.

Kritik hagelt es außerdem von der Opposition an der Rolle von Schröders Co-Autorin. SPD und Grüne verlangten Aufklärung: "Es ist nicht die Aufgabe von Mitarbeitern, ein privates Buch für die Ministerin zu schreiben."

Auf SPIEGEL ONLINE hatten sich am Donnerstag Frauen aus ganz Deutschland gegen das Betreuungsgeld ausgesprochen - darunter prominente Unionsanhängerinnen. Auch SPIEGEL-ONLINE-Leser stimmten deutlich gegen die Prämie: Mehr als 7300 Leser stimmten über das Betreuungsgeld ab, knapp 85 Prozent der Vote-Teilnehmer sprachen sich gegen den Zuschuss aus.

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insgesamt 107 Beiträge
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caecilia_metella 19.04.2012
1. Jaja
Es wirkt immer gut, wenn man ein paar Betroffene vorschiebt. Den Arbeitgebern könnten schließlich bei soviel Bedarf an Billigarbeitsplätzen ein paar Billigarbeitskräfte fehlen. Insolvente Drogeriekette: Hunderte Schlecker-Frauen klagen gegen Kündigung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,828500,00.html) Aber etwas fordern ist schon ein guter Ansatz für Frauen, denen es ganz selbstverständlich ist, dass immer sie es sein müssen, die sich zu emanzipieren haben. Wie wäre es denn mit einer Bitte? An einen Chef, für den du jederzeit austauschbar bist? Aber macht nichts. Viel Erfolg. Beim Kämpfen. Ums Überleben.
tamgarun 19.04.2012
2.
Ein verwöhntes Frauchen, das keine Ahnung hat, wie es ist, in einem normalen Leben Familie und Beruf zu vereinbaren. Die es für feministisches Geschwätz und ungenügenden Willen der Frauen hält, wenn sie zu wenig Geld bekommen. Die einerseits sagt, dass gerade bildungsferne Eltern wenig für mehr Chancen ihrer Kinder tun, andererseits diesen Eltern jetzt Geld anbieten will, damit sie die Kinder nicht in die Kita schicken. Es zeigt sich einmal mehr: Merkel besetzt Posten grundsätzlich entgegen jeder Kompetenz, sondern ausschließlich aus politischem Kalkül. Denn wir sollten nie vergessen, Merkel ist es, der wir all das zu verdanken haben. Diese Frau ist das Schlimmste, was Deutschland seit 1949 passiert ist. Und wer mal glaubte, dass es nicht schlimmer kommen könne, nach Kohl, dem hat Merkel gezeigt, dass sie kann. Doppelt und dreifach.
rascher 19.04.2012
3. Eine wirklich starke Frau!
Zitat von sysopDPADer Widerstand gegen die Politik von Familienministerin Kristina Schröder wächst: Ihre Gegner machen mobil, mehrere prominente Grünen-Politiker haben eine Kampagne im Netz gestartet. Die Ministerin steht wegen ihres Feminismus-Buchs und des umstrittenen Betreuungsgeldes in der Kritik. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828620,00.html
Ja, ja, da läuft eine neue Kampagne der "modernen Frauen" mit tätiger Mithilfe der Medien, die wieder einmal im Gleichschritt marschierend die Richtung vorgeben wollen. Opfer ist diesmal eine wirklich starke Frau, mit Abstand eine der Vernünftigsten in der Riege der Spitzenpolitikerinnen. Eine, die nicht jeder, vom Zeitgeist diktierten Albernheit, nachläuft. Man kann Kristina Schröder nur wünschen standhaft zu bleiben. Vielleicht trauen sich auch einmal andere moderne Frauen, die genauso denken, aus der Deckung und unterstützen sie. Auch wenn es riskant ist, sich der geballten veröffentlichten Meinung entgegenzustellen. Es gibt ja viele Beispiele, die abschrecken.
nagevog 19.04.2012
4.
Zitat von rascherJa, ja, da läuft eine neue Kampagne der "modernen Frauen" mit tätiger Mithilfe der Medien, die wieder einmal im Gleichschritt marschierend die Richtung vorgeben wollen. Opfer ist diesmal eine wirklich starke Frau, mit Abstand eine der Vernünftigsten in der Riege der Spitzenpolitikerinnen. Eine, die nicht jeder, vom Zeitgeist diktierten Albernheit, nachläuft. Man kann Kristina Schröder nur wünschen standhaft zu bleiben. Vielleicht trauen sich auch einmal andere moderne Frauen, die genauso denken, aus der Deckung und unterstützen sie. Auch wenn es riskant ist, sich der geballten veröffentlichten Meinung entgegenzustellen. Es gibt ja viele Beispiele, die abschrecken.
Da muß ich Sie enttäuschen. Alle Artikel, Meinungen und Interviews die nicht dem PC-Femanzen-Dogma entsprechen, werden von den üblichen Medien einfach ignoriert, bzw. nicht veröffentlicht. Wo kämen wir da auch hin, wenn sich Menschen nach der Lektüre aller Standpunkte auch noch eine eigene Meinung bilden müssten ;) Zum Thema: Ich finde es wunderbar, wie sich Frau Schröder ihre eigenen Gedanken zu diesem Thema macht, und nicht dumpf die altbackenen Parolen der Feministinnen nachplappert. Das nenn ich eine starke, moderne Frau.
Pizza No.7 19.04.2012
5. Meinungsfreiheit? Fehlanzeige!
Zitat von sysopDPADer Widerstand gegen die Politik von Familienministerin Kristina Schröder wächst: Ihre Gegner machen mobil, mehrere prominente Grünen-Politiker haben eine Kampagne im Netz gestartet. Die Ministerin steht wegen ihres Feminismus-Buchs und des umstrittenen Betreuungsgeldes in der Kritik. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828620,00.html
So ist das also: eine Frau Schröder schreibt ein Buch, und ihre Gegner empören sich. Ein SPD-Mann in BaWü schreibt einen Facebook-Eintrag, und er wird aus dem Amt gekickt. Ich lerne: Politiker sollten einfach nur das Maul halten und sich irgendwie nach Oben lavieren. Peinlich. Diese ganzen Kampagnen sind peinlich. Man sollte die Meinung Anderer respektieren. Auch wenn es Politiker sind.
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