Ministeriums-Initiative Erzieher sollen schärfer überprüft werden

Das Familienministerium plant ein schärferes Kinderschutzgesetz. Jugendämter müssen demnach künftig von Erziehern bei der Bewerbung ein erweitertes Führungszeugnis verlangen. So soll sexueller Missbrauch von Kindern verhindert werden.

Ministerin Schröder: "Katholische Kirche sehr um Aufklärung bemüht"
dpa

Ministerin Schröder: "Katholische Kirche sehr um Aufklärung bemüht"


Berlin - Bundesfamilienministerin Kristina Schröder plant schärfere Auflagen bei der Anstellung von Erziehern. Das neue Kinderschutzgesetz, das in ihrem Ministerium erarbeitet werde, sehe vor, "dass Jugendämter beziehungsweise freie Träger von Bewerbern ein erweitertes Führungszeugnis verlangen können", sagte die CDU-Politikerin dem "Wiesbadener Kurier".

Man wisse, dass sich Täter "ganz gezielt Berufe aussuchen, in denen sie mit Kindern arbeiten" können. "Unser wichtigstes Ziel muss es aber sein, die Rahmenbedingungen so zu gestalten und weiterzuentwickeln, dass es Tätern immer weiter erschwert wird, neue Opfer zu finden", erläuterte Schröder. Das fange schon beim Bewerbungsgespräch an. Darüber hinaus müssten alle Fachkräfte, aber auch die Eltern sensibilisiert werden, um möglichem Missbrauch rechtzeitig vorbeugen "oder tatsächliche Missbrauchsfälle schneller erkennen zu können", sagte Schröder.

Ihr Ziel sei eine Selbstverpflichtung von Einrichtungen wie Schulen oder Vereinen, wie sie sich in konkreten Fällen zu verhalten haben. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte SPIEGEL ONLINE, das Gesetz werde bereits seit Wochen vorbereitet und sei nicht als Reaktion auf die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle initiiert worden.

Akteure sollen Ende April zu Rundem Tisch zusammenkommen

Im Herbst wird Schröder zufolge zudem ein Aktionsplan zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt und Ausbeutung ins Kabinett eingebracht. Dabei seien "der Schutz vor sexueller Gewalt und Ausbeutung in der realen Welt, aber auch im Internet, eine bessere Unterstützung der Opfer, aber auch eine optimierte Arbeit mit den Tätern vorgesehen".

Schröder nahm die katholische Kirche in Schutz: "Ich habe den Eindruck, dass sich die katholische Kirche heute sehr um Aufklärung bemüht." Sie fände es darüber hinaus falsch, "eine Institution herauszugreifen und an den Pranger zu stellen". Misshandlungen und Missbrauch, Fehler im Umgang mit den Tätern oder unterlassene Hilfe für die Opfer seien leider nicht nur in kirchlichen Einrichtungen zu beklagen. Vorfälle dieser Art gebe es in unterschiedlichen Bereichen, "etwa in Internaten, in Sportvereinen aber auch in der Familie". Deshalb sollten alle Akteure am Runden Tisch versammelt werden.

Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatten am Montag angekündigt, das erste Treffen werde am 23. April stattfinden. Teilnehmen sollen Vertreter der Familienverbände, Schul- und Internatsträger, der katholischen und evangelischen Kirche sowie Spitzenverbände der freien Wohlfahrtpflege. Zudem sollen Ärzteschaft, Länder und Kommunen sowie der Deutsche Lehrerverband dabei sein.

Auch das Justizministerium hält an einem Runden Tisch zur rechtlichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche fest. Der Parlamentarische Staatssekretär im Ministerium, Max Stadler, sagte der "Berliner Zeitung", der Runde Tisch von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium zur Prävention von Missbrauch an Schulen sei zwar berechtigt. Aber er ersetze nicht das Vorhaben des Justizministeriums zu einem Runden Tisch mit Vertretern der Kirche und den Betroffenen, um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufzuarbeiten.

anr/kgp/ddp/apn

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