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Minutenprotokoll der Krawalle: "Steine, Stinkefinger, brennende Autos" (mit Korrektur)

Ursprünglich hieß die Headline zu diesem Ticker: "Wir müssen den Krieg in diese Demo tragen". Das Zitat stammt aus einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa aus Rostock. In dem Bericht von Samstag, 18.41 Uhr, hieß es:

"Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: "Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts." Und dann beschwört er noch den Geist von Genua. Die italienische Hafenstadt ging 2001 mit einem zweifelhaften Eintrag in die G8-Annalen ein, als sich militante Demonstranten zwei Tage lang erbitterte Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten."

Wie sich später herausstellte, stammt das Zitat aus einer Rede von Walden Bello, philippinischer Soziologieprofessor und Träger des alternativen Nobelpreises. Walden Bello hielt auf der Bühne in Rostock eine engagierte Rede, während um die Versammlung herum bereits die Randale entbrannte. In dieser Rede sagte er: "…we have the spirit of Genoa". Dann folgte eine Passage über den Irakkrieg, die mit folgendem Aufruf endete: “We have to bring the war right into this meeting - because without peace there can be no justice.”

Teile der dpa-Darstellung hatte SPIEGEL ONLINE in diesen Ticker übernommen. Die von SPIEGEL ONLINE nach Rostock entsandten Kollegen waren zu dieser Zeit an anderen Stellen der Demonstration als Beobachter im Einsatz und hatten Bellos Ausspruch nicht persönlich mitbekommen. Am Sonntag um 15:59 verbreitete die Agentur dpa folgende Meldung:

"Rostock (dpa) - Der Aufruf zum "Krieg", mit dem ein Redner während der Krawalle am Samstag in Rostock die militante Szene angestachelt hatte, war nach Darstellung der Protest-Organisatoren ein Übersetzungsfehler. Der zitierte Redner Walden Bello habe in seiner englischsprachigen Rede dazu aufrufen wollen, gegen den Krieg im Irak zu protestieren, teilte die globalisierungskritische Organisation Attac am Sonntag mit. In der deutschen Übersetzung wurde daraus: "Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts." Die Äußerung sei in diesem Zusammenhang missverständlich gewesen. Sie habe aber nicht auf Krawalle bei der Anti-G8-Demonstration abgezielt, betonte Attac."

Die Agentur dpa hatte sich zuvor gegenüber SPIEGEL ONLINE darauf berufen, dass ein Veranstaltungsteilnehmer auf der Bühne Bello übersetzt und wie in der dpa-Meldung vom Samstag wiedergegeben hätte. Ein Video-Mitschnitt, der SPIEGEL ONLINE inzwischen vorliegt, zeigt jedoch, dass der Übersetzer auf der Bühne Bellos Aufruf korrekt wiedergegeben hat. Klicken Sie hier, um den Mitschnitt des TV-Senders Phoenix anzuschauen. Am Dienstag gab auch dpa zu, dass die Rede auf der Bühne korrekt übersetzt worden war. Die Agentur drückte ihr Bedauern aus und entschuldigte sich bei den Veranstaltern für ihren Fehler. SPIEGEL ONLINE bedauert, die fehlerhafte Übersetzung von dpa übernommen zu haben.

Die Redaktion

[22:34] Die letzten Wasserwerfer räumen das Feld

[21:29] Die Polizeipräsenz im Zentrum Rostocks nimmt weiter ab. Fünf Wasserwerfer sind vom Rand der Kundgebung abgezogen

[21:21] G-8-Kritiker haben auf dem Platz der zentralen Kundgebung in Rostock zwei Lagerfeuer angezündet. Die Polizei lässt sie gewähren.

[21:00] Pünktlich hat am Abend die Band "Wir sind Helden" ihren Auftritt vor den Demonstranten begonnen

[20:57] Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier hat die gewalttätigen Ausschreitungen in Rostock scharf verurteilt. "Das Bild tausender friedlicher Demonstranten wurde von 2000 brutalen Schlägern der gewaltbereiten autonomen Szene zunichte gemacht", sagte der CDU-Politiker am Abend. Caffier dankte der Polizei für ihren Einsatz und bedauerte, dass so viele Beamte verletzt wurden.

[20:49] Laut Polizei erlitten von den 146 verletzten Polizisten 25 schwere Blessuren.

[20:40] Die Polizei aktualisiert ihre Zahlen: Es hat 49 Festnahmen militanter G-8-Gegner gegeben, sie seien noch in Gewahrsam.

[20:38] Die Veranstalter der Demonstration im Stadthafen können das Kultur- und Musikprogramm wie geplant ablaufen lassen.

[20:29] Die Atmosphäre bei der Abschlusskundgebung in Rostock ist weiter ruhig. Die Polizei ist noch präsent, hält sich aber am Rand der Veranstaltung auf.

[20:04] Erstmals gibt die Polizei am Abend Zahlen über festgesetzte Demonstranten bekannt. Von 49 Menschen wurden die Personalien aufgenommen, 17 wurden festgenommen.

[19:48] Die Polizei gibt die Zahl der teils vermummten und schwarz gekleideten Autonomen mit "bis zu 3000" an. Bisher war nur die Rede von 2000.

[19:44] Die friedlichen Demonstranten zeigen sich enttäuscht vom Ausgang des Tages. "Wir haben uns so lange vorbereitet, und nun haben ein paar Krawallmacher alles kaputt gemacht", sagt eine ältere Frau mit Tränen in den Augen.

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