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01. März 2011, 11:17 Uhr

Minutenprotokoll

So lief Guttenbergs Rücktritt

Ein Anruf am Morgen, ein Abgang ohne Live-Bilder und eine überraschte Kanzlerin: Karl-Theodor zu Guttenberg ist nach der Plagiatsaffäre von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Lesen Sie die Ereignisse des Tages im Minutenprotokoll nach.

+++ CSU besteht nicht unbedingt auf Verteidigungsressort +++

[16.43 Uhr] CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich hat offen gelassen, ob seine Partei das Amt des Verteidigungsministers nach dem Rücktritt Guttenbergs weiter besetzen will. "Die CSU hat Anspruch auf drei Ministerposten. Dabei bleibt es", sagt Friedrich. Alle Einzelheiten würden in den nächsten Tagen besprochen. Es gehe um so wichtige Entscheidungen in der Phase der Bundeswehrreform, "dass man nichts übers Knie biegen darf".

+++ Alle Wahlkampftermine Guttenbergs abgesagt +++

[16.40 Uhr] Nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister hat Karl-Theodor zu Guttenberg alle geplanten Auftritte in den anstehenden Landtagswahlkämpfen gestrichen. In Baden-Württemberg sagte Guttenberg sämtliche Wahlkampftermine ab, wie die Landes-CDU mitteilte. Gleiches gilt für Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. In Sachsen-Anhalt wird am 20. März ein neuer Landtag gewählt, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 27. März. Guttenberg war ursprünglich für mehrere Wahlkampfveranstaltungen eingeplant, allein für acht Auftritte in Baden-Württemberg.

+++ "Deutschland hat den besten Minister aller Zeiten verloren" +++

[16.18 Uhr] In dem 600-Einwohner-Dorf Guttenberg, der Heimat der Familie Guttenberg, sind die Menschen traurig über den Rücktritt des CSU-Politikers. "Es ist kein guter Tag für Guttenberg", sagt Bürgermeister Eugen Hain und meint damit wohl Dorf und Person in einem. "Es ist schade, dass am Ende der Druck auf ihn zu groß geworden ist. Es betrifft ja nicht nur die Person Guttenberg, da steht eine ganze Familie dahinter", sagt er. Eine Autofahrerin ruft aus dem Fenster: "Deutschland hat heute den besten Minister aller Zeiten verloren." Die meisten Einwohner glauben, dass der Minister ein Opfer einer Kampagne ist. "Ich bin geschockt und traurig, dass die Presse es geschafft hat, ihn zu vertreiben", sagt eine Frau. "Die wollten ihn weghaben, weil er so beliebt war."

+++ Kölner Karnevalisten trauern um Papp-Guttenberg +++

[16.03 Uhr] Aus Sicht der Kölner Karnevalisten hat Karl-Theodor zu Guttenberg den Zeitpunkt für seinen Rücktritt als Verteidigungsminister nicht gerade günstig gewählt. Der schon fertige Motivwagen für den Rosenmontagszug mit einem riesigen Papp-Guttenberg müsse jetzt entweder umgerüstet oder ausgemustert werden, sagte die Sprecherin des Festkomitees. "Der ist jetzt obsolet." Der Wagen, der mit Beginn der Plagiatsaffäre schon einmal umgebaut worden war, zeigt Guttenberg, wie er mit Karten um seinen Doktortitel spielt.

+++ Staatsanwaltschaft wartet Prüfungsergebnisse der Uni ab +++

[15.46 Uhr] Kommt es am Ende auch noch zu einem Strafverfahren gegen zu Guttenberg? Ausgeschlossen sei das nicht, heißt es aus der Unionsfraktion. Ein Beispiel für einen solchen Fall gibt es: 2010 verhängte die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl über insgesamt 9000 Euro gegen den nordrhein-westfälischen CDU-Politiker Andreas Kasper - wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht. Er hatte in weiten Teilen seine Doktorarbeit von anderen abgeschrieben. Im Fall Guttenbergs wartet die Staatsanwaltschaft noch ab. Die Überprüfung der Universitätskommission in Bayreuth sei noch nicht abgeschlossen. "Wenn das Ergebnis vorliegt, wird die Staatsanwaltschaft Hof prüfen, ob sich hieraus Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten ergeben", heißt es in der schriftlichen Erklärung der Staatsanwaltschaft, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Guttenberg selbst hat in seiner Rücktrittserklärung mögliche juristische Folgen vorweggenommen. So heißt es dort: "Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können."

+++ Bundestag rätselt über Guttenbergs Abgeordnetenmandat +++

[15.19 Uhr] In der schriftlichen Rücktrittserklärung Guttenbergs heißt es, er habe die Kanzlerin darüber informiert, dass "ich mich von meinen politischen Ämtern zurückziehen werde" - eine offene Formulierung, die Spekulationen nährt, er werde auch sein CSU-Bundestagsmandat zurükgeben. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE heißt es aus seinem Parlamentsbüro nur, man verweise auf seine Rücktrittserklärung: "Es gilt die schriftliche Erklärung." Offenbar herrscht dort Unklarheit. Auch in der Pressestelle des Bundestags sagt eine Sprecherin, die Erklärung zu Guttenbergs sei interpretierbar, man habe daher vor einer Stunde im Tagungsbüro des Bundestags nachgefragt. Dort habe aber zu diesem Zeitpunkt keine schriftliche Erklärung über eine mögliche Mandatsrückgabe Guttenbergs an den Bundestagspräsidenten vorgelegen.

+++ Guttenberg lässt Wahlkampftermine absagen +++

[15.11 Uhr] Nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister hat Karl-Theodor zu Guttenberg Wahlkampftermine in mehreren Bundesländern abgesagt. So reist Guttenberg nicht mehr nach Bernburg in Sachsen-Anhalt, wo er eigentlich hätte auftreten sollen. In Baden-Württemberg werden mehrere für Mittwoch und Donnerstag geplante Auftritte gestrichen.

+++ Merkel wurde von Rücktritt überrascht +++

[14.49 Uhr] Merkel berichtet, dass sie vom Rücktritt Guttenbergs "überrascht" wurde. Sie nehme den Schritt mit "Respekt" zur Kenntnis, sei aber, "wie viele Menschen im Land, betrübt" darüber. Die Kanzlerin lässt nur drei kurze Rückfragen zu, dann geht sie.

+++ "Ich bedauere das sehr" +++

[14.46 Uhr] Merkel wirkt bewegt. "Ich bedauere das sehr", sagt sie über den Rücktritt und dankt ihm für seine Arbeit. "Heute ist nicht der Zeitpunkt, um über einen Nachfolger zu reden." Das werde in den kommenden Tagen geschehen. Bis zu einer Entscheidung bleibt Guttenberg nach Merkels Worten geschäftsführend im Amt.

+++ Merkel meldet sich zu Wort +++

[14.45 Uhr] Kanzlerin Angela Merkel bricht ihr Schweigen. Sie sei am Morgen erst telefonisch, dann schriftlich vom Rücktrittsgesuch Guttenbergs informiert worden. "Ich habe es angenommen", sagte sie, "ich habe es schweren Herzens angenommen."

+++ Jens Spahn fordert Comeback-Möglichkeit für Guttenberg +++

[14.33 Uhr] Nicht nur Horst Seehofer möchte den einstigen CSU-Star Guttenberg in der Politik halten. Auch Abgeordnete aus der Unionsfraktion wollen, dass die Union ihm einen Wiederaufstieg ermöglicht. Für Guttenberg macht sich zum Beispiel der 30-jährige CDU-Gesundheitsexperte und Bundestagsabgeordnete Jens Spahn stark. "Der Schritt war am Ende sicher unvermeidlich", sagt er SPIEGEL ONLINE. "Aber es wäre gut für die deutsche Politik, wenn zu Guttenberg der Politik erhalten bliebe. Er kommt ohne Zweifel zu einem späteren Zeitpunkt für Spitzenpositionen in Union und Bundespolitik in Frage."

+++ Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan bedauern Guttenbergs Abgang +++

[14.22 Uhr] Viele deutsche Soldaten in Afghanistan bedauern den Rücktritt Guttenbergs. Die Stimmung im größten deutschen Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif sei aber sachlich gewesen, sagt Bundeswehrsprecher Stefano Toneatto. "Bei vielen ist Bedauern dabei." Die Truppe habe mit Guttenberg "einen aus unserer Sicht fähigen und beliebten Minister" verloren. "Viele respektieren die Konsequenz, mit der er zurückgetreten ist."

+++ Uni Bayreuth führt Ermittlungen fort +++

[14.15 Uhr] Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg prüft die Universität Bayreuth weiter, ob der CSU-Politiker mit seiner Doktorarbeit eine Täuschung begangen hat. Die Entscheidung habe nichts daran geändert, dass die Arbeit der Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft "unabdingbar bleibt", sagt Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Das Gremium werde insbesondere der Frage nachgehen, ob Guttenberg bei seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht habe und welche internen Konsequenzen zu ziehen seien.

+++ Merkel will sich um 14.45 Uhr äußern +++

[13.53 Uhr] Bisher hat die Kanzlerin geschwiegen zum Rücktritt ihres Kabinettsstars. Um 14.45 Uhr will sie sich nun im Kanzleramt zur Lage äußern.

+++ Journalistenverband kritisiert Rücktrittsbegründung +++

[13.42 Uhr] Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat Guttenbergs Kritik an der Berichterstattung über ihn zurückgewiesen. Der CSU-Politiker hatte in seiner Rücktrittserklärung bemängelt, dass es in den Medien nur noch um seine Person und seine Doktorarbeit, kaum aber noch um getötete Soldaten in Afghanistan gegangen sei. "Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich das nicht mehr verantworten", sagte Guttenberg. DJV-Chef Michael Konken sagt dazu: "Den Medien die Schuld für sein Fehlverhalten in die Schuhe schieben zu wollen, ist perfide". Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Plagiatsaffäre und getöteten Bundeswehrsoldaten. "Die Berichterstattung der Medien über die Doktorarbeit von Herrn zu Guttenberg war notwendig und unverzichtbar. Hier ging es um nichts weniger als die Glaubwürdigkeit eines Ministers, der eines der wichtigsten Ressorts leitete."

Die Debatte um Guttenbergs Nachfolge beginnt

+++ Seehofer will Guttenberg in der Politik halten +++

[13.31 Uhr] CSU-Chef Horst Seehofer will nach eigenem Bekunden alles tun, damit Karl-Theodor zu Guttenberg der deutschen Politik und der CSU erhalten bleibt. "Er bleibt einer von uns." Guttenberg hatte angekündigt, er werde sich von "allen politischen Ämtern" zurückziehen. Seehofer sagt, über die genaue Definition der Formulierung sei noch zu reden.

+++ Lagerbildung auf Facebook +++

[13.17 Uhr] Auf der Facebook-Seite von SPIEGEL ONLINE läuft die Diskussion um Guttenbergs Rücktritt. "Na endlich, das wurde auch Zeit", meint ein User, "Selbstüberschätzung und Selbstdarstellung ersetzten keine inhaltliche Kompetenz." Ein anderer kommentiert: "Je länger zu Guttenberg im Amt, desto bananiger die Republik". Die einen bejubeln den Status Quo, wie die Facebook-Gruppe "Karl-Theodors Rücktritt". Andere hoffen auf ein Comeback. Die Gruppe "Guttenberg - er wird wiederkommen" hat bereits eine Stunde nach der Neugründung mehr als 400 Mitglieder.

+++ CSU will angeblich am Freitag über Nachfolge beraten +++

[13.01 Uhr] Die Nachfolge von Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister ist noch offen. Das CSU-Präsidium will nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus Koalitionskreisen an diesem Freitag zusammenkommen und über die Nachfolgefrage entscheiden. Bislang sei keine Entscheidung gefallen, hieß es, nachdem sich die CSU-Spitze abgestimmt hatte. Als einfache Lösung gilt demnach ein Wechsel von Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt in das Ministeramt. Schmidt sitzt für den Wahlkreis Fürth im Bundestag und ist seit November 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsressort. Seit 1999 ist er Mitglied im CSU-Vorstand. Er war früher JU-Bezirkschef von Mittelfranken.

+++ Was ein schielendes Opossum mit Politik zu hat +++

[12.52 Uhr] Nachdem schon in den vergangenen Wochen der gesamte Duden nach Wortspielen zu Guttenbergs Plagiatsaffäre durchgepflügt wurde ("Doktor a.d." / "Selbstverteidigungsminister" etc.), regt nun auch der Rücktritt zu Spekulationen um eine Guttenberg-Nachfolge an - und zu satirischen Fotomontagen. Warum sollte zum Beispiel nicht " Heidi, das schielende Opossum" dem Minister ins Amt folgen? Schließlich ist sie noch beliebter als der Baron aus Franken, das drollige Tier hat dreimal so viele Facebook-Freunde wie Guttenberg.

+++ Der Handy-Trick von n-tv +++

[12.42 Uhr] Das Verteidigungsministerium erlaubte bei Guttenbergs Rücktrittserklärung keine Live-Kameras, Öffentlich-Rechtliche und Private zeigten minutenlang Archivbilder und wartende Korrespondenten. Zuschauer von n-tv konnten die Rede als einzige live verfolgen: Wegen des Handy-Tricks eines Reporters, schreibt das Internetportal meedia.de. Der Journalist hatte geistesgegenwärtig den Ton der Erklärung live per Handy übertragen. Es ist noch unklar, ob das Ministerium davon wusste und die Übertragung duldete. Den Sender wird das im Zweifelsfall nicht stören - die Idee des Reporters bescherte ihm einen Scoop.

+++ SPD applaudiert, CDU trauert +++

[12.37 Uhr] Die SPD hat den Rücktritt als "überfällig und unausweichlich" bezeichnet. Der Parlamentarische Geschäftsführer Thomas Oppermann sagt, Guttenberg habe endlich die Konsequenzen gezogen. Für Kanzlerin Angela Merkel komme dieser Rücktritt zu spät. "Sie hat sich kräftig blamiert, ihre Glaubwürdigkeit ist beschädigt, sie hat dem Ruf der Politik Schaden zugefügt", sagte Oppermann. Bei der CDU hingegen leise Töne: Generalsekretär Hermann Gröhe sagt, es sei Guttenberg hoch anzurechnen, dass er mit seinem Schritt die Bundeswehr in einer schwierigen Phase des Umbaus vor belastenden Diskussionen bewahre. Er forderte die Opposition auf, die Entscheidung Guttenbergs anzuerkennen und wieder zur Sacharbeit zurückzukehren. Gröhe betonte: "Sein leidenschaftliches Engagement bei der Ausübung seiner politischen Ämter hat ihm zu Recht große Beliebtheit und ein hohes Ansehen in der Bevölkerung verschafft."

+++ Ramsauer: "Das mute ich meiner Familie nicht zu" +++

[12.31 Uhr] Auch er ist im Gespräch - und winkt umgehend ab: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lehnt es ab, die Amtsnachfolge Guttenbergs anzutreten. "Das mute ich meiner Familie nicht zu", sagt Ramsauer der "Rheinischen Post". Seine Familie habe ihn dringend gebeten, unter keinen Umständen eine derartige drastische Erschwerung der Lebensumstände hinzunehmen. "Meine Kinder sind zu klein, um jetzt nur noch in gepanzerten Wagen herumzufahren", erklärt der CSU-Vize.

Schockstarre im Verteidigungsministerium

+++ Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums fühlen sich überrumpelt +++

[12.26 Uhr] Im Bundesverteidigungsministerium herrscht nach dem Rücktritt des Ministers eine Art Schockstarre. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte bis auf die Mitarbeiter aus Guttenbergs engstem Umfeld niemand etwas von dem bevorstehenden Schritt erfahren. Kaum jemand rechnete demnach mit dem Rückzug des Ministers. Guttenberg hatte am Montagnachmittag noch im Ministerium in mehreren Sitzungen Details zur Bundeswehrreform besprochen. Hochrangige Mitarbeiter glauben nun, dass er wegen der massiven Kritik aus der Wissenschaft die Entscheidung getroffen hat, sich zurückzuziehen.

+++ Debatte um Nachfolge beginnt +++

[12.24 Uhr] Unmittelbar nach dem Rücktritt Guttenbergs bricht die Diskussion über die Nachfolge im Amt des Verteidigungsministers los. Wie die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag aus Koalitionskreisen erfuhr, ist eine große Kabinettsumbildung, in die etwa auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einbezogen werden könnte, sehr unwahrscheinlich. Der als ein möglicher Guttenberg-Nachfolger gehandelte Volker Kauder (CDU) bleibt demnach voraussichtlich Unionsfraktionschef. Zunächst sei nun die CSU aufgefordert, einen Vorschlag für einen Nachfolgekandidaten zu machen. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel wird am Nachmittag Gespräche über die Nachfolge führen.

+++ Grüne sehen "Riesenblamage" für Merkel +++

[12.19 Uhr] Der Rücktritt ist nach Ansicht der Grünen eine "Riesenblamage für die Kanzlerin". Merkel habe bis zuletzt geglaubt, sich "durch diese peinliche Affäre lavieren zu können", sagten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin. "Merkels Zögern und machtpolitisches Taktieren haben nicht nur dem Ansehen unserer demokratischen Institutionen schwer geschadet." Die Kanzlerin habe damit aktiv den Werteverfall befördert. "Konservative haben in der CDU seitdem keine Heimat mehr."

+++ FDP-Wehrexpertin hofft auf Comeback Guttenbergs +++

[12.13 Uhr] Die FDP-Wehrexpertin Elke Hoff ist überrascht. Sie habe jedoch vollstes Verständnis für diesen Schritt, sagte sie der "Rhein-Zeitung". Sie habe immer betont, dass Guttenberg selbst entscheiden müsse, wie lange er mit dieser Flut von Vorwürfen umgehen könne. "Ich hoffe sehr, dass er sich auch menschlich von den vergangenen Wochen erholt", sagte Hoff. "Karl-Theodor zu Guttenberg wird eine politische Zukunft haben - allerdings wird dies noch einige Zeit brauchen."

+++ Baden-Württembergs Wissenschaftsminister findet Abgang "zu spät" +++

[12.04 Uhr] Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) hat den Rücktritt als richtig, aber verspätet bezeichnet. "Ich begrüße die Konsequenz, die er jetzt gezogen hat. (...) Für ihn und das Wissenschaftssystem wäre es jedoch zuträglicher gewesen, früher zu reagieren", sagt Frankenberg. Guttenberg sei ein sehr begabter Politiker. "Ich denke, dass er ein Comeback in der Politik verdient hat." In Baden-Württemberg stehen am 27. März Landtagswahlen an.

+++ Reservistenverband bekundet seinen Respekt +++

[11.57 Uhr] Der Reservistenverband fordert eine konsequente Fortsetzung der Bundeswehrreform. "Wir dürfen jetzt nicht in alte Strukturen verfallen, nur weil es einen personellen Wechsel in der Führung gibt", sagt der Präsident des Reservistenverbandes, Gerd Höfer. Der Verband zollte Guttenberg wegen des Rücktritts Respekt. Seinem Nachfolger wünschte er ein "stringentes Fortführen der Reform und eine klare Aufgabenstellung für Reservisten". Guttenberg ist Stabsunteroffizier der Reserve und Mitglied des Verbandes der Reservisten.

+++ Linkspartei begrüßt Rücktritt Guttenbergs +++

[11.49 Uhr] Die Parteichefin der Linken, Gesine Lötzsch, hat den Rücktritt von Bundesverteidigungsminister Guttenberg als folgerichtig bezeichnet. "Der Rücktritt war die einzige richtige Entscheidung. Alles andere hätte den Wissenschaftsstandort Deutschland weiter beschädigt", sagte Lötzsch der "taz".

+++ "Ich fahr dann mal Konfetti kaufen" +++

[11.42 Uhr] Der Rücktritt des Ministers hat einen Kommentar-Sturm auf Facebook und Twitter ausgelöst. "#guttbye" dominiert die Twittersphäre, im Sekundentakt erscheinen neue Postings zum Thema. Viele sind euphorisch-süffisant, die User feiern den Rückzug Guttenbergs: "Nach STRG+C und STRG+V kommt nun ENTF", meint ein Twitterer. Ein anderer: "Ich fahr dann mal Konfetti kaufen - wir sehen uns dann nachher zum Feiern!".

Die Erklärung des Ministers sorgt aber für mehr Unmut: "Was ist denn das für ein Rücktritt? Per Telefon?", heißt es bei einem Nutzer. Bei vielen Einträgen spiegelt sich die Meinung wider, Guttenberg habe die Chance, reinen Tisch zu machen, wieder verpasst. Der SPD-Politiker Björn Böhning fordert auf Twitter, Guttenberg müsse nun endlich damit rausrücken, wer der Ghostwriter seiner Doktorarbeit war. Guttenbergs Fangemeinde betrauert den Fall des Ministers auf Facebook. "Schade, dass wir damit einen der wenigen richtig guten Politiker verlieren", heißt es auf einer Seite seiner Anhängerschaft - die an ein Comeback glaubt: "Zumindest für eine Zeit werden wir auf ihn verzichten müssen."

+++ Bayerns Wirtschaftsminister zeigt Verständnis +++

[11.40 Uhr] Der bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Martin Zeil hat den Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als "unabänderliche Konsequenz" bezeichnet. "Ich habe dafür Verständnis", sagte FDP-Politiker Zeil in München. Über eine Nachfolge müsse schnellstmöglich entschieden werden.

+++ Merkel schweigt zu Guttenberg-Rücktritt +++

[11.38 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich bisher nicht zum Rücktritt Guttenbergs. Sie beendet planmäßig ihren Besuch auf der Computermesse Cebit in Hannover, ohne die Entscheidung zu kommentieren. Dann macht sie sich auf den Rückweg nach Berlin.

+++ N24 zeigt erste Bilder der Erklärung +++

[11.30 Uhr] Zeitversetzt zeigt der Nachrichtensender N24 die Bilder der Erklärung Guttenbergs. Mit sehr ernstem Gesicht liest er vom Blatt ab. Anders als sonst von ihm gewohnt, schaut er kaum zu der vor ihm versammelten Reporterschar. Seine Stimme klingt zwischenzeitlich brüchig. Mit dem letzten Wort seiner Rede rollt er sein Manuskript in der Hand zusammen, drehte sich um in Richtung Treppe und geht schnellen Schrittes davon.

Guttenberg tritt zurück

+++ Stille im Raum nach Guttenbergs Abgang +++

[11.28 Uhr] Eine Reporterin von n-tv, die den Auftritt Guttenbergs im Verteidigungsministerium verfolgt hat, sagte, man könne ihm ansehen, wie schwer ihm der Schritt gefallen sei. Unter den Zuhörern sei es bei seiner kurzen Ansprache sehr, sehr still gewesen.

+++ "Ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht" +++

[11.24 Uhr] Der einstige Shootingstar der Union schließt sein Statement mit den Worten. "Abschließend ein Satz, der für einen Politiker ungewöhnlich klingen mag: Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."

+++ "Ich danke der Kanzlerin" +++

[11.23 Uhr] Guttenberg dankt Kanzlerin Angela Merkel für ihren Rat und Beistand, ebenso etlichen Kollegen aus der Union. Er werde sich an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn in Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit beteiligen. "Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können."

+++ Guttenberg kritisiert "mediale Betrachtung" +++

[11.22 Uhr] Guttenberg räumt ein, selbst seinen Beitrag zu der großen medialen Aufmerksamkeit um seine Person geleistet zu haben. "Die öffentliche und mediale Betrachtung dreht sich nur noch um die Person Guttenberg und meine Dissertation", sagt er. "Der Tod und die Verwundung von Soldaten sind in den Hintergrund gerückt." Das sei eine "dramatische Verschiebung".

+++ Guttenberg erklärt späten Rückzug +++

[11.20 Uhr] Seit zwei Wochen schon fordern Kritiker den Rückzug Guttenbergs. Dazu sagt er: "Manch einer mag fragen, warum dieser Schritt erst jetzt erfolgt. Niemand wird das Amt freiwillig aufgeben wollen, an dem das Herz hängt. Es gehört sich, ein halbwegs geordnetes Haus zu hinterlassen." Das "Konzept der Reform steht", sagt er.

+++ "Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens" +++

[11.18 Uhr] "Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagte Guttenberg bei seiner Stellungnahme zu seinem Rücktritt, die per Telefon im Sender n-tv übertragen wurde. Für eine Liveübertragung per Kamera war die Ankündigung offenbar zu plötzlich gekommen. "Ich gehe ihn nicht nur wegen der Diskussion über meine Doktorarbeit, sondern auch wegen der Frage, ob ich die Ansprüche , die ich selbst an mich stelle, noch erfüllen kann."

+++ Guttenberg verkündet seinen Rücktritt +++

[11.16 Uhr] Karl-Theodor zu Guttenberg verkündet vor der versammelten Hauptstadt-Presse seinen Rückzug von allen politischen Ämtern, also auch vom Amt des Verteidigungsministers. Er habe Kanzlerin Angela Merkel darüber informiert, sagte der CSU-Politiker. Er habe politischen Schaden abwenden wollen.

+++ +++ Kurze Extra-"Tagesschau", dann "Für immer 30" +++

[10.59 Uhr] Die ARD meldet den bevorstehenden Rücktritt Guttenbergs in einer Sonderausgabe der "Tagesschau", geht dann aber zur Tagesordnung über. Während der angekündigten Erklärung Guttenbergs, die allerdings kein Sender live zeigen konnte, stellen die Nachrichtensender n-tv und N24 ihr Programm um - die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD ("Für immer 30") und ZDF ("Lena - Liebe meines Lebens") bleiben zunächst bei ihrer regulären Planung. Erst ab 11.25 Uhr bringt die ARD eine ausführliche Sondersendung zum Thema des Tages.

+++ Guttenberg hielt angeblich den Druck nicht mehr aus +++

[10.43 Uhr] Aus Guttenbergs Umfeld erfährt SPIEGEL ONLINE, dass der Christsoziale den Druck nicht mehr ausgehalten habe. Er habe sich bereits am Montag entschlossen abzutreten.

+++ Merkel bleibt auf der Cebit in Hannover +++

[10.40 Uhr] Bundeskanzlerin Angela Merkel soll vorab von den Rücktrittsplänen ihres Ministers informiert worden sein. Sie hält sich derzeit auf der Computermesse Cebit in Hannover auf und beendet ihren Rundgang dort. Sie habe, berichten Beobachter, zwischendurch den Rundgang unterbrochen und längere Zeit telefoniert.

+++ Erklärung für 11.15 Uhr angekündigt +++

[10.37 Uhr] Das Verteidigungsministerium äußert sich nicht zu den Rücktrittsberichten. Es sei aber eine Stellungnahme Guttenbergs um 11.15 Uhr angesetzt.

+++ "Bild"-Zeitung meldet bevorstehenden Rücktritt Guttenbergs +++

[10.29 Uhr] Die "Bild"-Zeitung, die Guttenbergs Plagiatsaffäre bisher weitgehend wohlwollend begleitet hatte, meldet, der Verteidigungsminister werde noch am Dienstag zurücktreten.

ffr/ler/amz/mgb/sev/dpa/dapd/Reuters/AFP

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