Mission in Bellevue: Wulff beklagt jämmerliches Politiker-Image

Christian Wulff sieht sich im neuen Amt mit seinen schlimmsten Befürchtungen konfrontiert: Das Image von Politikern in Deutschland sei miserabel, klagt der Bundespräsident nun in einem Interview. "Häme, Spott und Misstrauen" würden ihnen entgegengebracht - "das kann so nicht bleiben".

Christian Wulff, Gattin Bettina: Häme, Spott, Misstrauen? - "Das kann so nicht bleiben" Zur Großansicht
dpa

Christian Wulff, Gattin Bettina: Häme, Spott, Misstrauen? - "Das kann so nicht bleiben"

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff sieht sich bei seiner Aufgabe, zwischen Bürgern und Politik zu vermitteln, vor einer größeren Herausforderung als erwartet. "Am meisten fällt mir auf, dass die Aufgabe noch viel größer ist, als ich befürchtete", sagte er im ARD-"Morgenmagazin". "Da ist wirklich viel zu tun, um die Gräben zu schließen, die es da gibt."

Veränderungen sieht er vor allem in der Außenansicht des Berufs Politiker. Früher sei man dafür gelobt worden, dass man sich engagiere und für ein politisches Amt kandidiere. "Heute begleitet auch die Politiker viel Häme, viel Spott und viel Misstrauen - mehr als früher, und das kann so nicht bleiben", sagte Wulff. Demokratie funktioniere aber nur, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und nicht jeder Politiker als Karrierist verhöhnt werde. "Für dieses unser Land haben wir die Verantwortung; wir haben kein anderes Land, es ist unser Land, aus dem müssen wir gemeinsam etwas machen."

Noch vor wenigen Wochen hatte allerdings Wulff selbst für Irritationen gesorgt. Der Bundespräsident hatte mit seiner Familie Urlaub in der Luxusvilla des Unternehmers Carsten Maschmeyer gemacht.

Als der Urlaub Wulffs im Luxusdomizil seines Freundes Maschmeyer bekannt wurde, bemühte sich das Bundespräsidialamt, Mutmaßungen zu zerstreuen, es handele sich um einen anrüchigen Freundschaftsdienst. Wulff habe einen "angemessenen" Preis für die Anmietung des Appartements auf Mallorca gezahlt. Wulff sei zudem mit einer Chartermaschine auf die spanische Insel geflogen, obwohl ihm die Flugbereitschaft der Bundeswehr zur Verfügung gestanden hätte.

Die Gelegenheit, um mehr Verständnis zu werben, hat Wulff am Freitagabend. Dann nimmt er mit rund 1500 Bürgern aus ganz Deutschland vor dem Brandenburger Tor in Berlin an der dritten "Tafel der Demokratie" teil. Der ausrichtende Verein Werkstatt Deutschland sieht das Mahl als Zeichen für lebendige Demokratie.

Der Christdemokrat Wulff wurde am 30. Juni im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt. Der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen trat die Nachfolge von Horst Köhler an, der überraschend von seinem Amt zurückgetreten war.

ffr/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 478 Beiträge
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1. Naja
shokaku 20.08.2010
Die Politiker eigentlich aller Parteien haben ja in den letzten Jahrzehnten auch fleissig an diesem Image gearbeitet. Jetzt ernten sie halt die Früchte. Aber man kann ja ein Politikerbewunderungssteigerungsgesetz in Betracht ziehen.
2. Tja, wenn das so nicht bleiben kann,...
dwg 20.08.2010
...dann muß wohl dringend der Tatbestand der Majestätsbeleidigung revitalisiert werden. Andererseits - ich möchte keinen der Jobs haben.
3. .
frubi 20.08.2010
Zitat von sysopChristian Wulff sieht sich im neuen Amt mit seinen schlimmsten Befürchtungen konfrontiert: Um das Image von Politikern in Deutschland sei es schlecht bestellt, klagte er nun in einem Interview. "Häme, Spott und Misstrauen" würden ihnen entgegengebracht - "das kann so nicht bleiben". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,712805,00.html
Woran das wohl liegen mag? Ist das für die Juristen ... ähh. Politiker denn so schwer zu verstehen? Wir wollen einfach nur, dass die Interessen des Bürger vertreten werden. Das ist aber längst nicht mehr der Falle. Es wäre ja schonmal ein Anfang, wenn man Lobbyismus in Deutschland verbieten würde. Ich mache mir aber keine Hoffnungen, dass sich demnächst noch was daran ändert. Deßhalb bin ich ja auch für einen Bürgerfond, in den jeder Bürger 10,00 im Quartal einbezahlt und wir uns damit unsere Volksvertreter zurückkaufen.
4. Ist das nicht traurig - unendlich traurig?
forumgehts? 20.08.2010
Zitat von sysopChristian Wulff sieht sich im neuen Amt mit seinen schlimmsten Befürchtungen konfrontiert: Um das Image von Politikern in Deutschland sei es schlecht bestellt, klagte er nun in einem Interview. "Häme, Spott und Misstrauen" würden ihnen entgegengebracht - "das kann so nicht bleiben". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,712805,00.html
Das war ja zu erwarten, dass das Beta-Tierlein nun auch noch wehleidig wird. Der Mann hat offenbar keine Lust, wichtigere Aufgaben anzupacken. Ich denke wir haben uns da einen kleinen Faulpelz ins Schloss "geholt".
5. Wullf ....
Ein_Forum_Schreiber 20.08.2010
Zitat von sysopChristian Wulff sieht sich im neuen Amt mit seinen schlimmsten Befürchtungen konfrontiert: Um das Image von Politikern in Deutschland sei es schlecht bestellt, klagte er nun in einem Interview. "Häme, Spott und Misstrauen" würden ihnen entgegengebracht - "das kann so nicht bleiben". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,712805,00.html
Da beklagt sich ja genau der Richtige. Als "Ex" Politiker sollte er ja wissen warum es so ist. Oder gilt das alte Sprichwort: "Getroffene Hunde bellen" Was er als Bundespräsident bisher von sich gegeben hat war ja auch nicht gerade fördernd für das Ansehen seines Amtes.
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Der deutsche Bundespräsident
Das Amt
Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz weist dem obersten Repräsentanten zwar viele Aufgaben zu, aber deutlich weniger politische Befugnisse als etwa in Präsidialdemokratien wie Frankreich oder den USA. Er soll sein Amt unparteiisch führen, ist jedoch nicht auf repräsentative Aufgaben beschränkt.
Die Aufgaben
Das Staatsoberhaupt vertritt den Bund völkerrechtlich und schließt im Namen des Bundes Verträge mit anderen Staaten. Zu den normalen Geschäften zählen Staatsbesuche und Empfänge von Diplomaten. Er kann durch Reden und Reisen politische Akzente setzen.

Zu den Aufgaben und Rechten gehört die Mitwirkung bei der Regierungsbildung. Der Präsident schlägt dem Bundestag einen Bundeskanzler zur Wahl vor und ernennt ihn. Falls der Kandidat keine Mehrheit findet, kann der Präsident das Parlament auflösen. Er ernennt und entlässt auch die Minister, allerdings auf Vorschlag des Kanzlers. Gesetze können erst wirksam werden, wenn der Präsident sie unterschrieben hat. Seine Unterschrift kann er nur aus verfassungsrechtlichen Gründen verweigern.
Das Wahlverfahren
Anders als in Frankreich, Österreich oder Polen wird das deutsche Staatsoberhaupt nicht direkt vom Volk, sondern von einem Wahlgremium (Bundesversammlung) gewählt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nur einmal möglich. Der Präsident kann nur durch das Bundesverfassungsgericht und nur bei vorsätzlichen Verstößen gegen das Grundgesetz oder andere Bundesgesetze seines Amtes enthoben werden.

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