Berlin - Bundespräsident Christian Wulff sieht sich bei seiner Aufgabe, zwischen Bürgern und Politik zu vermitteln, vor einer größeren Herausforderung als erwartet. "Am meisten fällt mir auf, dass die Aufgabe noch viel größer ist, als ich befürchtete", sagte er im ARD-"Morgenmagazin". "Da ist wirklich viel zu tun, um die Gräben zu schließen, die es da gibt."
Veränderungen sieht er vor allem in der Außenansicht des Berufs Politiker. Früher sei man dafür gelobt worden, dass man sich engagiere und für ein politisches Amt kandidiere. "Heute begleitet auch die Politiker viel Häme, viel Spott und viel Misstrauen - mehr als früher, und das kann so nicht bleiben", sagte Wulff. Demokratie funktioniere aber nur, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und nicht jeder Politiker als Karrierist verhöhnt werde. "Für dieses unser Land haben wir die Verantwortung; wir haben kein anderes Land, es ist unser Land, aus dem müssen wir gemeinsam etwas machen."
Noch vor wenigen Wochen hatte allerdings Wulff selbst für Irritationen gesorgt. Der Bundespräsident hatte mit seiner Familie Urlaub in der Luxusvilla des Unternehmers Carsten Maschmeyer gemacht.
Als der Urlaub Wulffs im Luxusdomizil seines Freundes Maschmeyer bekannt wurde, bemühte sich das Bundespräsidialamt, Mutmaßungen zu zerstreuen, es handele sich um einen anrüchigen Freundschaftsdienst. Wulff habe einen "angemessenen" Preis für die Anmietung des Appartements auf Mallorca gezahlt. Wulff sei zudem mit einer Chartermaschine auf die spanische Insel geflogen, obwohl ihm die Flugbereitschaft der Bundeswehr zur Verfügung gestanden hätte.
Die Gelegenheit, um mehr Verständnis zu werben, hat Wulff am Freitagabend. Dann nimmt er mit rund 1500 Bürgern aus ganz Deutschland vor dem Brandenburger Tor in Berlin an der dritten "Tafel der Demokratie" teil. Der ausrichtende Verein Werkstatt Deutschland sieht das Mahl als Zeichen für lebendige Demokratie.
Der Christdemokrat Wulff wurde am 30. Juni im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt. Der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen trat die Nachfolge von Horst Köhler an, der überraschend von seinem Amt zurückgetreten war.
ffr/dpa
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