Mitgliederschwund Die SPD blutet aus

Nur noch 34 Ortsvereine der SPD gelten als "vital". Viele Ortsgruppen haben nach SPIEGEL-Informationen seit mindestens fünf Jahren kein Neumitglied mehr aufgenommen - vor allem von einer Arbeiterpartei ist keine Rede mehr.


Hamburg – Die Sozialdemokraten haben mit massiven organisatorischen Problemen zu kämpfen. Von derzeit noch 9300 Ortsvereinen haben mehr als 1600 seit mindestens fünf Jahren kein einziges Neumitglied aufgenommen, steht nach SPIEGEL-Informationen in einer unter Verschluss gehaltenen SPD-internen Analyse. Nur noch 34 Ortsgruppen gelten demnach als "vitale Ortsvereine" - das heißt, sie warben seit 2001 jährlich mindestens zehn Prozent Neumitglieder an.

SPD-Chef Beck: Zu wenig Arbeiter, zu wenig Frauen in der Partei
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SPD-Chef Beck: Zu wenig Arbeiter, zu wenig Frauen in der Partei

Der Analyse zufolge hat die SPD den Anschluss an breite Bevölkerungsschichten verloren. So unterliege auch die parteiinterne Struktur massiven Veränderungen: Der Anteil der Arbeiter habe sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Im Jahr 2005 waren von den Neueintritten lediglich knapp sieben Prozent Arbeiter - insgesamt nur 1406 erhielten das SPD-Parteibuch. Im statistischen Querschnitt sind in Deutschland jedoch 13,5 Prozent der Bevölkerung Arbeiter.

Auch der Frauenanteil sei mit etwa 30 Prozent der Mitglieder zu niedrig. Vor allem im Osten Deutschlands entwickle sich die SPD immer mehr zu einer Männerpartei.

SPD-Chef Kurt Beck beschrieb die Lage in der Studie so: Seit 1990 habe die Partei fast 37 Prozent ihrer Mitglieder verloren - derzeit hat die SPD 570.000 Mitglieder. Wenn bis zum Bundesparteitag 2007 der alte Stand gehalten werden solle, dann müssten bis dahin 57.000 neue Mitglieder geworben werden. Dieses Ziel sei aber nicht erfüllbar.

Die großen deutschen Parteien kämpfen seit Jahren mit Mitgliederschwund - gerade auch die Union. Seit Start der Großen Koalition haben SPD und CDU insgesamt 40.000 Mitglieder verloren, wurde Mitte Oktober bekannt.

kaz



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