Mitgliederzahlen Grüne im Hoch, Linke in Not

Mitgliederrekord bei den Grünen: Im ersten Halbjahr 2011 traten mehr Sympathisanten in die Partei ein als je zuvor, ein neuer Höchststand ist erreicht. Die Linke musste hingegen den Kampf gegen schrumpfende Zahlen bestätigen - sie verliert personell und finanziell.

Gute Laune bei der Grünen-Parteispitze: Özdemir, Roth und Trittin (v.l.n.r.)
dapd

Gute Laune bei der Grünen-Parteispitze: Özdemir, Roth und Trittin (v.l.n.r.)


Berlin - Die letzten Wahlergebnisse und gute Umfragewerte sorgen derzeit bei den Grünen ohnehin für beste Laune. Jetzt hat die Partei auch einen neuen Höchststand an Mitgliedern erreicht. Am Montag hätten die Grünen die Marke von 58.000 Mitgliedern geknackt, sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke.

Rund 5000 Mitglieder seien allein seit Jahresbeginn hinzugekommen. Nach den Rekordzuwächsen 2010 seien im ersten Halbjahr 2011 pro Monat im Schnitt "noch einmal mehr Neumitglieder gekommen als je zuvor", sagte Lemke.

Bereits Ende 2010 wurde ein Allzeithoch an Mitgliedern verzeichnet. Von den Dimensionen der großen Parteien sind die Grünen aber dennoch weit entfernt: CDU und SPD haben jeweils etwa eine halbe Million Mitglieder.

Schrumpfende Mitgliederzahlen muss jedoch die Linke verkraften. Dies sorgt für Unruhe und Ratlosigkeit in der Partei. Dokumente, die dem SPIEGEL vorliegen, besagen, dass bei einem Treffen der Parteispitze mit den Kreisvorsitzenden Ende Juni sogar diskutiert wurde, ob die Rezepte der Grünen kopiert werden sollten, um die Linke erfolgreicher zu machen.

Die Partei hat den SPIEGEL-Bericht inzwischen teilweise bestätigt, wonach der Mitgliederschwund auch zu wachsenden Finanzproblemen führe. Die Parteivorsitzende Gesine Lötzsch sagte am Montag, es sei zutreffend, dass vor allem ältere Mitglieder im Osten des Landes mehr Beiträge zahlten als neuere Mitglieder im Westen. Ein Verlust eines solchen gut zahlenden Mitglieds sei "nicht nur menschlich, sondern auch in der Parteikasse schmerzlich".

Die internen Dokumente zeigten, dass das Durchschnittsalter der mitglieder- und finanzstarken Landesverbände im Osten fast durchweg 65 Jahre überschreite. Finanziell sei die Partei bis heute auf die Altmitglieder angewiesen, die weitgehend aus der früheren SED stammen. Die Mitgliederzahl schrumpfte seit 2009 von rund 78.000 auf inzwischen nur rund 71.000 Mitglieder. Lötzsch wollte diese Zahl weder dementieren noch bestätigen. Sie gab jedoch zu: "Wir brauchen mehr Mitglieder."

lgr/dapd



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
waldemar.l. 25.07.2011
1. So wie andere...
Zitat von sysopMitgliederrekord bei den Grünen: Im ersten Halbjahr 2011 traten mehr Sympathisanten in die Partei ein als je zuvor, ein neuer Höchststand ist erreicht. Die Linke musste hingegen den Kampf gegen schrumpfende Zahlen bestätigen - sie verliert personell und finanziell. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,776489,00.html
...ihren Hut nehmen sollen die Linken doch endlich ihr rotes Halstuch nehmen und nicht der Arbeitenden Klasse auf der Tasche liegen.
Klaus.G 25.07.2011
2. Nun..........
ich bin Akademiker, langzeitarbeitslos und bei den Linken engagiert. Zahle auch nur den Mindestbeitrag. Wir sind hat die Partei der Armen. Die Linke hat ein riesiges Wahlerpotential bei Arbeitslosen und Hartz IVlern das es auszuschöpfen gilt. Auch muss sich die Partei stärker von der SPD und den Grünen abgrenzen bzw. diese stärker attackieren. Nur so können Profil, Glaubwürdigkeit und damit auch Mitglieder wieder gewonnen werden. Aber keinesfalls dürfen Spenden der Industrie angenommen werden weil dies zu totaler Unglaubwürdigkeit führen würde. Nicht zuletzt müssen auch Ernst und Co. deutlich weniger Zuwendungen von der Partei erhalten.
Claudio Soriano 25.07.2011
3. Der Spiegel ist
mit solchen feststellungen sicherlich in Not! Nachzulesen ist jedoch,das die Grünen trotz angeblichen Zuwachs,immer noch eindeutig weniger Mitglieder haben als die Linken!!! Wie sieht es denn,mit den Parteiaustritten in der CDU-CSU-FDP-SPD aus lieber Spiegel,da machen Sie keine Angaben! Und wie sieht es denn mit den Umfragewerten aus,bei CDU-CSU-FDP-SPD.Die Linke liegt gleichbleibend bei 8-9%,oder liegen dem Spiegel andere Umfragewerte vor? Die Partei die Linke wird jedenfalls nicht von Lobbyisten geschmiert,ist nicht so Korrupt wie andere Parteien! Und die Grünen werden noch gewaltig abschmieren,sollten Sie 2013 mit CDU-SPD wieder an die Futtertröge kommen! Sie können sich vorab schon mal Rat von Gido holen,der kennt sich bestens aus wie man von 14 auf 4% kommt! Kommunismus ist out,Neokapitalismus auch.
HirzelsPurzel 25.07.2011
4. Düstere Aussichten
Die Linke verliert Mitglieder? Kein Wunder. Der Umgang untereinander ist immer wieder grottig. Da wird einerseits soziales Miteinander und Zusammenhalt der Genossen beschworen, andererseits flammt ständig wieder ein Hickhack zwischen Parteiflügeln und Landesverbänden auf, bis hin zu schwersten persönlichen Angriffen. Das spürt natürlich sowohl der Wähler als auch der einfache Deligierte. Schade, wie sich die Partei dadurch selber klein hält, denn etwas mehr Betonung der sozialen Frage wäre in Deutschland schon vonnöten - insbesondere seit dem Agenda-Wechsel der SPD und dem arrivierten Kurs der Grünen als Mitte-Partei. Auch das "Neue Deutschland" macht die letzten Jahre m.E. eigentlich einen ganz guten Job als alternative Pressestimme, von manchem nervigen Jargon abgesehen. Manchmal kommt es mir fast vor, als ob die Linkspartei dann dem ND immer wieder in den Rücken fällt... Da kann man schon fast Mitleid bekommen. Letztlich sind jedoch die Strukturprobleme der Partei einfach nicht gelöst. Mit Lötzsch und Ernst ist die Führung eher schwach, und der Ost-West-Konflikt der Landesverbände kann jederzeit wieder aufbrechen. Auch in Berlin sieht es so aus, als ob die Linke im Herbst aus dem Rathaus gewählt wird. Da wird wohl zukünftig von SPD und Grünen zusammen regiert werden. Nach den unseligen Flügelkämpfen im Frühjahr scheint die Linkspartei im Westen wieder auf 5%-Kurs, während im Osten den Altkadern der Nachwuchs fehlt. Das wird wohl mit kleinen Brötchen weiter gehen, solange das Gebastel am Parteiprogramm der Linken so schleppend weiter geht wie die letzten Jahre, solange man sich nicht mal klar ist, inwieweit man auch ökologische Belange einbeziehen soll und solange intern dermaßen asozial miteinander umgegangen wird.
PeteLustig, 25.07.2011
5. .
Zitat von sysopMitgliederrekord bei den Grünen: Im ersten Halbjahr 2011 traten mehr Sympathisanten in die Partei ein als je zuvor, ein neuer Höchststand ist erreicht. Die Linke musste hingegen den Kampf gegen schrumpfende Zahlen bestätigen - sie verliert personell und finanziell. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,776489,00.html
Dann bin ich ja beruhigt - also hat der Solidaritätszuschlag doch seine Berechtigung... Augen auf bei der Berufswahl. Ihr parteipolitisches Engagement wird sich evtl. auszahlen - sollte die Linkspartei irgendwann Regierungsverantwortung tragen, werden auch Sie im öfftl. Dienst unterkommen, denn der wird auf Griechische Verhältnisse aufgebläht werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.