Einsatz im Mittelmeer Bundeswehr erstellt Profile von Flüchtlingen

Mehr als 2000 Menschen sind in diesem Jahr bereits im Mittelmeer gestorben. Die Bundeswehr beteiligt sich an einer EU-Mission, für die sie nach Informationen des SPIEGEL Daten der Flüchtlinge sammelt. Auch der BND ist beteiligt.

Soldaten in Schutzanzug mit Flüchtlingen: Seit Mai ist die Bundeswehr in der Region im Einsatz
DPA/ Bundeswehr/ Sascha Jonack

Soldaten in Schutzanzug mit Flüchtlingen: Seit Mai ist die Bundeswehr in der Region im Einsatz


Die Bundeswehr erstellt umfangreiche Personenprofile von Flüchtlingen, die sie im Mittelmeer aufgreift. Dazu wurden nach Informationen des SPIEGEL vier Soldaten der Feldnachrichtentruppe zur EU-Krisenoperation "European Union Naval Force - Mediterranean" (EUNAVFOR MED) abkommandiert, an der die Deutsche Marine beteiligt ist. Die Soldaten befragten "grundsätzlich alle" Flüchtlinge nach Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Passdaten, außerdem sollen auch die letzten Aufenthaltsorte und Transitwege in Erfahrung gebracht werden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion.


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Heft 34/2015
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Die Angaben der Flüchtlinge werden in einer Datenbank gespeichert und könnten in einer späteren Phase der Militäroperation im Mittelmeer von großer Bedeutung sein: Die EU-Mitgliedstaaten erwägen, Schlepperboote in nordafrikanischen Häfen zu zerstören und eventuell sogar Bodentruppen zu entsenden. Auch der Bundesnachrichtendienst ist in die Militäroperation eingebunden: Er habe ein "Unterstützungselement Militärisches Nachrichtenwesen bereitgestellt", heißt es.

Weitere Einzelheiten will die Regierung unter Verweis auf das "Staatswohl" nicht offen mitteilen. Der linke Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko reagiert skeptisch: "Der Einsatz von Militär und Geheimdiensten ist geeignet, die europäische Migrationspolitik weiter zu eskalieren." Es wäre besser, die zivile Seenotrettung zu fördern.

Der EU-Militäreinsatz EUNAVFOR MED hat das Ziel, Menschenschmuggel im südlichen und zentralen Mittelmeer zu unterbinden. Daneben beteiligt sich die Bundeswehr seit Anfang Mai auch an einem Hilfseinsatz in der Region. Seither rettete sie bereits mehr als 6000 Menschen aus Seenot. Ziel der Mission ist es, Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen, die sich von Nordafrika aus auf den Weg über das Mittelmeer nach Europa machen. Über 2000 Migranten sind in diesem Jahr bislang bei ihrer Flucht auf dieser Route ums Leben gekommen.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
frankfurtbeat 14.08.2015
1. gute ...
gute Idee informationen von den Flüchtlingen einzuholen :-) sicher top verwertbare Daten die mann damit meint zu erhalten ... irgendwie ganz schön naiv.
naftialmani 14.08.2015
2. Die europäische Migrationspolitik ...
... eskalieren? Welche meinen Sie denn, Herr Hunko? Gibt es überhaupt eine?
mariameiernrw 14.08.2015
3. Sehr sinnvolle Maßnahme
Die Flüchtlingsströme sind ideal, um sich darin als Terrorist oder Verbrecher drin zu verstecken. Es wurde auch erst letztens ein IS-Terrorist in einer Asyleinrichtung verhafte. Gut dass BND und Bundeswehr Maßnahmen ergreifen.
rheinläufer 14.08.2015
4. Terrorgefahr
Geht es hier nur um die Schlepper-Thematik oder auch um eine Kontrolle auf potentielle Terroristen? Hier wird möglicherweise Kriminalität und Terrorismus in einem nie dagewesenen Ausmaß ins Land geholt!
arizonadevil 14.08.2015
5. In der Türkei anfangen
In der Türkei warten aktuell Ca 2 Mio auf eine Möglichkeit in die EU zu gelangen. Allein der Visums Verkauf durch die Türken ist schon ein sehr lukratives Geschäft! Dann noch die Schlepper durch die Türken.... Noch Fragen? Grenzen dicht machen zu den Türken und gut ist.
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