Einsatz im Mittelmeer Deutsche Marine rettet mehr als 400 Flüchtlinge

Vor der Küste Libyens haben zwei Schiffe der Bundeswehr mehrere Hundert Menschen gerettet. Die Flüchtlinge werden nach Italien gebracht.

Bundeswehr/PAO/Mittelmeer

Marinesoldaten der Bundeswehr haben bei ihrem ersten Einsatz im Mittelmeer rund 430 schiffbrüchige Flüchtlinge gerettet. Die Fregatte "Hessen" nahm am Freitag etwa 250 Menschen an Bord, darunter 30 Frauen und fünf Kinder. Die Flüchtlinge waren mit einem Holzboot unterwegs gewesen, das 50 Kilometer von der libyschen Küste entfernt unterzugehen drohte.

Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr berichtete, erhielt auch das zweite der beiden Bundeswehrschiffe, die diese Woche ins Mittelmeer geschickt worden waren, einen Auftrag vom Rettungszentrum der italienischen Marine in Rom.

Fotostrecke

8  Bilder
Fregatten "Hessen" und "Berlin": Der Einsatz der Marine auf dem Mittelmeer

Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" half in einem Seegebiet rund 70 Kilometer nordöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis 180 Menschen. Sie waren mit zwei motorisierten Schlauchbooten in Seenot geraten.

Die beiden Schiffe bringen die Flüchtlinge in italienische Häfen, so haben es die Regierungen in Berlin und Rom vereinbart.

Die Bundesregierung hatte nach dem EU-Flüchtlingsgipfel im April angeboten, sich mit zwei Schiffen an der Seenotrettung im Mittelmeer zu beteiligen. Die meisten Schleuser bringen Flüchtlinge und illegale Einwanderer derzeit über Libyen nach Europa. In dem Land ist die staatliche Ordnung weitgehend zusammengebrochen.

Die EU-Staaten beschlossen nach den jüngsten Vorfällen, ihre Marinemission im Mittelmeer auszuweiten. So wurden die Mittel für die EU-Grenzschutzmission "Triton" verdreifacht, ihr Einsatzgebiet blieb jedoch auf die italienischen Küstengewässer beschränkt.

Die beiden deutschen Schiffe sind nicht Teil von "Triton", sondern helfen Italien bei der Seenotrettung als eine Art "Subunternehmer", wie es ein Sprecher des Bundesinnenministeriums ausdrückte. Zum exakten Einsatzgebiet für die Rettungseinsätze gibt es bislang keine konkreten Angaben der Bundesregierung.

Italiener entdecken viele Leichen in Unglückswrack

Der US-Botschafter bei der Nato, Douglas E. Lute, sagte, die Europäische Union könnte bei der geplanten Bekämpfung von Schleuserbanden im Mittelmeer Unterstützung von der Nato erhalten - beispielsweise durch den Austausch von Informationen. Die Führungsrolle müsse bei einer Militäroperation aber klar bei der EU liegen.

In dem Wrack des Flüchtlingsbootes, das vor drei Wochen nördlich von Libyen im Mittelmeer gekentert war, entdeckte die italienische Marine am Freitag zahlreiche Leichen. Bei dem Unglück vor drei Wochen waren etwa 800 Menschen ums Leben gekommen. Das Boot war am Vortag rund 157 Kilometer nordöstlich der libyschen Küste in etwa 375 Metern Tiefe lokalisiert worden.

"Wir können bestätigen, dass die Zahl der Opfer bei 700 bis 800 liegen könnte", sagte der Staatsanwalt in Catania auf Sizilien, Giovanni Salvi. Es werde nun überlegt, das Wrack zu bergen. Dabei soll auch geprüft werden, ob Flüchtlinge unter Deck eingesperrt waren. Das Flüchtlingsunglück am 18. April war das bislang wohl schlimmste im Mittelmeer.

Nur 24 Leichen hatten nach dem Unglück geborgen werden können. 28 Menschen überlebten. Augenzeugen hatten damals berichtet, dass viele Migranten unter Deck eingesperrt gewesen seien. Zwei mutmaßliche Schlepper - der Kapitän und ein Besatzungsmitglied - wurden festgenommen.

fab/AFP/dpa

insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Reza Rosenbaum 08.05.2015
1. Endlich...
Endlich machen die mal was Nuetzliches. Anstatt Geld in die Bestellung von Gewehren, die im Ernstfall nicht treffen, Drohnen, die nicht fliegen duerfen, und Hubschraubern, die nicht fliegen koennen zu stecken, sollte man lieber Mare Nostrum mit internationaler Besetzung wieder anfahren. Das gibt den Jungs und Maedels auf See was nuetzliches zu tun, und bringt sicherlich mehr als auf irgendwelchen Manoevern mit Knallkoerpern rumzuschiessen. Nebenher rettet es auch noch Menschenleben. Win, win, win, win?
jgwmuc 08.05.2015
2.
Die Einsätze werden noch mehr Flüchtlinge bewegen zu versuchen nach Europa zu kommen. Das ist nicht Sinnvoll. Sinnvoll wären Einsätze direkt vor Lybien und Türkei und die Boote, reap. Flüchtlinge direkt wieder zum Ausgangspunkt zurück zu bringen. Siehe Australien, dort hat die Anzahl Flüchtlingsboote radikal abgenommen.
lemmy 08.05.2015
3. @Reza Rosenbaum: Lose, lose, lose !
Zitat von Reza RosenbaumEndlich machen die mal was Nuetzliches. Anstatt Geld in die Bestellung von Gewehren, die im Ernstfall nicht treffen, Drohnen, die nicht fliegen duerfen, und Hubschraubern, die nicht fliegen koennen zu stecken, sollte man lieber Mare Nostrum mit internationaler Besetzung wieder anfahren. Das gibt den Jungs und Maedels auf See was nuetzliches zu tun, und bringt sicherlich mehr als auf irgendwelchen Manoevern mit Knallkoerpern rumzuschiessen. Nebenher rettet es auch noch Menschenleben. Win, win, win, win?
Eine "Win-Situation" kann ich da nicht erkennen, eher genau das Gegenteil. Mal abgesehen davon, dass solche Einsätze keine abschreckende Wirkung haben, sondern die Menschen noch mehr ermutigen sich in Nussschalen aufs Meer zu begeben, kann es nicht sein, dass wir jetzt schon die Armutsflüchtlinge quasi an der Haustür abholen, um sie dann ins gelobte Land zu bringen. Es sind keine Mittel da, um noch mehr Menschen zu versorgen. Die Kassen sind leer, und der Zustrom für 2015 wird zig Milliarden noch zusätzlich kosten. Wovon will diese Regierung das finanzieren und vor allem: warum ? Diese Regierung schürt einen sozialen Unfrieden, von dem sie sich jetzt noch keine Vorstellung macht, ganz offensichtlich. Ich bin jetzt für eine Volksabstimmung zu dem Thema Flüchtlingsaufnahme, nach Schweizer Modell, und ich würde mich sehr freuen, wenn Deutschland eine Politik ähnlich wie in Australien verfolgen würde: Flüchtlinge sofort zurück schicken und ein geregeltes Einwanderungsgesetz mit knallharten Einreisevoraussetzungen verabschieden.
aufreger1970 08.05.2015
4. Warum
werden die sogenannten "Flüchtlinge" nicht direkt dahin gebracht, wo sie herkamen? 50km bis zur libyschen Küste oder 200km bis nach Italien? Was ist billiger? Auch die Quote von 30 Frauen und 5 Kindern bei insgesammt 250 Personen zeigt deutlich, dass es nur um bessere Lebensbedingungen geht und es keine Kriegsflüchtlinge sind. Jeden weiteren Kommentar verkneif ich mir, da sonst dieser Beitrag nicht veröffentlicht werden kann.
messwert 08.05.2015
5.
Sie wollen doch nach Europa, koste es was es wolle! Warum dann so viel Aufwand und Umstände? Könnte man für die Flüchtlinge nicht jedes Risiko ausschließen und sie gleich an Libyens Küste abholen und damit auch den Schleuser- Banden ihr perverses Geschäft verderben?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.