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Großspender der MLPD: Sieger im Kassenkampf

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Wahlplakate der MLPD: "Deutlich überrepräsentiert" Zur Großansicht
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Wahlplakate der MLPD: "Deutlich überrepräsentiert"

Jahr für Jahr kassiert die linksextreme Splitterpartei MLPD riesige Summen von privaten Einzelspendern. Warum ist das so? Geschichten über das revolutionäre Erbe.

Zahlen können manchmal unerbittlich sein. 24.219 Menschen gaben der MLPD bei der Bundestagswahl 2013 ihre Zweitstimme. 24.219, oder: 0,1 Prozent - damit lässt sich keine Revolution machen. Das Ergebnis zeigt vielmehr: Auch über 30 Jahre nach ihrer Gründung hat es die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands nicht über den Status einer Splittergruppierung hinaus geschafft. Die Behörden schätzen ihre Mitgliederzahl auf weniger als 2000.

Aber wenn schon nicht bei den Wahlen - in einer anderen Zahlenliste liegen die Linksextremen regelmäßig weit vorne: Seit Jahren kassiert die MLPD Spitzensummen von privaten Einzelspendern. Es sind Handwerker, Lehrer, Rentner, die mitunter sogar mehr geben, als die großen Verbände und Unternehmen für CDU oder FDP lockermachen. Menschen wie Helmut Klamser.

Im Oktober stellte der pensionierte Gewerkschaftler aus Oberhausen der MLPD 252.400 Euro zur Verfügung. Klamser organisiert seit Jahren Montagsdemos gegen die Hartz-Gesetze. Parteifreunde sagen, das Geld stamme aus einem Erbe.

Es ist die höchste Einzelsumme, die in diesem Jahr als Spende beim Bundestagspräsidenten gemeldet wurde. Zum Vergleich: Die Daimler AG überwies insgesamt 200.000 Euro an die Regierungsparteien CDU und SPD. Klamser folgt damit gewissermaßen einer Tradition. Für Aufsehen hatte vor allem der Fall von Michael May gesorgt. Der Rentner aus Moers hatte der MLPD allein zwischen 2005 und 2008 über drei Millionen Euro überwiesen.

Seit 2002 veröffentlicht der Bundestag alle Parteispenden von mehr als 50.000 Euro. Mit der MLPD mischt sich eine Gruppierung unter die großen Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die Partei strebt eine kommunistische Gesellschaft an. Der Kapitalismus müsse "revolutionär durch den echten Sozialismus abgelöst werden".

Einer, der für den Klassenkampf ebenfalls tief in die Geldbörse gegriffen hat, ist Lüder Möller. 2013 gab er 110.000 Euro. Der 66-jährige Rentner lebt in Lübeck. Früher arbeitete Möller als Ausbilder in einer Werft, von Beginn an war er bei der MLPD dabei. Noch heute engagiert er sich für die Partei vor Ort. Immer mal wieder, erzählt Möller am Telefon, habe er kleinere Beträge an die Partei gespendet. Dann kam die Erbschaft von seinem Onkel. Das Geld aus dem Verkauf des Bekleidungshauses habe er sich schließlich nicht selbst erarbeitet, sagt Möller. "Ich bin einfach Nutznießer geworden. Da setze ich das lieber für den Befreiungskampf vom Kapitalismus ein."

Ähnlich sieht es Gabi Georgiou, Duisburg, 75.000 Euro - Rekord bei den Privatspenden 2014. Nachdem sie den Marxisten ihr komplettes Erbe ihrer Mutter überwiesen hatte, sagte die gelernte Stahlbauschlosserin dem "Bonner General-Anzeiger", sie brauche das Geld nicht: "Oberbayern reicht mir", wird Georgiou zitiert, "ich gehe gern wandern, und das schaffen wir auch mit unserem jetzigen Budget".

"Wissen, dass wir unbestechlich sind"

Die MLPD erklärt sich den wiederkehrenden Geldregen so: "Unsere Spender wissen eben, dass die Gelder tatsächlich auch für die Parteiarbeit eingesetzt werden. Und sie wissen, dass wir unbestechlich sind", sagt Wolf-Dieter Rochlitz, Mitglied der MLPD-Öffentlichkeitsarbeit. Dass es fast jedes Jahr eine Großspende gebe, sei Zufall.

MLPD-Anhänger erben, und geben ihren neuen Besitz direkt an die Partei weiter. Dieses Muster hält der Chemnitzer Politikwissenschaftler Tom Mannewitz für "absolut glaubwürdig". Bei anderen Parteien orientiere sich die Spendenhöhe meist eher am politischen Einfluss. Bei der MLPD seien Privates und Parteileben dagegen stärker verwoben. "Hier geht es weniger um soziales Engagement als um politische Visionen", so Mannewitz. "Viele Menschen geben dafür bereitwillig ihr letztes Hemd."

Den Kommunisten ermöglicht das immer wieder bemerkenswerte Wahlkampfoffensiven. "In großen Städten ist die Partei durch Plakate oftmals deutlich überrepräsentiert", sagt Mannewitz. "Außerdem ist sie vergleichsweise professionell aufgestellt." Das viele Geld macht es möglich. Wären da nicht immer die anderen Zahlen - die unerbittlichen.

Grafik: Christina Elmer

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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1. Schlagende Argumente gegen den Kapitalismus
yvowald@freenet.de 29.12.2015
Ein gewaltsamer Umsturz unseres kapitalistischen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems würde möglicherweise Opfer - auf beiden Seiten - zur Folge haben. Dies wäre nicht wünschenswert. Die MLPD sollte stattdessen eine intensive politische Überzeugungsarbeit leisten. Es gäbe genügend Argumente gegen den Kapitalismus, wie er durch die Unionsparteien, die SPD, die FDP und teilweise sogar durch die BÜNDNISGRÜNEN favorisiert wird. Diese Argumente gegen die einseitige Bereicherung einiger Weniger ("Kapitalisten") sollten immer wieder vorgetragen werden - steter Tropfen höhlt den Stein.
2. Nun ja
Leser1000 29.12.2015
...so ganz unlogisch ist das nicht. Sekten - und für mich ist die MLPD sektenartig- haben hin und wieder durchaus Geld, weil die Mitglieder eben "überzeugt" oder indoktriniert sind. Als deutscher Ottonormalverbraucher würde ich allerdings sagen, dass Geld wäre - wenn man es denn loswerden möchte- bei sozialen Organisationen besser aufgehoben.
3. Zum Totlachen!
maxweber 29.12.2015
Im Wahllokal unseres Ortes bekommt die MLPD immer zwei Stimmen. Nur das der Ortsvorsitzende der Partei dort immer mit Frau und Tochter auftaucht. Also einer von denen hat ihn schon mal nicht gewählt. Da hängt bestimmt an jedem Wahltag der Haussegen schief: Wer war das?!?!?!?
4.
phg2 29.12.2015
"Der Rentner aus Moers hatte der MLPD allein zwischen 2005 und 2008 über drei Millionen Euro überwiesen." Ist ja irre!
5. Lieber rot als reich
alohas 29.12.2015
Dass Kommunisten nicht bestechlich sind, halte ich eher für ein Gerücht. Hier ist es natürlich auch die obligatorische Parteipropaganda, die uns das weismachen möchte. Ein nicht zu vernachlässigender Grund für die hohe Spendenbereitschaft dürfte aber der Umstand sein, dass linksradikal angehauchte Personen Erbschaften aus ideologischen Gründen ablehnen und diese dann lieber Organisationen zukommen lassen, die für eine in ihren Augen bessere Welt kämpfen.
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