Schwarz-gelbe Siegeschance Merkels Minus-Mannschaft

Als "B-Elf" verspottet die CDU Peer Steinbrücks Kompetenzteam. Dabei sollte man sich in der Koalition lieber zurückhalten. Gewinnt Schwarz-Gelb im Herbst die Wahl, wird sich schnell zeigen: Die Personaldecke ist dünn. So könnte Angela Merkels nächste Ministerriege aussehen.

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Berlin - Nochmal vier Jahre Schwarz-Gelb?! Vor ein paar Monaten hätte sich das kaum jemand vorstellen können, so ärmlich war die Vorstellung dieser Koalition über weite Strecken dieser Wahlperiode. Doch inzwischen, so sagen es die Umfragen, scheint die Neuauflage des bürgerlichen Bündnisses möglich.

Manch einer mag sich da gehörig erschrecken - und vielleicht darauf setzen, dass Angela Merkel wenigstens ihre glanzlose Truppe neu aufstellt. Doch viel Hoffnung gibt es nicht. Denn der Blick aufs aktuelle und potentielle Spitzenpersonal der christlich-liberalen Regierung verrät: Wenn die Koalitionäre Peer Steinbrücks SPD-Kompetenzteam als "B-Elf" verspotten, dann lehnen sie sich ziemlich weit aus dem Fenster. Denn echte Leistungsträger sind auch im Kabinett von Union und FDP rar. Und vielversprechende Talente sind genauso wenig in Sicht.

Schon jetzt wirkt Merkels Ministerriege wie das letzte Aufgebot. Acht Posten musste die Kanzlerin in dreieinhalb Jahren neu besetzen, als letzte räumte die stille Arbeiterin Annette Schavan das Bildungsministerium. Gerade hat Merkels loyaler Kanzleramtsstaatsminister Eckart von Klaeden seinen Wechsel in die Wirtschaft angekündigt. Und mit Thomas de Maizière, bis dato die Verkörperung von Solidität und Verlässlichkeit, steht nun sogar ihr bester Mann wegen des Drohnen-Debakels unter Druck. Wer bleibt da noch als Stütze im Kabinett?

Und wer drängt sich aus dem Hintergrund auf, um in die erste Reihe zu treten? Die starken Landesfürsten der Union sind Vergangenheit, Norbert Röttgen hat das Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen erst einmal weggespült, Niedersachsens Ex-Ministerpräsident David McAllister macht nach seiner Wahlschlappe wohl einen Umweg über Europa. Und ambitionierte Aufsteiger wie die CDU-Bundesvizes Julia Klöckner (Rheinland-Pfalz), Armin Laschet (NRW) oder Thomas Strobl (Baden-Württemberg) sind in ihren Landesverbänden gebunden.

Keine schönen Aussichten für einen schwarz-gelben Relaunch in Berlin. Wie aber könnte der aussehen, sollten Union und FDP im Herbst erneut die Mehrheit holen?

Wir blicken in Merkels Schattenkabinett - wer bleibt, wer geht, wer kommt:

  • Außen: Guido Westerwelle (FDP) geht in der Rolle des stets bedeutungsschwer mahnenden Chefdiplomaten inzwischen voll auf. Er dürfte bleiben.
  • Innen: Hans-Peter Friedrich musste von CSU-Chef Horst Seehofer erst zwangsbefördert werden. Ein Star des Kabinetts ist er nicht, doch von den christsozialen Ministern sitzt er inzwischen am sichersten im Sattel.

  • Justiz: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält die Fahne der Bürgerrechte hoch. Sie kann bleiben - wenn sie will.
  • Finanzen: Das gilt auch für Wolfgang Schäuble (CDU). Merkels oberster Kassenwart ist beliebt und international respektiert. Allerdings ist Schäuble 70, hatte in der zurückliegenden Wahlperiode mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sollte er zurückziehen, müsste Merkel umdenken. Allzweckwaffe Thomas de Maizière käme in Frage, wenn er nicht mit den Drohnen abstürzt. Oder Staatsekretär Steffen Kampeter, mit dem auch der starke Landesverband NRW bedient wäre. Auch Ursula von der Leyen würde sich den wichtigsten Job im Kabinett wohl zutrauen.
  • Wirtschaft: Philipp Rösler (FDP) sorgte jüngst mit seinem "Ich bin der dickste Kumpel von Kai Diekmann"-Foto für Fipsi-Femdschäm-Momente in der eigenen Partei. Aber der Parteichef hat die schwersten Stürme durchgestanden, und als Wahlsieger wären ihm das Minister- und Vizekanzleramt kaum zu nehmen.
  • Arbeit: Ursula von der Leyen ist gesetzt. Auch wenn sie die Kanzlerin im Streit um die Frauenquote mächtig gereizt hat. Von der Leyen ist populär, bindet viele Wähler.
  • Verbraucherschutz: Ilse Aigner (CSU) geht zurück nach Bayern. Sollte die CSU wieder drei Ressorts bekommen, muss Seehofer Ersatz schicken. Am besten wieder eine Frau. Gerda Hasselfeldt? Will Landesgruppenchefin bleiben. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer? Steht wegen umstrittener Geschäfte ihres Mannes unter Druck. Vizegeneralin Dorothee Bär? Drohte jüngst in den Sog der Verwandtenaffäre zu geraten. Mancher hält auch die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler für ministrabel. Oder doch ein Mann: Generalsekretär Alexander Dobrindt hat Ambitionen, aber wohl nicht auf Aigners Amt.
  • Verteidigung: Merkel will Thomas de Maizière unbedingt halten, auch für das nächste Kabinett. Er könnte Verteidigungsminister bleiben, ist aber vielseitig einsetzbar, auch als Finanzminister. Und als Reservekanzler - sofern er nicht über die Drohnen-Probleme stolpert.
  • Familie: Kristina Schröder wolle sich bald wieder mehr der eigenen Familie widmen, wurde jüngst aus der Union verbreitet. Das ist Mobbing, könnte aber genau so kommen. CSU-Frau Dorothee Bär könnte folgen.
  • Gesundheit: Dass die FDP wieder fünf Minister stellen würde, ist unwahrscheinlich. Vom Rekordergebnis 2009 sind die Liberalen weit entfernt. Nicht ausgeschlossen, dass Daniel Bahr, 36, den neuen Kräfteverhältnissen zum Opfer fällt. Dann könnte das Ministerium wieder an die Union gehen. Ursula von der Leyen wollte einst Gesundheitsministerin werden. Wenn es wieder die Generation Bahr sein soll: CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn ist 33.
  • Verkehr: Dem Parteichef in Bayern ist Peter Ramsauer (CSU) in herzlicher Abneigung verbunden. Dennoch dürfte er wohl weiter Autobahnen einweihen, die Maut fordern und auf Berliner.-Flughafen-Dilettanten schimpfen. Es sei denn, Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) will doch noch mal Minister werden.
  • Umwelt: Peter Altmaier (CDU) dürfte als Bundesumarmungsminister weiter den großen Konsens bei der Energiewende suchen. Es sei denn, er müsste Volker Kauder als Fraktionschef beerben.
  • Bildung: Johanna Wanka (CDU) ist erst ein paar Monate im Amt - sie könnte sicher bleiben.
  • Entwicklung: Dirk Niebel (FDP) müsste gehen. Er hat sich mit seinem offenen Putschversuch gegen Parteichef Rösler viele Feinde gemacht. Zudem wären die Liberalen wohl zumindest einen Ministerposten los - und auf ein Ressort, das sie ursprünglich abschaffen wollten, können sie gut verzichten. Für die Union eine Gelegenheit, die Wünsche der Fraktion oder den Regionalproporz zu bedienen. Zum Beispiel zu Gunsten der Hessen, wenn Kristina Schröder geht: Ministerpräsident Volker Bouffier brachte jüngst eine Kabinettsrückkehr von Franz Josef Jung ins Spiel.
  • Kanzleramt: Ronald Pofalla (CDU) sorgte mit einem Verbalausfall gegen Euro-Rebell Wolfgang Bosbach ("Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen") für Wirbel. Hat im schwarz-gelben Maschinenraum einen undankbaren Job: Läuft es gut, liegt es an der Kanzlerin. Läuft es schlecht, ist Pofalla Schuld. Er würde wohl gern was anderes machen: das Arbeitsministerium führen. Dafür müsste von der Leyen ein anderes Ressort übernehmen. Für den Job des stillen Arbeiters in der Regierungszentrale käme CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe in Frage.

Mitarbeit: Severin Weiland

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derbochumerjunge 12.06.2013
1. Kabinett
Ein Gruselkabinett. Was noch schlimmer wäre? Eine Regierung, gebildet aus den Oppositionsparteien im Bundestag.
Klaus100 12.06.2013
2. Der Artikel musste jetzt wohl sein
Ist das noch Journalismus, oder geht hier um persönliche Befindlichkeiten? Natürlich steht es jedermann frei, einzelne Minister oder die Kanzlerin zu kritisieren. Aber von einer Minus-Mannschaft zu reden deutet doch auf eine gewisse Einseitigkeit hin.
Mannheimer011 12.06.2013
3. Frei nach Horst Schlämmer
Was die anderen nicht können, können wir auch nicht schlechter. Da hat man wirklich die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Fricklerzzz 12.06.2013
4. SPD und CDU sind sich so einig das nur noch pers. Dinge in Vordergrund stehen
Zitat von sysopDPAAls "B-Elf" verspottet die CDU Peer Steinbrücks Kompetenzteam. Dabei sollte man sich in der Koalition lieber zurückhalten. Gewinnt Schwarz-Gelb im Herbst die Wahl, wird sich schnell zeigen: Die Personaldecke ist dünn. Wie könnte Angela Merkels nächste Ministerriege aussehen? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/moeglicher-wahlsieg-wie-merkels-kabinett-aussehen-koennte-a-902819.html
Sachliche Themen kommen garnicht mehr auf den Tisch, ist ja eh alles alternativlos. SPD und CDU können von mir aus dichtmachen. Die können ja ein Paar albanische Leiharbeiter zum Sitzwarmhalten auf die Ministersessel setzen. Wen Mutti da fernsteuert ist doch egal. Solange der Wahlkampf so geführt wird, ist er vollkommen witzlos, sodass es dann auch egal ist wer das Ministeramt bekleidet. Fricklerzzz
Freifrau von Hase 12.06.2013
5. Affären
Mindestens die Hälfte der Namen gehen gar nicht, weil die Volksverar....vertreter in irgendwelche Affären verwickelt sind oder waren. Aber der dumme Michel verzeiht ja schnell und die CDU kann immer noch mit 40+ % rechnen....
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