Möllemann-Affäre Die Zitate, die die Republik bewegen


Berlin - Der so genannte Antisemitismus-Streit entzündete sich in diesem Frühjahr am Vorgehen der israelischen Armee in den Palästinensergebieten. Die entscheidenden Zitate der Debatte:

"Die israelische Armee wendet Nazi-Methoden an! ... Gerade von Deutschen sollte auf Grund der eigenen Geschichte eine besondere Sensibilität erwartet werden, wenn ein unschuldiges Volk den Nazi-Methoden einer rücksichtslosen Militärmacht schutzlos ausgeliefert ist."

(Der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Jamal Karsli in einer Mitte März verbreiteten Pressemitteilung zum Einmarsch der israelischen Armee in die Palästinensergebiete)

"Israels Politik fördert den Terrorismus. Was würde man denn selber tun, wenn Deutschland besetzt würde? Ich würde mich auch wehren, und zwar mit Gewalt. Ich bin Fallschirmjägeroffizier der Reserve. Es wäre dann meine Aufgabe, mich zu wehren. Und ich würde das nicht nur im eigenen Land tun, sondern auch im Land des Aggressors."

(Der stellvertretende FDP-Vorsitzende und Präsident der Deutsch- Arabischen Gesellschaft, Jürgen Möllemann, am 4. April in der "taz" zu den palästinensischen Selbstmordattentaten)

"Man muss zugestehen, dass der Einfluss der zionistischen Lobby sehr groß ist: Sie hat den größten Teil der Medienmacht in der Welt inne und kann jede auch noch so bedeutende Persönlichkeit 'klein' kriegen. Denken Sie nur an Präsident Clinton und die Monica-Lewinsky-Affäre. Vor dieser Macht haben die Menschen in Deutschland verständlicherweise Angst."

(Jamal Karsli in der Wochenzeitung "Junge Freiheit" vom 3. Mai)

"Wer Ariel Scharon kritisiert, wird von bestimmten Leuten in Deutschland in die Ecke des Antisemitismus gestellt. Das verbitte ich mir auf das Schärfste. Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art. Überheblich. Das geht so nicht, man muss in Deutschland Kritik an der Politik Scharons üben dürfen, ohne in diese Ecke geschoben zu werden."

(Jürgen Möllemann am 16. Mai im "heute-journal")

"Wo ist die FDP-Führung eigentlich hingekommen, dass sie einem stellvertretenden Vorsitzenden, der solches Gedankengut verbreitet, nicht öffentlich widerspricht oder sich gar von ihm trennt. Die rechten Bemerkungen von Möllemann haben auch nichts mehr mit Israel zu tun, sondern bewegen sich auf dem Niveau der Republikaner und der NPD."

(Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, am 23. Mai im Magazin "Stern")

"Wenn Möllemann einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Schüren antiisraelischer und antisemitischer Ressentiments durch die Kritik Friedmans an der parteipolitischen Entscheidung zu Gunsten einer Mitgliedschaft Karslis herstellt und propagiert, dann bestätigt er damit jahrhundertalte antisemitische Klischees."

(Zentralratspräsident Paul Spiegel in einer Presseerklärung vom 22. Mai)

"Möllemann hat sich als Antisemit geoutet."

(Die Vizepräsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, am 22. Mai in der n-tv-Sendung "Maischberger")

"Ich möchte nicht in einem Land leben, wo der Antisemitismus mit einem Champagnerglas in der Hand Einzug nimmt in die politischen Salons."

(Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth am 25. Mai in Unna)

"Ich kann Möllemann nur empfehlen: Kopf hoch und nicht gleich in Deckung gehen."

(Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider (FPÖ) in der "Bild am Sonntag" vom 2. Juni)



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