Möllemanns Mossad-Vorwurf "Durchgeknallt"

Guido Westerwelle hat die Geheimdienst-Vorwürfe von Jürgen Möllemann zurückgewiesen. Der FDP-Chef schlug Möllemann vor, sein Buch, in dem er die Anschuldigungen erhebt, in "Durchgeknallt" umzubenennen. Möllemann hatte erklärt, der Mossad habe den FDP-Chef erpresst, damit dieser ihn kalt stelle.


Jürgen Möllemann sieht sich vom Mossad verfolgt
DDP

Jürgen Möllemann sieht sich vom Mossad verfolgt

Hamburg - Die Erpressungsgeschichte entbehre jeder Grundlage, sagte Westerwelle der "Neuen Westfälischen" in Bielefeld. Möllemanns Buch sollte statt "Klartext" besser "Durchgeknallt" heißen, schlug er vor.

Die Geheimdienst-Vorwürfe erhebt Möllemann in seinem Buch "Klartext", aus dem der "Stern" vorab berichtet. Er bezieht sich darin auf den Israel-Besuch Westerwelles im Mai 2002. Beim Warten auf eine Audienz bei Ministerpräsident Ariel Scharon habe ein "Mann ohne Namen" dem Parteichef "in unmissverständlichen Worten knallhart gesagt, dass die israelische Regierung meinen politischen Kopf verlange". Westerwelle habe später einen seiner kundigen Begleiter gefragt, wer das gewesen sei, und habe zur Antwort erhalten: "Der Mossad".

Nach Möllemanns Version hätten Scharons Leute den Auftrag gehabt sicherzustellen, dass er, Möllemann, im Falle eines Regierungswechsels nach der Bundestagswahl nicht Außenminister werde. "Vielleicht wollte Dr. Westerwelle dieser Erpressung am Anfang wirklich widerstehen. Aber wer weiß, wie oft sie nach seiner Israel-Reise in Deutschland wiederholt und verschärft worden ist."

Nach Angaben des "Stern" will Möllemann aus der FDP austreten, um einem Parteiausschluss zuvor zu kommen. Von der politischen Bühne verschwinden will er jedoch nicht: "Der Politik endgültig den Rücken zu kehren wäre vielleicht das einfachste. Aber aufgeben ist nicht drin. Dann würde ich mich selbst aufgeben."

In seinem Buch stellt er die Gründung einer neuen Partei in Aussicht. "Deutschland braucht eine neue Politik. Und wenn es erforderlich ist auch eine neue Partei", schreibt er. "Es ist höchste Zeit, den Bürgern zu sagen: Ihr seid das Volk! Steht auf! Schließt euch zusammen und zeigt den Politikern die rote Karte!"

Möllemann will nach dem Bericht des "Stern" die neue Partei gründlich vorbereiten, um sie im nächsten Jahr bei den Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zu testen. Zur bayerischen Landtagswahl im kommenden Herbst werde er noch nicht antreten. Sein Bundestagsmandat und sein Landtagsmandat in Düsseldorf wolle er behalten, um eine Bühne zu haben.



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