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27. Oktober 2016, 03:56 Uhr

Entscheidung im Stadtrat

Monheim bezuschusst Moscheebau islamischer Gemeinden mit 845.000 Euro

Der Plan war bekannt, nun wurde er im Stadtrat offiziell beschlossen: Monheim am Rhein wird den Bau von Moscheen und Gemeindezentren islamischer Gemeinden mit 845.000 Euro unterstützen.

900 Menschen waren zu einer Bürgeranhörung im nordrhein-westfälischen Monheim gekommen, am Mittwochabend sollte über einen umstrittenen Antrag abgestimmt werden. SPD, CDU, Grüne und FDP votierten dagegen. Doch im Stadtrat hat die kommunale Partei Peto die absolute Mehrheit.

Und damit steht nun fest: Die Stadt Monheim am Rhein, zwischen Düsseldorf und Köln gelegen, wird den Bau von Moscheen und Gemeindezentren islamischer Gemeinden mit 845.000 Euro unterstützen.

Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) will die Gemeinden besser integrieren und sie aus den Hinterhöfen herausholen. Dabei bezieht er sich auf die Worte der evangelischen Bischöfin Ilse Junkermann, die im Mai gefordert hatte, dass auch muslimische Organisationen wie Kirchen organisiert werden müssten, um für mehr Transparenz zu sorgen.

Mit den Zuschüssen der Stadt können die islamischen Gemeinden die Grundstücke für den Bau von Moscheen und Gemeindezentren nun von städtischen Tochtergesellschaften kaufen. Der 100-prozentige Zuschuss für die Grundstücke entspreche einem Förderanteil von lediglich 15 Prozent der Investitionssumme, sagte Zimmermann.

Er hatte als Gymnasiast die Partei Peto (lateinisch für "ich fordere") gegründet, seit 2009 stellt die Schüler- und Studentenpartei den Bürgermeister (hier lesen Sie mehr zu Zimmermann) in Monheim. Bei der letzten Wahl kam Peto in der Stadt auf 65 Prozent der Stimmen.

Er habe rund 300 E-Mails von Lesern einschlägiger rechtsradikaler Webseiten aus dem ganzen Bundesgebiet erhalten, sagte Zimmermann laut dem Nachrichtenportal "Der Westen". In einer Bürgeranhörung hätten sich aber rund 80 Prozent der Monheimer grundsätzlich für eine Unterstützung der islamischen Gemeinden ausgesprochen. "Ich hoffe, dass die Moscheen auch stadtbildprägend sein werden und später einmal Baudenkmäler."

Der Bau von Moscheen ist an anderen Orten in Deutschland hochumstritten. Die in Monheim geplanten Auflagen sehen laut "Der Westen" unter anderem vor, dass die Minarette höchstens 25 Meter hoch sein dürfen. Zudem müssten sich die Gemeinden zu Verfassungstreue und Toleranz verpflichten. Mehr Hintergründe zu den Plänen in Monheim lesen Sie hier.

aar/dpa

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