Moorbrand bei Meppen Bundeswehr entschuldigt sich bei Betroffenen

Seit Wochen brennt auf einem Militärgelände bei Meppen ein Moor. Die Bundeswehr will nun intern prüfen, ob die Schusstests angesichts der extremen Trockenheit wirklich nötig waren.

Bundeswehr-Gelände bei Meppen
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Bundeswehr-Gelände bei Meppen


Das Bundesministerium für Verteidigung hat sich wegen des Moorbrands auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen bei den Betroffenen entschuldigt. "Das Verteidigungsministerium bedauert außerordentlich, dass es durch einen Test der Wehrtechnischen Dienststelle zu diesem Brand gekommen ist", sagte Staatssekretär Gerd Hoofe bei einem Besuch des Geländes.

Den Verantwortlichen im Ministerium sei bewusst, dass durch den Brand und die Löscharbeiten in erheblichem Umfang Belastungen für die Bevölkerung und die angrenzenden Gemeinden bestünden. Der Dank der Bundeswehr gelte den Einsatzkräften, die sich seit vielen Tagen gegen eine weitere Ausbreitung des Brandes stemmten.

Löschraupe im Moor bei Meppen
Bundeswehr/WTD 91/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Löschraupe im Moor bei Meppen

"Ich möchte mich aber auch bei allen betroffenen Menschen in der Region für die Beeinträchtigungen entschuldigen", sagte Hoofe. Der Staatssekretär besuchte das Gelände gemeinsam mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Die Bundeswehr will die Schusstests, die zu dem Brand geführt haben, untersuchen: "Schießversuche der Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) in Meppen haben am 3. September 2018 einen Moorbrand ausgelöst, der bis heute andauert", heißt es in einem internen Sachstandbericht.

"Die Bundeswehr geht intern der Frage nach, ob bei diesem Test unter den gegebenen Umständen alle Vorschriften eingehalten wurden beziehungsweise ob Ermessenspielräume korrekt genutzt wurden oder es eventuell Regelungslücken im Brandschutz gibt, die geschlossenen werden müssen."

Brandgefahr war als "hoch" eingestuft

Hinter dem Satz verbirgt sich im Bundeswehr-Deutsch ein klarer Hinweis, dass man mit dem Verhalten der Mitarbeiter des Schießgeländes nicht zufrieden ist, deswegen der Hinweis auf den Ermessenspielraum.

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Moorbrand auf Bundeswehr-Gelände: Rauchwolke über Niedersachsen

Im Ministerium ist man zudem über die bisherige Kommunikation und die Reaktion auf den Fall ziemlich unglücklich. Zunächst hatten Sprecher der Bundeswehr-Einrichtung so getan, als ob die Truppe keinerlei Verantwortung für den Brand trage und den gesamten Vorgang heruntergespielt.

Erst durch Presseberichte wurde schließlich Berlin alarmiert, da allerdings war der Brand schon so groß, dass man die Rauchwolke selbst aus dem Weltraum sehen konnte.

Brand auf einem Foto der Nasa
NASA WORLDVIEW/ HANDOUT/ EPA-EFE/ REX/Shutterstock

Brand auf einem Foto der Nasa

Aus dem Sachstand geht auch hervor, dass sich die Bundeswehr über die brenzlige Trockenheit durchaus bewusst war. So sei die Brandgefahr bereits als "hoch" eingestuft gewesen, deswegen fanden nur noch "hoch priorisierte Versuche" statt. Laut den Regeln durften nur Bombentests durchgeführt werden, bei denen das Risiko der Ausbreitung von Bränden als insgesamt gering und beherrschbar bewertet werden.

Die Vorsichtsmaßnahme nutzte nichts. So stand zwar eine funktionstüchtige Löschraupe bereit, um mögliche Brände im Moorgebiet nach den Tests umgehend löschen zu können. Nach der Löschung von einem anderen Brand aber fiel die Raupe aus, so konnte sich der Brand im Moor ausbreiten. Das Beispiel zeigt laut Insidern erneut, dass die Materiallage der Bundeswehr in vielen Bereichen äußerst mangelhaft ist.

Es sei beabsichtigt, die Ergebnisse anschließend zu veröffentlichen. Wann die Untersuchungen abgeschlossen werden können, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen. Entstehende Kosten für bundeswehrexterne Unterstützung trägt dem Bericht zufolge die Bundeswehr.

Staatsanwaltschaft ermittelt, Grüne wollen Anzeige erstatten

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat wegen des Brandes Ermittlungen eingeleitet. "Da kommen Branddelikte in Betracht, insbesondere die Brandstiftung und möglicherweise auch Umweltdelikte, wenn besonders geschützte Gebiete wie Naturschutzgebiete betroffen sind", sagte ein Behördensprecher.

Die Ermittler würden Kontakt zur Bundeswehr aufnehmen, um sich einen Überblick über die Hintergründe des Feuers zu verschaffen. Da die Staatsanwaltschaft nicht gegen Firmen oder Institutionen ermitteln könne, richte sich das Verfahren zunächst gegen Unbekannt.

Die Grünen im niedersächsischen Landtag hatten angekündigt, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Bundeswehr zu erstatten. "Jeder andere, der im Moor bei einer solchen Gefahrenlage aufgrund extremer Trockenheit zündelt oder auch nur eine Zigarettenkippe wegwirft, müsste sich strafrechtlich verantworten", sagte der brandschutzpolitische Sprecher Christian Meyer.

Er sehe keinen Grund, dass die Bundeswehr anders behandelt werden sollte, wenn sie sogar Raketen ins Moor schieße und dabei nicht einmal funktionsfähiges Löschgerät bereithalte.

mgb/asa/dpa



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