Mord von Templin Neonazis wollten Leiche verbrennen

Ermittler sprechen von einem Gewaltexzess: Mit brutalen Schlägen und Tritten sollen zwei Neonazis in Templin einen obdachlosen Trinkkumpanen umgebracht haben. Anschließend versuchten sie, die Leiche zu verbrennen. Einer der Verdächtigen soll mit der Tat vor einer Freundin geprahlt haben.


Neuruppin/Templin - Neue Details aus der Blutnacht von Templin: Nachdem sie einen 55-jährigen Mann in Templin in der Uckermark umgebracht hatten, haben die beiden mutmaßlichen Täter versucht, das Opfer anzuzünden. Sie seien allerdings gescheitert, sagte die Neuruppiner Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper am Freitag und bestätigte damit einen Bericht der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" und der "Bild"-Zeitung.

Ehemalige Tischlerwerkstatt in Templin: Mit der Bluttat geprahlt
DPA

Ehemalige Tischlerwerkstatt in Templin: Mit der Bluttat geprahlt

Der 18-jährige Sven P. und der 21-Jährige Christian W. sitzen weiterhin als Verdächtige in Untersuchungshaft. Beide sollen der rechtsextremen Szene angehören, nach Informationen der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" gehört Sven P. zu deren Wortführern. Die Staatsanwältin bestätigte, dass er am Tattag ein Shirt mit einem Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß trug. Es sei aber noch offen, ob dies auf die Motivation für die Tat schließen lasse. Bei Christian W. soll auf der Oberbekleidung der Schriftzug "Frontkämpfer" gestanden haben.

Die Leiche des wohnungslosen Tischlers war am Dienstag in seiner früheren Werkstatt entdeckt worden. Das Opfer erlitt laut Lodenkämper mehrere Schädelbrüche. Nach bisherigen Erkenntnissen sei der Mann auch mit Tritten gegen den Kopf traktiert worden. Ermittler sprachen von exzessartiger Gewalt. Christian W. hatte in der polizeilichen Vernehmung eine Tatbeteiligung eingeräumt. Der Haftbefehl gegen ihn lautet auf Totschlag, gegen Sven P. besteht Mordverdacht.

Die "Bild"-Zeitung zitierte am Freitag Aussagen der Freundin des älteren Tatbeteiligten Christian W. Demnach seien die beiden mutmaßlichen Täter in der Tatnacht um etwa 4 Uhr morgens nach Hause gekommen. "Ich wurde wach und hörte die beiden tuscheln. Ich bin hin. Plötzlich begann Christian, von der grausamen Bluttat zu erzählen", sagte die 17-Jährige laut "Bild"-Zeitung.

Die jungen Männer hätten erzählt, wie sie mit dem Tischler in dessen Werkstatt Bier getrunken hätten. Dann sei es zum Streit gekommen, Christian W. habe dem Opfer ins Gesicht geschlagen. Das Opfer sei zu Boden gestürzt, dann soll Sven P. dem Mann brutal gegen den Schädel getreten haben.

Nach dieser Version flüchteten die Täter zunächst, dann sei zumindest Sven P. an den Tatort zurückgekehrt, um das Opfer anzuzünden und so die Spuren zu verwischen. Offenbar war das Opfer zu diesem Zeitpunkt bereits seinen schweren Verletzungen erlegen. "Sven hat mit der Tat richtig geprahlt", zitiert die "Bild"-Zeitung Christian W.s Freundin. "Er sagte, dass er schon immer mal einen Menschen umbringen wollte." Ihr Freund Christian habe "zwar auch viel Mist gebaut, aber er würde nie einen Menschen umbringen".

Verdächtige waren nur auf Bewährung frei

Beide Tatverdächtige sind vorbestraft und befanden sich nur auf Bewährung auf freiem Fuß. In der Polizeiakte von Christian W. finden sich Delikte wie Brandstiftung, gefährliche Körperverletzung, Volksverhetzung, Diebstahl und Tierquälerei. Ein Gericht hatte 2007 die Strafen für mehrere Taten zu einer Haft von drei Jahren und vier Monaten zusammengerechnet, wenig später kam W. jedoch auf Bewährung frei, weil er schon länger hinter Gittern saß.

Sven P. war erst gerade zu zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden, weil er ein Jahr zuvor einen Mann attackiert und beleidigt hatte. Im vergangenen Jahr saß er vier Wochen in Jugendarrest für das Zeigen des Hitlergrußes, versuchte Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Die Templiner Kirchengemeinden wollten am Freitagabend mit einer ökumenischen Andacht des Opfers und seiner Familie gedenken. "Wir wollen die Menschen wachrütteln", sagte Pfarrer Ralf-Günther Schein.

Der Chef des Mobilen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus in Brandenburg, Dirk Wilking, beklagte im rbb-Inforadio einen "dramatischen Werteverlust in einigen Jugendszenen". Die Grenze zu töten sei in bestimmten Milieus offensichtlich gering. Die Gewalt von Rechtsextremen richte sich gegen Obdachlose, Trinker, Punks, Homosexuelle und gegen Christen, erklärte Wilking. Nach seiner Darstellung gibt es in Templin eine rechtsextreme Szene mit Kontakten nach Schwedt und Berlin. Verbindungen zur NPD seien bislang nicht festgestellt worden.

phw/dpa



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