Moschee-Streit "Ich bin doch kein Türkenschreck"

Der Streit um den Bau einer Kölner Großmoschee geht in die nächste Runde - und die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro Köln versucht weiter, den Schriftsteller Ralph Giordano vor ihren Karren zu spannen. Der wehrt sich heftig dagegen - und freut sich auf die Auseinandersetzung vor Gericht.

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Berlin - Am Samstag um 11 Uhr wollen die Rechtspopulisten der Bewegung Pro Köln in Köln gegen den Bau einer Großmoschee an der Venloer Straße demonstrieren. Zur Unterstützung haben sich die Rechten den Vorsitzenden der österreichischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, eingeladen. Aber auf ihrer Homepage stellen sie noch jemand anders als Förderer ihrer Sache dar: Ralph Giordano.

Schriftsteller Ralph Giordano: Der Schriftsteller sieht dem Prozess gegen Pro Köln mit "freudiger Erregung entgegen"
DDP

Schriftsteller Ralph Giordano: Der Schriftsteller sieht dem Prozess gegen Pro Köln mit "freudiger Erregung entgegen"

Der Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Giordano hatte in einem Streitgespräch mit dem Vertreter Bekir Alboga von der Ditib heftig gegen den Bau der Großmoschee gestritten. Er lehnt das Gotteshaus ab, weil es ein falsches Zeichen setze - denn die Integration sei gescheitert, der Bau spiegele deshalb nicht die Realität wider.

Dass er aber mit den Rechtspopulisten keine gemeinsame Sache machen wird, hatte Giordano auf die ihm eigene deutliche Art klargestellt: Pro Köln sei die "lokale zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus", die wenn sie könnten, wie sie wollten, "ihn in eine Gaskammer stecken" würden. Auch nach einer Strafanzeige von Pro Köln wegen dieser Äußerung wird er nicht müde, sie zu wiederholen. Er werde nicht zurückweichen und sehe "dem Prozess im Gegenteil mit freudiger Erregung entgegen", sagt Giordano zu SPIEGEL ONLINE.

Seine Moscheekritik unterscheide sich zudem klar von der Pro Kölns, die aus "nazistischen, rechtsextremen, fremdenfeindlichen" Motiven gegen den Bau sei. Er hingegen stelle Muslime nicht unter einen Generalverdacht, werde ihnen aber auch keinen Blankoscheck ausstellen. "Ich bin doch aber kein Türkenschreck, ich habe nicht zum Bürgerkrieg aufgerufen", so Giordano.

"Direkter Angriff auf unsere Lebensform"

Seine Sorge vor einer schleichenden Islamisierung in Deutschland wolle er trotzdem äußern dürfen. "Bei der Integration reden wir über ein schwieriges Thema - beide Seiten, die Mehrheitsgesellschaft und die Muslime, müssen integrationsfeindliche Probleme beim Namen nennen", fordert der Schriftsteller. Bei vielen muslimischen Verbänden in Deutschland, so auch bei der Ditib, habe er den Eindruck, dass mit zwei Zungen gesprochen werde. Nach außen gebe man sich offen und grundgesetzestreu, aber im Inneren würden "Verbindungen zu Organisation unterhalten, die gegen das Grundgesetz sind", so Giordano. Dieser politische Islam sei ein direkter Angriff auf "unsere Lebensform".

Zu dem Argument, die neue Großmoschee mache die muslimische Community erst transparent und befördere sie endlich aus dem Hinterhof hinaus, sei also der Integration förderlich, sagte der Schriftsteller: "Es gibt zwischen Hinterhofmoschee und einer Großmoschee viele Abstufungen." Es gebe ein Recht auf Religionsfreiheit, aber nicht auf religiöse Monstrositäten.

Die verfehlte Integrationspolitik der letzten Jahrzehnte habe Deutschland vor das Dilemma gestellt, sich die Frage zu stellen, ob die Minderheit der Muslime zu integrieren ist. "Diese Frage ist völlig offen. Es gibt aber zur Integration keine friedliche Alternative", erklärt Giordano. Die Mehrheitsgesellschaft müsse sich mit den integrationswilligen säkularen Muslimen verbünden und auf das hören, was die innertürkischen Kritiker über Parallelgesellschaften sagen.

Das werde er immer wiederholen und betonen - aber vollkommen unabhängig von Pro Köln. "Ich lasse mir meine Regie von denen nicht wegnehmen", so Giordano.

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