Moscheekritik Morddrohungen gegen Ralph Giordano

Nach seiner heftigen Kritik am Bau einer Kölner Großmoschee hat der Publizist Ralph Giordano telefonische Morddrohungen bekommen - offenbar von Islamisten.

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Berlin - Ralph Giordano ist erfahren im Umgang mit Morddrohungen: Im Laufe seines publizistischen Lebens habe er mehr als 1300 solcher Drohungen bekommen - telefonisch, als Fax, als Brief, so der Schriftsteller im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Immer kamen die Anfeindungen gegen den 84-jährigen Holocaustüberlebenden aus dem rechtsextremen Umfeld.

Publizist Ralph Giordano: "Ein ungeheurer Hassduktus drang durch"
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Was Giordano kürzlich erlebt hat, ist aber auch für ihn ein Novum: Zum ersten Mal kamen die Anfeindungen offenbar aus dem islamistischen Milieu. Vor einigen Tagen habe er sechs Anrufe bekommen, in denen ihm mit Mord gedroht worden sei, sagt Giordano. "Ich habe nur verstanden: Allah, Moschee, Buch, tot". Ein ungeheurer Hass sei durchgeklungen. "Das alles hat mich sehr schockiert", erklärt er SPIEGEL ONLINE.

Zunächst habe er gar nicht einordnen können, worauf der Anrufer abzielte. Denn die Drohungen gingen noch vor Giordanos Streitgespräch mit Bekir Alboga vom muslimischen Verband Ditib ("Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion") über einen geplanten Moscheebau in Köln ein. Dieses Streitgespräch ließ dann die Wellen erst richtig hochschlagen: Giordano, der als Jude im Dritten Reich von den Nazis verfolgt wurde, hatte bei dem Auftritt im Internetfernsehen des "Kölner Stadtanzeigers" heftige Kritik an dem Bau einer zentralen Moschee durch die Ditib in Köln-Ehrenfeld geübt und damit für Aufregung gesorgt. "Mir wurde dann aber klar, dass die Anrufer sich auf meine kürzlich erschienen Memoiren bezogen. Dort kritisiere ich einem Kapitel den Bau der zentralen Moschee in Köln-Ehrenfeld", so der Publizist.

Es sei wenig hilfreich, rechtlich gegen die anonymen Anrufer vorzugehen. "Wir kämpfen gegen Phantome. Und ich will mein Leben von dieser Seite so wenig wie möglich beeinträchtigen lassen", so der 84-Jährige zu SPIEGEL ONLINE.

Nach seinen umstrittenen Äußerungen im Internet-Fernsehen des "Kölner Stadtanzeigers" wurde Giordano vorgeworfen, mit seiner Haltung Rechtsextremen in die Hände zu spielen. Der Bau der Moschee sei ein falsches Signal, die Integration sei gescheitert, die Mehrheit der Bevölkerung sei gegen den Bau - von der Politik werde das aber nicht berücksichtigt, hatte Giordano erklärt. Eine Frau in Burka hatte er als "menschlichen Pinguin" bezeichnet.

Die rechtspopulistische Bürgerinitiative "Pro Köln", die sich ebenfalls gegen den Bau der zentralen Moschee in Köln-Ehrenfeld wendet, hatte Giordano daraufhin gelobt - sich damit aber wiederum eine heftige Ohrfeige des Autors eingefangen.

"Pro Köln" sei "die lokale Variante des zeitgenössischen Nationalsozialismus, Leute, die mich, wenn sie könnten, wie sie wollten, in die Gaskammer stecken würden", so Giordano. Daraufhin hat "Pro Köln" eine Unterlassungserklärung gestellt. Giordano sagt aber, er werde "vor diesen Leuten keinen Schritt zurückweichen".

Seine Haltung gegen den geplanten Bau der Kölner Großmoschee erneuerte Giordano unterdessen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er selbst wäre sehr glücklich, wenn der Bau dieser großen Moschee ein Symbol für geglückte Integration wäre. Aber das sei eben nicht der Fall, die Integration sei gescheitert, der Bau dieser Moschee deshalb ein falsches Signal.

Er habe neben aller öffentlichen Schelte sehr viel Solidarität für seine Äußerungen bekommen. Das eigentlich Erschreckende an den Diskussionen um den Moscheebau sei, dass offenbar eine große Mehrheit der Bevölkerung gegen den Bau ist, sich aber jetzt nicht traue zu protestieren - "aus Angst, in die rechte Ecke gestellt zu werden", so der 84-Jährige.



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