Türkischer Moscheeverband Ditib hat angeblich Willen zu Neuanfang

Von einem zu engen Kontakt zur Türkei will der umstrittene Moscheeverband nichts wissen. Stattdessen kündigt die Ditib einen Neustart an.

Zentralmoschee der Ditib in Köln
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Zentralmoschee der Ditib in Köln


Der Moscheeverband Ditib gibt sich reformwillig und plant angeblich einen Neuanfang. Aber als größte islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland könne man "nicht von heute auf morgen abrupt Strukturen verändern", schränkte der Vorstandsvorsitzende Kazim Türkmen gleich ein.

Die häufig geäußerte Kritik an einer zu engen Anbindung an die Türkei wies Türkmen zurück. Politiker in Bund und Ländern fordern eine Loslösung von Ankara. 2017 ermittelte die Bundesanwaltschaft gegen 19 Imame der Ditib, weil sie im Auftrag der türkischen Regierung in Deutschland mutmaßliche Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdogan ausspioniert haben sollen.

Die Bundesanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen später ein. "Ditib hat in der Spitzelaffäre alle nötigen Aussagen getätigt, das Thema ist für uns abgeschlossen", sagte Türkmen. Der Verband wolle in die Zukunft blicken. Hauptziel sei es, als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden. Dabei spiele der Islamunterricht eine große Rolle.

Die Ditib sei eine in Deutschland etablierte Rechtsform, deren Satzung von deutschen Gerichten angenommen wurde. "Ditib gehört zu Deutschland", sagte Türkmen. Unter Neuanfang verstehe der Verband, sich ab jetzt auf die "Kernbereiche zu konzentrieren und Debatten hinter uns zu lassen".

Türkmen wies einen Bericht der "Bild"-Zeitung von Ende Dezember zurück, nach dem Moscheen in Deutschland zum Teil von ausländischen Terrororganisationen finanziert werden sollen. "Wir haben die 'Bild' aufgefordert, dies zu unterlassen, und werden nun gerichtlich dagegen vorgehen", kündigte Türkmen an.

Auch die Kritik an der Teilnahme zweier Mitglieder der Muslimbruderschaft an einer Ditib-Konferenz Anfang Januar in Köln wies Türkmen zurück. Ditib sei lediglich Gastgeber der Konferenz gewesen und habe die Räume zur Verfügung gestellt. Organisiert habe die Konferenz die Diyanet, das türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten.

Die Diyanet ist jedoch für die Moscheen verantwortlich, die zum Ditib-Verband gehören. Sie entsendet auch die Imame, die in deutschen Moscheen predigen. Entscheidend sei bei der Konferenz gewesen, dass die eingeladenen Menschen und Organisationen eine gesellschaftliche Relevanz hätten, sagte Türkmen. "Die Inhalte waren rein religiöser Natur und in keinster Weise politisch." Die politischen Positionen der Eingeladenen seien irrelevant gewesen.

Beck: Kein glaubwürdiger Neuanfang

Grünen-Politiker Volker Beck kritisierte: "Die Ditib versucht, ihre Fassade neu zu streichen, hat aber noch nicht mal Farbe mitgebracht." Dem Verband sei auch personell kein glaubwürdiger Neuanfang gelungen. Zur Spitze gehöre nun auch mit dem neuen Vizevorsitzenden Ahmad Dilek der frühere Religionsattaché des Kölner Generalkonsulats, aus dem Spitzeldossiers über Kritiker und Gegner Erdogans an Ankara geliefert worden sein sollen. "Nicht einmal der überfällige Schnitt zur Spionageaffäre ist gelungen", sagte Beck, der auch Lehrbeauftragter am "Centrum für Religionswissenschaftliche Studien" der Uni Bochum ist, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

als/AFP/dpa

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