Mügelns Bürgermeister Deuse redet sich um Kopf und Kragen

"Wir sind das neue Sebnitz", "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein": Mügelns Bürgermeister Deuse gibt der "Jungen Freiheit" ein Interview mit saftigen Aussagen. Er sagt, er habe die Rechtspostille nicht gekannt - fühlt sich aber eigentlich gut getroffen.

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Hamburg - Gotthard Deuse hat hörbar schlechte Laune. Er habe sich gejagt gefühlt, sagt er am Telefon: von den Medien. Diese verhängnisvolle Gewaltnacht am Wochenende vor zehn Tagen lässt seine kleine Stadt Mügeln im sächsischen Dollnitztal einfach nicht mehr aus den Schlagzeilen kommen. Als braunes Nest sieht Deuse seine 5000-Einwohner-Gemeinde verschrien, weil auf dem doch immer so friedlichen Altstadtfest ein Mob von 50 Deutschen acht Inder über den Marktplatz hetzte, dabei Parolen rief wie: "Ausländer raus!" und "Deutschland den Deutschen!"

"Ich sage klipp und klar: Rechtsextremismus schließe ich aus", sagt der Mügelner Bürgermeister mit Blick auf die Motive der blutigen Auseinandersetzung. "Denn es besteht ein Unterschied zwischen ausländerfeindlichen Parolen von Betroffenen und Rechtsextremismus."

Das hat er schon mehrfach gesagt. Jetzt aber noch einmal. Und zwar in der morgigen Ausgabe der "Jungen Freiheit".

Ausgerechnet.

Jetzt fühlt sich Gotthard Deuse schon wieder gejagt, sagt er - weil man ihn fragt, wieso er der "Jungen Freiheit" ein Interview gibt. "Dabei habe ich das nicht gewusst", sagt der FDP-Politiker SPIEGEL ONLINE. Die Zeitung sei ihm nicht bekannt gewesen, erst jetzt habe er gehört, dass das Blatt "einen rechtsextremen Anstrich" hat, wie er es ausdrückt.

Rechtsextrem darf man die "Junge Freiheit" eigentlich nicht nennen, rechtsradikal auch nicht, seit sie sich in Karlsruhe erfolgreich aus den entsprechenden Rubriken der Verfassungsschutzberichte herausgeklagt hat. Also gilt das Blatt einstweilen als Hauptorgan der sogenannten "Neuen Rechten". Politikwissenschaftler schreiben dem Blatt eine Scharnierfunktion zwischen demokratischen Konservatismus und der extremen Rechten zu. Die sächsische Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau nennt das Wochenblatt heute das "Zentralorgan für deutschnationalen Verfolgungswahn".

Schon häufiger hat die eine oder andere Persönlichkeit scharfe Kritik auf sich gezogen, weil sie der Zeitung ein Gespräch gewährte. Gern wirbt die "Junge Freiheit" mit früheren Interviewpartnern: Laurenz Meyer, Jörg Schönbohm, Rolf Hochhuth.

"Unpolitische Prügelei"

Nun also FDP-Mann Gotthard Deuse, seit 17 Jahren Bürgermeister von Mügeln. Der hat erst in den vergangenen Tagen unfreiwillig Berühmtheit erlangt, auch weil er so einen feinen Unterschied macht zwischen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Weil er so einen feinen Unterschied macht, "ob die Inder unschuldig und aus fremdenfeindlichen Motiven überfallen, gejagt und dann verprügelt wurden" oder ob eine "an sich unpolitische Prügelei" in eine Flucht mündete, "in deren Verlauf aus Wut dumme und unsägliche Parolen gerufen wurde" - so sagt es Deuse in der "Jungen Freiheit".



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