Schüsse in München Gutachter stufen Amoklauf offenbar als politische Tat ein

Mehrere Gutachter schätzen den Amoklauf in München laut einem Bericht als rechtsextreme Tat ein. Auch die Staatsanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus - sieht aber auch andere Motive.

Polizeiabsperrung am Tatort (Archiv)
DPA

Polizeiabsperrung am Tatort (Archiv)


Mehr als ein Jahr nach dem Amoklauf von München gehen drei Gutachter laut einem Medienbericht von einer politisch motivierten Tat aus. Einer der von der Stadt München beauftragten Experten spreche von Rechtsterrorismus, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" nach gemeinsamen Recherchen mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR).

Das Innenministerium widerspricht diesem Ergebnis nach Informationen der Zeitung. Dort hieß es, dass der Täter David S. Menschen mit Migrationshintergrund als Opfer ausgesucht habe, dürfe "dem persönlichen, aber verallgemeinerten Feindbild der ehemaligen Mobber geschuldet sein".

Die Münchner Anklagebehörde bestätigte nun, dass es beim Amokläufer "eine von ihm aufgebaute krude pseudonationalsozialistische beziehungsweise rechtsradikale Gedankenwelt" gegeben habe, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding sagte. Es liege allerdings auch "ein ganzes Motivbündel" vor: "Natürlich war David S. rechtsextremistisch gesinnt, es wäre aber verfehlt, seine Motivation auf diesen Aspekt zu verkürzen", sagte Leiding.

Neues Gutachten wird am Freitag vorgestellt

Schon vor mehreren Monaten hatten sich die Hinweise auf rechtsextreme Motive des Täters gemehrt. Wie der SPIEGEL bereits vor Monaten berichtete, offenbarten Chatprotokolle und Dateien rassistische Terrorfantasien des 18-Jährigen.

David S. hatte am 22. Juli 2016 bei einem monatelang geplanten Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen getötet, ehe er sich selbst erschoss. Die meisten Opfer waren Jugendliche mit südosteuropäischen Wurzeln. Den Ermittlern zufolge war S. in der Schule gemobbt worden und in psychiatrischer Behandlung.

Das neue Gutachten soll am Freitag vorgestellt werden. Demnach soll David S. ein Rassist und ein Bewunderer des norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik gewesen sein - obwohl er selbst iranische Eltern hatte.

apr/aev/dpa



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