Silvester in München Terrorwarnung basierte maßgeblich auf einer Quelle 

Der Hinweis auf den angeblich geplanten Terroranschlag in München stammte nach SPIEGEL-Informationen von einem Ex-Geheimdienstoffizier aus dem Irak. Das FBI schätzte den Mann als zuverlässige Quelle - die aber zu viel Geld verlangte.

Schwer bewaffnete Polizisten in München vor dem Hauptbahnhof: Der Tipp kam von einem Iraker
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Schwer bewaffnete Polizisten in München vor dem Hauptbahnhof: Der Tipp kam von einem Iraker

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Der Mann, der dem Bundesnachrichtendienst (BND) detailliert über einen angeblich geplanten Terroranschlag in München berichtete, hat früher als Geheimdienstoffizier im Irak gearbeitet. Er lieferte in der Vergangenheit Informationen an die US-Bundespolizei FBI. Nach SPIEGEL-Informationen bezeichnete das FBI den Iraker bis zuletzt als zuverlässige Quelle. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 2/2016
Wie die Silvesternacht Deutschland verändert

Die amerikanische Behörde habe die Zusammenarbeit mit ihm nur deshalb eingestellt, weil er zu viel Honorar verlangt habe. Auch von den Deutschen wollte der Mann Geld für die Informationen haben, dies wurde ihm aber verwehrt.

Der Iraker hatte dem BND in Bagdad von einem geplanten Anschlag auf den Münchner Hauptbahnhof sowie den Pasinger Fernbahnhof berichtet und Namen von angeblichen Tätern genannt. Da mehrere ausländische Nachrichtendienste ähnliche Meldungen versandten, beschloss die Münchner Polizeiführung, die Bahnhöfe in der Silvesternacht zu evakuieren.

Wie die Ermittlungen ergaben, basierten einige dieser Meldungen, etwa die eines US-Geheimdienstes, des irakischen Dienstes und von kurdischen Informanten, immer auf derselben Quelle: dem Mann aus Bagdad.

Alle Warnhinweise beurteilte das Bundeskriminalamt (BKA) in einer Glaubwürdigkeitsanalyse mittlerweile als "eher unwahrscheinlich" - auch den eines französischen Nachrichtendienstes, der den Ausschlag für die Evakuierung gegeben hatte. Die Münchner Polizei konnte weder die angeblichen Täter ermitteln, noch fand sie Sprengstoff oder Waffen. In den Sicherheitsbehörden diskutiert man deshalb, ob die Hinweise eine Desinformation des "Islamischen Staates" (IS) waren.

In der Silvesternacht hatte in München nach dem Terroralarm Ausnahmezustand geherrscht, die Polizei setzte zusätzliche Kräfte ein, sperrte den Münchner Hauptbahnhof und den Pasinger Fernbahnhof ab. Auch in den Tagen danach war die Polizei mit mehr Beamten in München vor Ort.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
alfredjosef 08.01.2016
1. Eben
So einfach ist das: mit einer gefakten Warnung vor einem Anschlag kann jeder der es wer will (es muss nicht immer der Islamische Staat sein) riesigen ökonomischen Schaden anrichten - weil wir soviel Angst haben. aj
AndreasWolf 08.01.2016
2. Auch der BND sollte versuchen,
Informationen zu verifizieren... Andere Dienste in Europa, in Israel oder in Asien schaffen das auch. Sogar in ihren eigenen Ländern, gemeinsam mit den Polizei- und Inlandsdiensten. Verifikation funktioniert aber nur im gegenseitigen Austausch von Wissen, vorab und im Nachhinein, das sollten auch unsere deutschen Dienste wissen ;-)
peter_der_meter 08.01.2016
3. Wahnsinn
"Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" immer munter rein in den hoch nervösen Überwachungs und Polizeistaat... Ursachenbekämpfung? Ist wohl zu teuer
lemmy01 08.01.2016
4. Quatsch
Nicht "jeder", wie im ersten Beitrag angeführt, ist ehemaliger irakischer Geheimdienstoffizier. Und es ist auch nicht bekannt ob und welche wichtige Hinweise von dieser Quelle bereits in der Vergangenheit gekommen sind. Wenn sich der Informant auch in der Vergangenheit schon als zuverlässig erwiesen hätte, wäre aus meiner Sicht diese "eine" Quelle mehr als ausreichend für die Terrorwarnung gewesen. Insgesamt seriös beurteilen, kann das aber auf Basis dieses Artikels kein Mensch.
zak73 08.01.2016
5. Ziel erreicht
Selbst die Evakuierung in München, die Absage des Länderspiels in Hannover und die aktionistische Panik in Belgien haben doch schon genug Schaden angerichtet. Es geht dem IS doch darum die westliche Welt gegen den Islam aufzuhetzen. Es wird Angst verbreitet ohne Einsatz von IS-Terroristen. Ein echter Anschlag lässt sich wahrscheinlich gar nicht verhindern dazu ist der IS zu professionell.
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