Chef der Münchner Sicherheitskonferenz "Hohe Gefahr einer militärischen Konfrontation von Großmächten"

Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz warnt vor neuen Kriegen. Die Gefahr sei so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sagte Wolfgang Ischinger. Ein Grund: das Misstrauen zwischen Moskau und Washington.

RUSSIAN DEFENCE MINISTRY/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

500 Politiker und Experten werden am Freitag bei der Sicherheitskonferenz in München erwartet, darunter etwa 20 Staats- und Regierungschefs und Dutzende Minister. Es geht um Außenpolitik, um Verteidigungsfragen, um internationale Krisen - der Gesprächsbedarf ist groß. Denn glaubt man dem Chef der Sicherheitskonferenz, ist die Lage besonders angespannt. Vor Beginn des Treffens warnte Wolfgang Ischinger eindringlich vor neuen Kriegen. "Wir haben noch nie seit dem Ende der Sowjetunion eine so hohe Gefahr auch einer militärischen Konfrontation von Großmächten gehabt", sagte Ischinger im Deutschlandfunk.

Das Misstrauen zwischen den Militärführungen in Moskau und Washington sei abgrundtief. "Es könnte gar nicht schlimmer sein", sagte Ischinger nur Stunden, bevor die Konferenz in München eröffnet wird.

Wolfgang Ischinger
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Wolfgang Ischinger

Das Misstrauen der militärischen Führungen beider Länder könne zu Missverständnissen und Fehlkalkulationen führen, die zu ungewollten militärischen Auseinandersetzungen führen könnten. Diese Gefahr sei größer, als Ischinger in den letzten 30 Jahren in Erinnerung habe.

Noch vor einem Jahr habe man sich bei der Sicherheitskonferenz große Sorgen um die Politik Donald Trumps gemacht. Inzwischen sehe Ischinger einige Anzeichen, dass sich die Dinge etwas beruhigt hätten und in den USA Kräfte, die auf Kontinuität setzten, die Oberhand gewonnen hätten. Insgesamt aber mache sich bemerkbar, dass mit dem weltpolitischen Rückzug der USA eine Ordnungsmacht, ein Weltpolizist, fehle.

höh/Reuters



insgesamt 188 Beiträge
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karl-ecker, 16.02.2018
1. Geht nicht mehr so richtig
mit dem Weltpolizisten? Die Russen und Chinesen haben mittlerweile so aufgerüstet, dass die Hegemonialansprüche der USA nicht mehr so leicht durchzusetzen sind. Oder es läuft auf einen Atjomkrieg hinaus.
horst01 16.02.2018
2. Misstrauen löst keine Kriege aus
In Wirklichkeit geht es um Interessen. Die USA wollen andere Gesellschaften umbauen zu modernen Formen des Zusammenlebens. Das Recht auf den eigenen Weg soll verwehrt werden. Putins Präsidialsystem sei des Teufels und müsse Weg. In dieser Frage sind die Deutschen anderer Auffassung und gestehen den Russen ihren Weg zu. Die Deutschen wollen nicht kämpfen für Ideologien. Bei uns hat sich der Grundsatz "Wandel durch Zusammenarbeit" durch gesetzt. Ischinger ist "Botschafter Trumps" und wird als Vertreter der Menschen wahrgenommen, dass nur Militärische Stärke Sicherheit bringt.
StefanZ.. 16.02.2018
3. Fehlender Weltpolizist?
Ist unser Problem allen Ernstes, daß es keinen gesetzlosen, eigenmächtig strafenden, arroganten, niemandem Rechenschaft schuldenden, von niemandem belangbaren Polzisten gibt, der bestenfalls im Interesse von 3% der Weltbevölkerung agiert, weil nur diese qua Staatsbürgerschaft für ihn Menschen erster Klasse sind? Was uns fehlt ist die moralische, rechtliche, legitime und praktische Instanz, mit Mandat weltweit einzuschreiten, sobald offene Gewalt zutage tritt. Dieser Weltpolizist kann nur solidarisch von der Staatengemeinschaft eingerichtet, befugt und finanziert werden, ohne Sonderregelungen für die Gleicheren unter den Gleichen.
caty24 16.02.2018
4. Europa wird von niemanden bedroht
Also brauchen wir uns keine Sorge zu machen. Aber China lässt sich die Provokationen der Alt US Militärs nicht mehr lange gefallen. Was demnächst im Südpazifik passieren wird,geht uns nichts an. Und diese ganze Sicherheitskonferenz ist eine grosse Waffenlobbyshow und überflüssig wie ein Kropf.
horstenporst 16.02.2018
5. Kleine Korrektur
"Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz warnt vor neuen Kriegen. Die Gefahr sei so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sagte Wolfgang Ischinger. Ein Grund: Das Misstrauen zwischen Moskau und Washington." Korrektur: Ein Grund: Die Münchner Sicherheitskonferenz ist eine Lobbyveranstaltung für höhere Militärausgaben. Sponsor der Münchner Sicherheitskonferenz ist u. a. das Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann.
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