Multimedia-Spezial Willkommen auf dem Todesstreifen

Warum schleust ein Förster nachts Agenten durch den Wald? Wieso paddelt ein Rettungsschwimmer für eine Schwedin übers Meer? Fallen Teenager beim Stichwort "Mauerbau" in den Tiefschlaf? Die deutsch-deutsche Geschichte ist längst nicht zu Ende erzählt. Eine Expedition durchs ehemalige Grenzgebiet.

SPIEGEL ONLINE

Von Leila Knüppel und


Eine durchsichtige Plastikkugel mit einem Bröckchen Mauerbeton kostet 15 Euro. Auch Gasmasken, bedruckte Shirts, Blechtassen und Karten mit DDR-Stempeln sind der Renner bei Touristen. Das ist Mauergeschichte in einem Mauermuseum irgendwo in Berlin.

Man kann sie auch anders erzählen: anhand der Menschen, die noch im früheren Grenzgebiet wohnen - nicht nur in der Hauptstadt, auch im Thüringer Wald oder an der Ostseeküste. Die meisten von ihnen haben Mauerbau und Mauerfall in einem Leben erfahren.

Gerade in den Orten nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze wohnten Opfer, Täter, Angepasste und die, die sich nach Freiheit sehnten, so eng beieinander wie kaum anderswo. Dörfer und Städte lebten mit der Dauerpräsenz von Stacheldraht und Grenztrupps, erfuhren zum Teil besondere Repressalien, waren ein täglicher Zeuge der Abriegelung.

Viele Ostdeutsche reagieren, wenn sie über die Vergangenheit erzählen sollen, zunächst mit Anekdoten und Witzen - um in der nächsten Sekunde in Erleichterung, Verbitterung oder Grübelei umzuschwenken. So auch der DDR-Boxer, der als junger Mann über die Ostsee flüchten wollte. Mit SPIEGEL-ONLINE-Reportern kehrte er an den Ort seiner Flucht zurück, erzählte seine Geschichte wie einen Schwank aus der Jugend. Als er sich an seine Haft im Stasi-Knast erinnerte, kamen ihm die Tränen.

Mit den Zeitzeugen des Mauerbaus wird es sich in einigen Jahren so verhalten wie mit Überlebenden der Weltkriege, der Weimarer Republik, des Holocaust: Bald wird niemand mehr aus erster Hand berichten können. Wieder stirbt eine Generation von Beobachtern und Betroffenen aus, die so wichtig sind für eine Aufarbeitung.

Auserzählt ist die Mauergeschichte noch lange nicht, und einige Teile sind selbst für Historiker Neuland. Tausende Westspione der Stasi zum Beispiel sind noch immer unentdeckt, ein Großteil der Akten ist ohnehin vernichtet. Auch bei unserem Versuch, das raffinierte Business von ostdeutschen Agenten-Schleusern zu entschlüsseln, stießen Experten an ihre Grenzen.

SPIEGEL ONLINE hat zum 50. Jahrestag des Mauerbaus drei Orte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze besucht und erzählt ihre Geschichte in einem Multimedia-Spezial. Reportage und Video ergänzen einander in jeder Episode. Zusätzlich kommen Protagonisten in separaten Film- oder Audio-Interviews zu Wort.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Clawog 11.08.2011
1. Arbeiter und Bauernstaat
Heute schwer vorstellbar, ein ganzer Staat eine Zuchtanstalt. Viele sehnen sich in diesen Zustand zurück und terrorisieren dafür regelmäßig ihre Mitbürger. Kaum zu glauben.
uspae2006 11.08.2011
2. wir sind die Guten
Zitat von sysopWarum schleust ein Förster nachts Agenten durch den Wald? Wieso paddelt ein Rettungsschwimmer für eine Schwedin*übers Meer?*Fallen Teenager beim Stichwort "Mauerbau" in den Tiefschlaf?*Die deutsch-deutsche Geschichte ist längst nicht fertig erzählt. Eine Expedition durchs ehemalige Grenzgebiet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778922,00.html
Nein stimmt, die Geschichte ist nicht fertig und wahr erzählt. Vor allem fehlt die Ausarbeitung, dass sich 2 Systeme mit Millionen von Soldaten gegenüberstanden, der 3. WK realistisch war und der gesamte Ostblock auch mit drückenden Sanktionen belegt war. Von wegen friedliebender Westen. Wer klug ist, erzählt die Wahrheit, irgendwann kommt sie doch heraus.
juergw. 11.08.2011
3. Die Guten ?!?
Zitat von uspae2006Nein stimmt, die Geschichte ist nicht fertig und wahr erzählt. Vor allem fehlt die Ausarbeitung, dass sich 2 Systeme mit Millionen von Soldaten gegenüberstanden, der 3. WK realistisch war und der gesamte Ostblock auch mit drückenden Sanktionen belegt war. Von wegen friedliebender Westen. Wer klug ist, erzählt die Wahrheit, irgendwann kommt sie doch heraus.
Der Kalte Krieg war doch ein Segen für die kalten Krieger in den USA und die dazugehörige Rüstungsindustrie. Mit der Bedrohung aus dem Osten konnte man Hunderte von Milliarden fordern um den "Osten" tot zu Rüsten.Heute ist man selber fast tot.
alexl1966, 11.08.2011
4. Und...
Zitat von uspae2006Nein stimmt, die Geschichte ist nicht fertig und wahr erzählt. Vor allem fehlt die Ausarbeitung, dass sich 2 Systeme mit Millionen von Soldaten gegenüberstanden, der 3. WK realistisch war und der gesamte Ostblock auch mit drückenden Sanktionen belegt war. Von wegen friedliebender Westen. Wer klug ist, erzählt die Wahrheit, irgendwann kommt sie doch heraus.
...welche Wahrheit soll das sein? Das der Osten friedliebend war, die Bösen in Wahrheit im Westen saßen?
Sharoun 11.08.2011
5. Tja..
Zitat von alexl1966...welche Wahrheit soll das sein? Das der Osten friedliebend war, die Bösen in Wahrheit im Westen saßen?
Ich weiß nicht, ob man das als 'Böse' bezeichnen soll, aber der Westen -allen voran die USA- hatte einen deutlich agressiveren Politikstil. Man überzog die Welt mit Militärbasen, erklärte abgelegene, souveräne Staaten zu Einflußsphären, umzingelte den Gegner mit strategischen Atomwaffen ... und sprach diesem Gegner dann schlicht das Recht ab, gleichzuziehen (siehe Kuba-Krise). Besonders friedliebend ist das nicht. Und Nato und Amerikaner zeigen ja bis heute, welches "Potential" in ihnen steckt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.