Multimillionär Karan Hamburger Senatoren-Kandidat frisierte seine Vita

Der Millionär Ian Karan soll Senator im Hamburg werden, hat aber wiederholt Falschangaben über seine Vergangenheit gemacht, wie er nun selbst einräumt. Er erfand eine Aufforderung von Kanzlerin Merkel, ließ Spenden an die Schill-Partei weg - und sagte die Unwahrheit über seinen Abgang von der Uni.

Unternehmer Karan mit Frau und Tochter: "Zu viel kokettiert"
dpa

Unternehmer Karan mit Frau und Tochter: "Zu viel kokettiert"


Hamburg - Am kommenden Mittwoch soll Ian Karan zum neuen Wirtschaftssenator Hamburgs gewählt werden. Kurz vor dem wichtigen Tag macht der parteilose Unternehmer nun mit einem umfassenden Bekenntnis von sich reden: Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte er, in der Vergangenheit habe er falsche Angaben über seinen Lebenslauf gemacht.

So korrigierte der 71-Jährige der Zeitung gegenüber die frühere Darstellung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn dazu aufgefordert habe, deutscher Staatsbürger zu werden. "Das ist falsch. Merkel hat mich niemals dazu aufgefordert", sagte Karan. Er habe in der Vergangenheit zu viel mit den Medien kokettiert. Das bereue er.

Ein weiteres Kapitel seiner Vita ist die Unterstützung des Rechtspopulisten und früheren Hamburger Innensenators Ronald Schill. Sie war größer als bisher bekannt. Karan räumt jetzt ein, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive bis 2004 insgesamt 44.500 Euro gespendet zu haben. Der CDU, die er als seine politische Heimat betrachtet, solle Karan über mehrere Jahre hinweg 570.000 Euro gespendet haben, berichtete die Zeitung.

Noch im Januar 2009 soll er laut einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" vom 18. August gesagt haben: "Es war ein großer Fehler, die Schill-Partei unterstützt zu haben." Jetzt begründete der in Sri Lanka geborene Karan seine Spenden an die Partei des Rechtspopulisten so: "Wenn Ausländer in Deutschland Straftaten begehen, haben Sie es als Dunkelhäutiger schwer, auch wenn Sie gesetzestreu sind." Er habe sich vom Vorgehen Schills gegen kriminelle Ausländer eine stärkere Akzeptanz in der Hamburger Gesellschaft versprochen.

Auch die Legende des beruflichen Aufstiegs des Hamburger Multimillionärs bedarf einiger Korrekturen: Vorher ließ er verlauten, er habe den Studienabschluss an der London School of Economics nicht bekommen, weil er gegen den Vietnam-Krieg protestiert habe. In Wirklichkeit waren aber seine Fehlzeiten der Grund. Das räumt Karan jetzt ein.

Später, nach der Gründung seiner Containerverleihfirma in der Hansestadt, musste Karan einige geschäftliche Rückschläge einstecken. Seine Firmen hätten schon dreimal kurz vor dem finanziellen Abgrund gestanden, räumte er ein.

Am Mittwoch wählt die Hamburger Bürgerschaft einen neuen Bürgermeister und drei Regierungsmitglieder. Zum 25. August tritt der bisherige Bürgermeister Ole von Beust (CDU) ab, seine Nachfolge soll der bisherige Innensenator Christoph Ahlhaus antreten. Neben Karan als Wirtschaftssenator soll Verfassungsschutzchef Heino Vahldieck als Innensenator gewählt werden. Als neuer Kultursenator ist Reinhard Stuth vorgesehen. Stuth war früher Staatsrat in der Kulturbehörde, wurde aber 2009 in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

ffr/dpa/apn

insgesamt 38 Beiträge
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stanis laus 22.08.2010
1. Bei Politikern üblich
"Er erfand eine Aufforderung von Kanzlerin Merkel." Warum soll er nicht lügen? Die Kanzlerin hat ihre Vergangenheit in der DDR als Kader, als FDJ-Funktionärin und Stasi-"Wachpersonal" ja auch gewaltig aufgehübscht. Die Fähigkeit zur Lüge ist die Voraussetzung zum Politiker.
enlightenment 22.08.2010
2. Es dürfte wahr sen
Spiegel: > "Jetzt begründete der in Sri Lanka geborene Karan seine > Spenden an die Partei des Rechtspopulisten so: "Wenn > Ausländer in Deutschland Straftaten begehen, haben Sie es > als Dunkelhäutiger schwer, auch wenn Sie gesetzestreu > sind." Er habe sich vom Vorgehen Schills gegen kriminelle > Ausländer eine stärkere Akzeptanz in der Hamburger > Gesellschaft versprochen." Ich denke nicht, dass Karan das nur "jetzt" so begründet, sondern dies wird in der Tat der wahre Grund sein. Irgendwie macht das Karan sympathisch. Dass sich Karan jetzt von Schill distanzieren muss, ist klar, sonst macht er keine Karriere. Schade, dass Schill ins Abseits gedrängt wurde, er war eine demokratische Chance für das ganze Deutschland, auch und gerade für Ausländer oder Homosexuelle (denn er hat Beust eben nicht mit dessen Homosexualität zu "erpressen" versucht).
Geziefer 22.08.2010
3. SCHILLernd.
Offenbar eine SCHILLernde Person, dieser Ian Karan.
arneflick 22.08.2010
4. Unternehmerisch handeln...
...heisst manchmal auch Fehler zuzugeben, auch wenn das sogar Lügen waren. Dass aber Politiker Fehler zugeben - und das noch vor einer Wahl - sehe ich das erste Mal. Ziemlich cool dieser Mann. Ein Vorbild für andere Bürger mit dem sogenannten Migrantenhintergrund. Mehr davon!
cs01 22.08.2010
5. Wa solls
Also ein echtes Fehlverhalten kann ich nicht erkennen. Ok die Spende an die Schillpartei ist nicht schön, aber altbekannt. wie hoch die nun genau war, ist auch egal, an die CDU hat er das 10fache gespendet. Dass man ein Scheitern an der Uni möglichst beschönigt, ist allgemein üblich und wirtschaftliche Schwierigkeiten posaunt man auch nicht heraus, damit einem die Konkurenz endgültig plattmacht. Insgesamt scheint mir, dass hier krampfhaft versucht wird, einen CDU-Mann zur Strecke zu bringen. Es kann ja nicht sein, dass ausgerechnet die CDU Migranten in politische Verantwortung bringen will. Das dürfen nur irgendwie links eingestellte Parteien.
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